Wetter bei der Fußball-EM Klinsmanns Kältefass

Sind die Beschwerden bei der Europameisterschaft 2012 in der ungewohnten Schwüle Osteuropas also Geschwätz? Wie gesagt, dass soll wirklich keine Entschuldigung sein, aber: "Die Luft war unglaublich schwül und schwer", erklärte Jakub Blaszczykowski. Dabei könnte man denken, der Pole Blaszczykowski müsste die polnische Luft gewöhnt sein. Doch die Uefa wollte es dem Gastgeber so einfach nicht machen - und schloss wegen eines kleinen Regenschauers eine Stunde vor Anpfiff des Eröffnungsspiels gegen Griechenland das Stadiondach. Draußen Warschauer Schwüle, drinnen Nationalstadion-Sauna - die Polen brachen nach der Pause ein.

So etwas darf nicht noch einmal passieren, schließlich soll der Gastgeber nach dem unerklärten Willen aller so lange wie möglich im Turnier bleiben. "Das Dach wird in den kommenden Spielen in Warschau geöffnet bleiben, wenn nicht außergewöhnliche Wetterverhältnisse dagegensprechen", sagte ein Uefa-Sprecher.

Die Franzosen hingegen wappnen sich auf fast bulgarische Weise für diese EM. Bei ihrem ersten Spiel in Donezk am Montag gegen England werden nebst lähmender Schwüle 30 Grad Celsius erwartet. Nun haben sie aber einen gewieften Arzt dabei, Monsieur Fabrice Bryand. Der hat 26 Kühlwesten und eine Kältekabine mitbringen lassen, womit die angestrengten Körper erfrischt werden sollen.

Das mit der Kältekabine kennen auch die Deutschen. Jürgen Klinsmann hatte sie schon bei seinem Märchen 2006 im Einsatz, sie ähnelte damals noch eher einem Kältefass. Doch die Franzosen setzen eins drauf: Die Westen sollen die Spieler auch zur Halbzeit anziehen, jede kann mit eineinhalb Kilogramm Eis gefüllt werden. "Sie sehen aus wie kugelsichere Westen", scherzte Monsieur Bryand. Da kann man für Franck Ribéry nur hoffen, dass er nicht vergisst, sie wieder auszuziehen.

Den Gegentrend setzte bislang der kroatische Trainer Slaven Bilic. Der lief am Seitenrand gegen Irland tatsächlich mit einer Baumwollmütze herum. Um den harten Iren zu zeigen: Wir sind härter! Der Plan ging auf, Kroatien gewann 3:1.

Am Mittwoch in Charkow, wenn die Deutschen gegen die Niederländer spielen, sind 31 Grad vorhergesagt. Das unschöne Wort Hitzeschlacht macht schon die Runde. Dennoch ist nicht anzunehmen, dass Joachim Löw eine Skimütze tragen wird, auch Bastian Schweinsteiger in kugelsicherer Kälteweste ist unwahrscheinlich. Vielleicht beherzigen die deutschen Spieler stattdessen eine Weisheit des italienischen Ex-Profis Robert Baggio. Der sagte einmal zu seinen Mitspielern: "Lasst den Ball laufen, der schwitzt nicht."