Verdacht auf Steuerhinterziehung Richter erließ Haftbefehl gegen Hoeneß

Uli Hoeneß in der Arena in München. 

(Foto: Matthias Schrader/dpa)

Gegen Bayern-Präsident Uli Hoeneß liegt ein Haftbefehl vor. Nach SZ-Informationen war Hoeneß am 20. März von Strafverfolgern der Staatsanwaltschaft München II vorläufig festgenommen worden. Gegen eine Kaution von fünf Millionen Euro wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt. Die vorläufige Festnahme ist aber ein ernster Hinweis, dass die Selbstanzeige möglicherweise nicht strafbefreiend sein wird.

Von Hans Leyendecker und Klaus Ott

Gegen den in eine Steuer-Affäre verwickelten Präsidenten des FC Bayern München, Uli Hoeneß, liegt ein Haftbefehl vor, der außer Vollzug gesetzt worden ist. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung war Hoeneß, 61, am 20. März von Strafverfolgern der Staatsanwaltschaft München II vorläufig festgenommen worden. Damals hatten Ermittler sein Haus durchsucht, um Unterlagen für das Steuer-Verfahren zu finden. Gegen Zahlung einer Kaution in Höhe von fünf Millionen Euro wurde der Haftbefehl kurz darauf außer Vollzug gesetzt.

Ursprünglich soll die Justiz von Hoeneß sieben Millionen Euro gefordert haben. Hoeneß musste in den vergangenen Wochen Auflagen erfüllen und sich zweimal wöchentlich bei Behörden melden. Diese Auflage ist inzwischen aufgehoben worden. Was den Haftbefehl ausgelöst hat, war am Dienstag nicht in Erfahrung zu bringen. Die Anwälte von Hoeneß äußerten sich dazu nicht.

Die vorläufige Festnahme ist ein ernster Hinweis, dass eine Selbstanzeige von Hoeneß wegen unversteuerter Spekulationsgewinne möglicherweise nicht strafbefreiend sein wird. Hoeneß, der über ein Jahrzehnt ein dem Fiskus nicht bekanntes Konto bei einer Schweizer Bank unterhielt, hat die Selbstanzeige Mitte Januar beim Finanzamt Miesbach eingereicht, das für ihn zuständig ist. Zugleich soll er mindestens 3,2 Millionen Euro Steuern samt Aufschlägen an den Fiskus gezahlt haben, um seine Steuerschuld zu tilgen.

Im Fall von Selbstanzeigen sind Haftbefehle ungewöhnlich, da - in der Theorie zumindest - der Steuerhinterzieher von sich aus reinen Tisch machen will. Hoeneß hatte nach eigenen Angaben vom vorigen Wochenende gehofft, das von den Regierungen in Deutschland und der Schweiz ausgehandelte Steuerabkommen würde verwirklicht. Der Bayern-Präsident hätte dann seine Millionenschuld beim Finanzamt anonym begleichen können. Das Steuerabkommen aber scheiterte am Widerstand von SPD und Grünen.

"Ein schwerer Fehler"

Aus Behördenkreisen heißt es, bei prominenten Steuerschuldnern werde besonders genau untersucht, welche Maßnahmen zu ergreifen seien. Kein Ermittler wolle sich nachsagen lassen, jemanden wie Hoeneß besser zu behandeln, als es angebracht sei.

Hoeneß hatte im Jahr 2000 vom damaligen, mit ihm befreundeten Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus fünf Millionen Mark erhalten; zudem hatte dieser für einen Kredit an Hoeneß über weitere 15 Millionen Mark gebürgt. Das Geld soll anfangs gemeinsamen Spekulationsgeschäften der beiden gedient haben. Die Geschäfte von Hoeneß mit dem 2009 verstorbenen Louis-Dreyfus fallen in die Zeit, in der Adidas als Mitgesellschafter bei der neuen FC Bayern München AG einstieg und seinen Ausrüstervertrag mit dem Top-Klub verlängerte.

Adidas erklärte dazu am Dienstag, Louis-Dreyfus sei in die Verhandlungen über eine "strategische Partnerschaft mit dem FC Bayern München nicht involviert" gewesen. Louis-Dreyfus habe bereits Anfang 2000 das operative Geschäft von Adidas an den damaligen Vizechef (und heutigen Vorstandschef) Herbert Hainer übertragen. Im März 2001 schied Louis-Dreyfus als Vorstandschef aus.

Uli Hoeneß sagte Sport Bild, er habe erkannt, dass er "einen schweren Fehler gemacht" habe und dann versucht, diesen mit der "Selbstanzeige zumindest halbwegs gutzumachen".

Ermittlungen gegen Uli Hoeneß "Als Präsident zurücktreten"

Wie groß ist der Image-Schaden für den FC Bayern nach der Selbstanzeige von Präsident Uli Hoeneß? Viele Münchner sind enttäuscht, und warten auf vollständige Aufklärung im Fall der Steuerhinterziehung. Eine Videoumfrage.

(Video: Süddeutsche.de, Foto: Süddeutsche.de)

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