Der blendend aufgelegte Cacau soll gegen Ghana den gesperrten Miroslav Klose ersetzen. Mario Gomez und Stefan Kießling hingegen warten ernüchtert, immerhin bekommen sie jetzt wichtige Kondolenzbesuche.
Es wäre eine spannende Aufgabe, in Flugzeugen, die zurzeit zwischen Frankfurt am Main und Johannesburg verkehren, eine kleine Erhebung über den jeweiligen Zweck der Reise in Auftrag zu gegeben. Gewiss wären Fußballfans dabei, die Deutschland im Vorrunden-Endspiel gegen Ghana ihre Stimme leihen wollen, auch Geschäftsleute und Urlauber wären mühelos zu ermitteln. Erstaunlich wäre aber wohl der hohe Anteil jener, die in beratender Mission unterwegs sind.
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Am Himmel herrscht ein hohes Berateraufkommen zurzeit. Ali Bulut, der Vertreter von Stefan Kießling, ist am Montagabend in den Flieger nach Südafrika geklettert, Oliver Mintzlaff, Geschäftsführer von Mario Gomez' Beraterfirma, ist schon dort angekommen. Es gehört zu den Dienstleistungen einer professionellen Agentur, ihren Profis auch am anderen Ende der Welt nah zu sein. Im aktuellen Fall sind aus den lange geplanten Terminen aber fast schon Kondolenzbesuche geworden - Stefan Kießling und Mario Gomez haben Beistand zurzeit dringend nötig.
Es dürfte die Laune der beiden Angreifer nicht verbessern, wenn sie zurzeit einen dritten Angreifer durchs DFB-Quartier strahlen sehen. Cacau, 29, sieht nicht so aus, als habe er erhöhten Trostbedarf. Er hat sich am Montag sogar die Frage gefallen lassen müssen, ob er denn auch mal schlechte Laune habe. Ja, sagte Cacau, selbstverständlich blendend gelaunt, nach Niederlagen habe er schon schlechte Laune, aber nicht sehr lange. Er hat dann, blendend gelaunt im Übrigen, berichtet, dass er noch keine Hinweise auf einen möglichen Einsatz gegen Ghana erhalten habe, aber wer im deutschen Lager ein wenig herumfragt, dem begegnen kaum mehr Zweifel.
Wie ein WM-Tourist
Cacau wird wohl die Rolle des gesperrten Miroslav Klose übernehmen - jene zentrale Mittelstürmerrolle, von der es vor kurzem noch hieß, Cacau könne sie wegen seiner wuseligen und herumtreiberischen Art gar nicht spielen. Aber der deutsche Fußball ist seinem eingebürgerten Brasilianer inzwischen ja sehr entgegengekommen: "Wir spielen Fußball, wie er in Deutschland lange nicht gespielt wurde", sagt Cacau, "wir halten den Ball am Boden und brauchen nicht unbedingt den kopfballstarken Zentrumsstürmer." So einen wie Mario Gomez. Oder wie Stefan Kießling.
Die Geschichte von Cacau ist auch die Geschichte von Gomez und Kießling, nur umgekehrt. Gomez und Kießling müsste man zurzeit eher die Frage stellen, ob sie denn auch mal gute Laune haben. Was Körperbau und Spielweise anbelangt, wären sie die natürlichen Anwärter auf den Klose-Platz, aber die letzten Bilder, die man von beiden im Kopf hat, sehen nicht so aus, als könnte Deutschland von ihnen die Rettung gegen Ghana erwarten.
Das Bild von Gomez zeigt einen Spieler, der nach seiner Einwechslung hochmotiviert und voller Eifer aufs Feld rennt, der sich aber vor lauter Motivation und Eifer selbst im Weg steht. Das Bild von Kießling zeigt einen Profi, der nach dem Spiel mit Brille und Akkreditierung um den Hals durch die Mixed Zone schlendert, als sei er ein vom Verband eingeladener WM-Tourist. Stefan Kießling fühlt sich im Übrigen auch so.
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Champions-League-Finale
Daß Kießling bei Vizekusen Tore schoß, sagt jetzt weniger was über seine Fähigkeiten, als über den Mangel an Talent bei seinen Mitspielern. Und was Gomez angeht: wenn der ach so mimosenhafte Ballkünstler nicht mal eine unfreundliche Ansprache von van Gaal wegstecken kann, dann hätt er halt beim VfB in Stuttgart bleiben müssen. Vielleicht ist es im Fußball wie im wirklichen Leben: Frohnaturen wie Cacau reißen was, miesepetrig beleidigte Leberwürste kommen nicht weit.