Von David Bernreuther

Wer 90 Minuten Langeweile durchhält, der wird beim 1:1 zwischen Neuseeland und der Slowakei am Ende belohnt - mit dem überraschenden Ausgleich des Außenseiters.

Es soll Menschen geben, die sich das ehrgeizige Ziel gesetzt haben, alle Spiele dieser WM von der ersten bis zur letzten Minute anzuschauen. Und sei die Paarung noch so unattraktiv. Sie haben sich Urlaub genommen, ihre Freunde versetzt und sich Ärger mit ihren Familien eingehandelt - nur damit sie Tag für Tag von 13 bis 23 Uhr vor dem Fernseher sitzen können. Sie hoffen auf Tore, spektakuläre Dribblings, dramatische Wendungen - und wurden bislang meist gnadenlos enttäuscht.

Anzeige

Auch die Partie zwischen Neuseeland und der Slowakei bot 90 Minuten Langeweile. Wer allerdings bis zum Schlusspfiff durchhielt, der wurde mit einer Überraschung belohnt: Winston Reid köpfte in der dritten Minute der Nachspielzeit das Tor zum 1:1-Ausgleich für den Außenseiter Neuseeland. Robert Vittek hatte die Slowakei zuvor ebenfalls per Kopf in Führung gebracht.

Die Slowakei nimmt zum ersten Mal seit der Gründung 1993 als eigenständiger Staat an einer Weltmeisterschaft teil. Beim Blick auf die Startaufstellung für das Spiel gegen Neuseeland stieß der deutsche Fußballfan allerdings auf viele Namen, die ihm gut bekannt sein dürften: Jan Durica (Hannover 96), Radoslav Zabavnik (FSV Mainz 05), Stanislav Sestak (VfL Bochum) und Erik Jendrisek (bisher 1. FC Kaiserslautern, ab Juli Schalke 04) verdienen ihr Geld in Deutschland. Dazu kommt Robert Vittek, der einst für den 1. FC Nürnberg stürmte und inzwischen bei Ankaragücü in der Türkei spielt.

Einen aktuellen Bundesliga-Profi hat Neuseeland zwar nicht zu bieten, eine Verbindung zwischen der Nationalelf der "Kiwis" und der Bundesrepublik gibt es trotzdem: Rechtsaußen Shane Smeltz wurde in Göppingen geboren. Neuseeland hatte sich 1982 schon einmal für eine WM qualifiziert, der heutige Trainer Ricki Herbert nahm damals als Spieler teil. Er erinnert sich noch gut an die drei deutlichen Niederlagen in der Vorrunde und auch an seinen größten Erfolg: den Trikottausch mit dem Brasilianer Sócrates.

Die Ziele für die WM 2010 formulierte Herbert deshalb äußerst vorsichtig: "Wenn wir in allen unseren Spielen untergehen, wäre das enttäuschend. Ein Erfolg wäre, wenn wir wenigstens ein Unentschieden schaffen. Drei knappe Niederlagen wären auch okay." Seine Spieler begannen allerdings nicht so, als wären sie mit einer knappen Niederlage zufrieden: Schon nach drei Minuten gab Chris Killen den ersten Schuss ab, der das Tor jedoch verfehlte. Kurz darauf scheiterte Killen per Kopf am slowakischen Torwart Jan Mucha.

Nach fünf Minuten schienen sich die Neuseeländer allerdings auf die Vorgaben ihres Trainer zu besinnen. Sie zogen sich zurück und machten die Räume eng, bei gegnerischen Freistößen reihten sich neun Feldspieler im eigenen Strafraum auf, der zehnte bildete eine Ein-Mann-Mauer. Die Slowaken agierten mit so wenig Tempo und so wenigen Ideen, dass es fast eine halbe Stunde dauerte, bis sie die erste Torchance hatten. Sestak kam nach schönem Zusammenspiel mit Vladimir Weiss im Strafraum zum Abschluss, brachte den Ball allerdings nicht aufs Tor.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Qualvoll ausgeglichen
  2. "Die schlechteste Halbzeit bei der WM"
Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: "Ich war nie schuld. Nie. Nie. Nie."

Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...