Wintersport Biathlon-WM: Mutter räumt alles ab

Marie Dorin Habert: Bei der WM in Oslo überragend

(Foto: dpa)

Marie Dorin Habert wird erst nach ihrer Schwangerschaft zur Überfliegerin, Simon Schempp erliegt dem WM-Fluch und Ole Einar Björndalen macht 42-Jährigen Mut. Erkenntnisse der Biathlon-WM.

Von Saskia Aleythe

Zwei Wochen nur, dann war alles schon wieder vorbei: Die Biathlon-WM in Oslo ist Geschichte, Frankreichs Martin Fourcade hat beinahe alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Doch diese WM hat noch deutlich mehr Erkenntnisse hervorgebracht.

Hier sind fünf Dinge, die von der Biathlon-WM in Erinnerung bleiben:

Simon Schempp und Weltmeisterschaften: Es ist kompliziert

Simon Schempp ist Deutschlands bester Biathlet. Es gab eine Zeit in diesem Winter, da galt der 26-Jährige als großer Herausforderer von Martin Fourcade, im Weltcup sammelte er vier Siege und vier weitere Podestplätze - doch bei der WM war von der guten Form zu Saisonbeginn kaum noch etwas übrig. Mit den beiden Staffeln holte er zwei Silber-Medaillen, wie im Vorjahr blieb Schempp aber ohne Einzelmedaille. Sein bestes Ergebnis war ein achter Platz im Sprint, was eine anständige Leistung ist, aber für einen wie ihn eine Ernüchterung darstellt. "Er hat mehr drauf, als er gezeigt hat. Ihm hätte ich eine Einzelmedaille gewünscht", sagte Teamkollege Arnd Peiffer. Schempp selbst kommentierte artig seine Staffelmedaillen, er sei "richtig glücklich" darüber. Im Einzel hebe er sich "etwas mehr erhofft". Vielleicht nächstes Mal.

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Ole Einar Björndalen trotzt den Jungspunden

42. Das ist nicht die schlechteste Platzierung von Schempp in diesem Winter, beim Sprint in Östersund wurde er 77. Nein, 42 ist das Alter von Ole Einar Björndalen. Der Norweger hat sich mit seinen Läuferqualitäten schon früh den Titel "Kannibale" verdient, und als solcher ist er auch im hohen Alter noch zäh: Bei der Heim-WM in Oslo holte sich der Mann tatsächlich das 20. WM-Gold seiner Karriere ab, doch nicht nur mit der Staffel ist er noch erfolgreich: Björndalen hievte seine Glieder in den Einzelwettbewerben zu zwei weiteren Silber- und einer Bronze-Medaille, die flinken Beine der Jungspunde um ihn herum beeindruckten ihn null. "Ich habe immer noch sehr viel Spaß. Es ist ein unglaubliches Gefühl hier bei dieser WM. Ich fühle mich stark", sagt Björndalen. Ob nun denn mal Schluss ist mit dem Sport? Björndalen lässt das offen. In zwei Jahren sind schließlich schon wieder Olympische Winterspiele.

Marie Dorin Habert gewinnt erst als Mutter

Das Besondere an der Französin sind nicht nur die sechs Medaillen, mit der sie die erfolgreichste Athletin geworden ist. Das Besondere ist auch, dass die Familiengründung bei Dorin Habert keinen Karriere-Knick bedeutet hat, sondern im Gegenteil: Sie hat sie beflügelt. Vor der Geburt ihrer Tochter Adele hatte es für Dorin Habert nie mit einer WM-Medaille in einem Einzelwettbewerb geklappt, nun hat sie gleich sämtliche aller Couleur in ihrem Besitz. Schon bei der WM in Kontiolahti vor einem Jahr wurde sie Doppeltweltmeisterin, nur sechs Monate nach der Geburt. "Meine Tochter ist der Grund, warum ich gewinne", sagt Dorin Habert. Bei der WM hatte sie die ganze Familie um sich: Ihr Mann Lois arbeitet als Reporter für Eurosport Frankreich, die Tochter war in Obhut ihrer Großeltern in der Arena dabei. Das hat sich ausgezahlt.

Russland so weit unten wie nie

Es ist ein Novum in der Geschichte der Biathlon-WM: Zum ersten Mal ist Russland komplett leer ausgegangen. Dabei hatte die Staffel der Männer in diesem Winter schon zwei Siege gefeiert, in Oslo reichte es nur zu einem sechsten Platz, eine Strafrunde und sieben Nachlader waren zu viel. Für Anton Shipulin, der im Gesamtweltcup erster Verfolger von Martin Fourcade ist, verlief die WM noch enttäuschender als für Simon Schempp: Er kam lediglich zweimal in die Top Ten. Ricco Groß, einst selbst mehrfacher Weltmeister, muss als Trainer der russischen Männer nun wohl um seinen Job fürchten.

Laura Dahlmeier gehört die Zukunft

Es gibt zwei deutsche Biathletinnen, die bei einer WM fünf Medaillen gewinnen konnten: Die eine ist Magdalena Neuner, die andere: Laura Dahlmeier. Fünf Starts, fünf Medaillen, ein Fingerzeig an die Konkurrenz für alles, was da noch kommen könnte. Dahlmeier ist ja erst 22 Jahre alt, bringt aber schon Wesentliches für einen großen Champion mit: Die Lust, sich zu quälen (was zu Platz drei im Sprint führte), einen klaren Kopf (für Gold in der Verfolgung), Cleverness (im Schlussspurt um Silber im Massenstart) - das alles präsentierte Dahlmeier bei der WM, kombiniert mit ihren hervorragenden Lauf- und Schießfähigkeiten. "Das ist phänomenal und wirklich ein ganz, ganz großer Traum", sagte Dahlmeier. Und hat in den Stunden ihres persönlichen Erfolgs auch noch den Sinn dafür, Karriere-Beender Andreas Birnbacher im TV-Interview zu verabschieden. Stark.

Miriam Gössner und Biathlon: Es bleibt kompliziert

Ein paar Tage bevor die deutsche Mannschaft nach Oslo abhob, sagte Bundestrainer Gerald Hönig ein paar flotte Sätze. Thema Miriam Gössner, Thema Schießstand. Hönig erklärte, "die Miri hat dem deutschen Biathlon schon große Dienste erwiesen". Aber er sagte auch: "Schießen und Singen kann man nicht erzwingen." Wie es um Gössners Gesangskünste steht, ist nicht überliefert, am Schießstand ist die Läufernatur aber in der Vergangenheit oft so verzweifelt, dass Topplatzierungen Utopie blieben. Bei der WM in Oslo wurde Gössner kein einziges Mal eingesetzt. Immerhin: Das ersparte ihr, eine weitere Schmach verkraften zu müssen. Aber wollen Sportler nicht auch Sport machen?