Jahrelang hat sich Fifa-Präsident Sepp Blatter rigoros gegen technische Hilfsmittel für die Schiedsrichter im Fußball gewehrt. Nun regen sich Millionen über Fehlentscheidungen auf - und Blatter lenkt ein. Aber meint er das ernst?
Was tut ein Populist, wenn er bemerkt, dass die öffentliche Meinung sich wandelt und mit der von ihm vertretenen wirklich gar nicht mehr in Einklang zu bringen ist? Eine rhetorische Frage, natürlich: Er ändert seine Meinung. Insofern kann niemanden überraschen, dass der begnadete Populist Sepp Blatter, Präsident des Weltfußballverbandes Fifa, am Dienstag vor die Weltpresse trat und zahmer war als ein Wolf, der eine Schulpackung Kreide gefressen hat.
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Fifa-Präsident Sepp Blatter denkt nach. (© ap)
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Jahrelang hat Blatter sich rigoros dagegen gewehrt, dass irgendeine Form von Technologie den Schiedsrichtern im Fußball die Entscheidungen erleichtert beziehungsweise diese Entscheidungen so überprüfbar macht, dass sie gegebenenfalls im laufenden Spiel korrigiert werden können. Süffisant lehnte er jedes Ansinnen ab, es sei doch wunderbar, sagte er wieder und wieder mit gönnerhaftem Lächeln, wenn die Fans diskutieren könnten - als wären "die Fans" ein paar Millionen Trottel, deren linsengroße Hirne nicht in der Lage wären zu erkennen, dass sie gerade für dumm verkauft werden. Blatter sprach vom "menschlichen Antlitz" des Fußballs.
Es ist die eine Sache, dass dieses Antlitz bisweilen allzu menschlich daherkommt, nämlich genau dann, wenn betrogen wird im Spiel, was durch das bisherige unbedingte Beharren auf der sogenannten Tatsachenentscheidung zumindest erleichtert wurde. Es ist die andere Sache, die nun zu einem überfälligen Wandel der Haltung der Fifa führen könnte: Auf der größten Bühne haben Millionen Menschen die Fehler der Schiedsrichter gesehen - Luis Fabianos Tor nach zweimaligem Handspiel, der nicht gegebene Treffer der Engländer, das klare Abseitstor der Argentinier.
Und Millionen Menschen regten sich darüber auf. Sie wussten vielleicht nicht, wie genau, mit welcher Technik, mit welchen Regeln man Abhilfe schaffen kann, aber sie wussten definitiv, dass etwas getan werden muss. Umso bedrückender, umso erbärmlicher, umso ärgerlicher war das Schweigen der Fifa, deren Schiedsrichterchef, der Stahlbetonkopf José Maria Garcia Aranda, noch am Dienstag darauf beharrte, die Leistungen der Referees seien exzellent.
So dumm ist Blatter nicht. Er mag Stahlbetonköpfe für sich arbeiten lassen, er selbst ist flexibel, wendig, gerissen, ebenso sehr Fahne im Wind wie Spitze der allerneusten Bewegung. Reformen im Schiedsrichterwesen hat er nun versprochen, es wäre "unsinnig", sich keine Gedanken über den Einsatz von Technologie zu machen.
Mit dem gleichen Wort, "unsinnig", hat die Fifa den Einsatz solcher Hilfsmittel noch im März abgelehnt. Will Blatter bloß die Wogen glätten, bis die WM vorbei ist? Oder hat er eingesehen, dass es so nicht weitergeht? Hoffentlich nimmt die Welt des Fußballs ihn beim Wort.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
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(SZ vom 30.06.2010/dav)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
Champions-League-Finale
Blatter nimmt Kamera ins Visier
Wider besseres Wissen
Nur der Schiedsrichter sieht es nicht
Wenn man sieht, wer darüber entscheidet, kann man froh sein! Blatter (und damit die FIFA) ist schon mit den verrücktesten Regeländerungen schwanger gegangen. Größere Tore, kleinerer Ball, Elfmeterschießen vor dem Spiel - was hat der nicht schon alles vom Stapel gelassen! Wer hat's verhindert? England, Schottland, Wales und Nordirland. Wir sollten generell froh sein, dass es dieses tradionalistische Korrektiv gibt, sonst würde Blatter in der Hoffnung auf noch größere Kommerzialisierung das Spiel zerstören. Nur in Sachen technisches Hilfsmittel könnten die Herren vom IFAB etwas progressiver sein. Aber auch hier sind nicht die Briten allein schuld. Die Entscheidungen vom März 2010 waren einstimmig, also auch (und gerade) von den vier FIFA-Vertretern mitgetragen. Nicht zuletzt Blatter wollte es ja auch so.
Das Problem ist, daß der Einsatz technischer Hilfsmittel, die Möglichkeiten der FIFA Spielverläufe durch "Tatsachenentscheidungen" zu "gestalten", verringern wird. Leider werden auch bei dem Einsatz solcher Hilfsmittel, subjektive Entscheidungen wie die unterlassene Tätlichkeitssperre für Herrn Villa gleichwohl ihren Einfluß haben. Solange Personen wie der spanische Schiedsrichterobmann quasi neutral entscheiden, ob ein Landsmann für etwas gesperrt wird, das bei jedem anderen zu Sperre führt, wird es durch ungleiche Behandlung gleicher Sachverhalte zu "Verzerrungen" kommen.
Der Einsatz von Chipbällen und speziellen Torschiedsrichtern wird ohne die Ergänzung duch einen Videobeweis das Problem nicht lösen. Tatsächlich ist ein nicht-gegebenes Tor ja nunr einmal Stein des Anstosses gewesen, häufiger waren fehlerhaft getroffene Abseitsentscheidungen, und Kartenvergaben, nicht zu vergessen ein nicht geahndetes doppeltes Handspiel.
die diebische Elster der FIFA, der würde es wirklich rechtstreue Staatsanwaltschaften in der Schweiz und anderswo geben, längst hinter schwedischen Gardinen säße, ist so als würde man versuchen einen eingeseiften Aal mit blosen händen festzuhalten, das sagt doch alles.....
alle Regeländerungen werden in einer Kommission entschieden, in der aufgrund der Historie des Fussball-Sports die Länder England, Wales, Schottland und Nord-Irland darüber abstimmen, leider nicht die FIFA alleine, die FIFA hat nur 4 Stimmen von den insgesamt 8 Stimmen... also die Briten entscheiden die Regeln.
Hilfsmitteln verdeckt die millionenschweren Manipulationen des Monopols Fifa, wo in bewusst gesetzlich geheimen Verfahren in der Schweiz mit Freispruch - aber mit Millionenzahlung - "keine Manipulationen" stattgefunden haben sollen: Auch Blatter wurde per geheimes schweizer Couvert an den Richter freigesprochen - wieder ein "Schweizer Schwindel" eben...
Der Autor hat Übersicht über die angebliche Einsicht Blatters...
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