Wintersport Biathlon-WM: Nur Fourcade spielt nicht mit

Simon Schempp, Franziska Hildebrand, Arnd Peiffer and Franziska Preuß: Gleich eine Medaille zum Auftakt

(Foto: dpa)

Der Franzose enteilt Simon Schempp auf der Schlussrunde, die Deutschen freuen sich aber über WM-Silber in der Mixed-Staffel. Die Trainer haben aus einem Fehler gelernt.

Von Volker Kreisl, Oslo

Mit dem Donnerstag hatten die deutschen Biathleten schon immer ein Problem. Seit dieser Tag vom Trainingstag zum WM-Eröffnungstermin aufgewertet wurde, hat er die Stimmung im deutschen Team zumeist abgekühlt. Es ist der Tag der Mixed-Staffel, der Auftakt der Titelkämpfe, die große Chance, den Teamgeist für die folgende Woche anzuheizen.

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Befördert hatte er bei den Deutschen aber eher die Selbstzweifel. Nach Mixed-Silber 2011 ließen die Ergebnisse immer mehr nach. In Ruhpolding 2012 schaffte das Team gerade noch Bronze, 2013 kam es furchtbar geschlagen auf Platz 13 ins Ziel, auch Platz sechs 2015 war eine Enttäuschung. Doch die Serie ist nun vorbei, ab sofort haben die Biathleten des Deutschen Skiverbands (DSV) diesen Donnerstag wohl sogar richtig gern. Zum Auftakt der Weltmeisterschaften in Oslo holten Franziska Preuß, Franziska Hildebrandt, Arnd Peiffer und Simon Schempp Silber, bis kurz vor Schluss war gar Gold in Greifweite. Es war ein spannendes Mixed-Rennen mit Höhen und Tiefen und mit finaler Zuspitzung. Am Ende gewann Frankreich 4,3 Sekunden vor Deutschland, Dritter wurde die Mannschaft aus Norwegen, die ebenfalls lange mit der Aussicht auf Gold unterwegs war, deren Schlussläufer Tarjei Bö jedoch im Liegendschießen Nerven zeigte und fast noch alles verloren hätte. Enttäuscht hatte Russland, dessen Quartett auf Platz sieben ins Ziel kam. Anders als in Kontiolahti vor einem Jahr, als man die Mischmannschaft eher defensiv aufstellte, bestückten die Trainer Mark Kirchner (Männer) und Gerald Hönig (Frauen) ihr gemeinsames Team entsprechend der höchsten Stufe - mit ihren Besten. "Das Podest muss unser Anspruch sein", hatte Kirchner erklärt, und als der Anspruch bestätigt wurde, war die Freude groß. "Wir waren immer in Schlagdistanz zu den Top-Teams", sagte Hönig, "so in eine WM reinzukommen, nimmt Druck für die Sprintrennen am Samstag." Damit, so Hönig, wüssten nun auch jene, die nicht dabei waren, aber im Training gute Leistungen zeigten, dass ihre Form stimmt. Die vier Silbergewinner gelten somit auch als Bestätigung für die richtige Trainingsdosis. Alle Deutschen hatten ja zuletzt mehr oder weniger einen Wiederaufbau absolviert, teils nach längeren Krankheitspausen, teils nach simplen Formeinbrüchen. Betroffen war vor allem Peiffer, der vor drei Wochen nach einer Kollision mit einem Baum eine Gehirnerschütterung erlitten hatte. Kirchner sagte jetzt: "Wir sind guter Dinge, dass alles passt."

Auch bei Arnd Peiffer passt wieder alles: Er hält das deutsche Team im Rennen

Das Rennen begann und Kirchners Einschätzung bestätigte sich, und zwar auch für Preuß und Hildebrand. Beide schossen jeweils liegend zwei Fehler und stehend makellos. Es bildete sich eine Fünfergruppe, die in Führung ging, aus der zur Hälfte des Rennverlaufs ein Quartett wurde, welches mit 40 Sekunden Vorsprung früh uneinholbar war. Unter die Rubrik "alles passt" fielen insbesondere die Ski der Deutschen. Schon in der ersten längeren Abfahrt konnte Preuß fünf Sekunden gutmachen. Und Peiffer, der wohl selbst noch mit seinen Kräften haushalten wollte und lieber im Windschatten blieb, rutschte bergab ein ums andere Mal bis an die Stockspitzen des Vordermannes.

Hinterher betonte er den gewachsenen Wert des Donnerstags: "Die Mixed-Staffeln wurden von allen Nationen bestens aufgestellt, die muss man erst einmal schlagen." Peiffer hatte den Platz im Führungs-Quartett gehalten. Die Schlussläufer Schempp, Martin Fourcade, Tarjei Bö sowie etwas überraschend der Ukrainer Dmitro Pidruschni nahmen dann die letzte Etappe in Angriff. Die ersten beiden hatten sich schon während der Weltcupsaison spannende Auseinandersetzungen geliefert, und in der Mixed-Staffel spitzte sich auch diesmal alles auf sie zu. Im letzten Stehendschießen verfehlten Fourcade und Schempp jeweils eine Scheibe, luden jeweils fast zeitgleich nach und trafen jeweils mit dem sechsten Schuss, Schempp zwei Sekunden später. Bö, der liegend gerade noch einer Strafrunde entgangen war, ging ebenfalls noch aussichtsreich in die Schlussrunde, verlor dann aber Sekunde um Sekunde.

Schempp, auf schnellen Latten unterwegs, klemmte sich an Fourcades Ski-Enden und suchte verzweifelt seine Chance im Schlussspurt. Doch Fourcade musste gar nicht auf seine Sprintfähigkeiten vertrauen, er entschied den Zweikampf schon an der letzten, kurzen Steigung vor dem Ziel.

Es war dann vielleicht ein unscheinbares Detail, das den Ausschlag gab. Schempp jedenfalls sagte, es seien die zwei Sekunden gewesen, die er aufholen musste: "Ich bin beim Schließen der Lücke in den roten Bereich gegangen. Die Kräfte haben mir danach gefehlt."

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