UV-Behandlung von Eigenblut Nächster Athlet im Fokus der Ermittler

Der Sportarzt Andreas Franke hat offenbar das Blut zahlreicher Eisschnellläufer, Radsportler und Leichtathleten mit UV-Strahlen behandelt - jetzt wird in der Affäre gegen einen zweiten Sportler wegen des Verdachts auf unerlaubtes Blutdoping ermittelt. Franke bestreitet, unerlaubte Praktiken angewendet zu haben, die Nationale-Anti-Doping-Agentur könnte jedoch bald ein Dutzend weiterer Verfahren einleiten.

Von Andreas Burkert

In der Affäre um einen langjährigen Vertragsarzt des Olympiastützpunktes Thüringen wird nun bereits gegen einen zweiten Athleten wegen Verdachts auf unerlaubtes Blutdoping ermittelt. Dies bestätigte die Nationale-Anti-Doping-Agentur (Nada) der Süddeutschen Zeitung. "Es stimmt, wir haben nun in einem zweiten Fall, hier gegen einen Radsportler, Ermittlungen eingeleitet und werden jetzt in Kürze auch gegen ihn das Verfahren eröffnen", sagte Nada-Vorstandsmitglied Lars Mortsiefer.

Cadel Evans, Tour-de-France-Sieger 2011, auf dem Weg zur Dopingkontrolle.

(Foto: REUTERS)

Damit droht sich die Causa des Sportarztes Andreas Franke, der offenbar das Blut zahlreicher Eisschnellläufer, Radsportler und Leichtathleten mit UV-Strahlen behandelte und verbotenerweise reinjizierte, wie befürchtet zur größeren Dopingaffäre auszuweiten (SZ 14.1.). Zuletzt hatte die Nada ein seit Sommer 2011 laufendes Verfahren gegen eine Erfurter Eisschnellläuferin bestätigt.

Die Staatsanwaltschaft Erfurt ermittelt seit Frühjahr 2011 wegen Verstößen gegen das Arzneimittelgesetz gegen Franke. Auf ihn waren Münchner Justizkollegen im Rahmen ihrer Ermittlungen gegen Unbekannt zur mutmaßlichen Dopingaffäre Claudia Pechstein gestoßen. Am Montag hatte sich Franke mit einer schriftlichen Stellungnahme gemeldet; dabei hatte er Dopingvorwürfe als "absurd" bezeichnet, die von ihm praktizierte UV-Blutbehandlung werde zur "Infektbehandlung" angewandt - und sei nicht leistungssteigernd.

Dies sei auch auf einem Anti-Doping-Seminar des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) "festgestellt" worden. Der DOSB und auch die Nada hatten Franke klar widersprochen. Schon auf einem Seminar im Herbst 2010 sei "ausdrücklich darauf hingewiesen" worden, dass laut des Kodex der Welt-Anti-Doping-Agentur ab 2011 jede Manipulation von Eigenblut verboten ist, hieß es vom DOSB.

Praxisgemeinschaft mit Tausch

Ohnehin ist die Frage, ob sich Franke - der bisher in seiner Erfurter Praxis keine Anfragen entgegennimmt - womöglich unkundiger darstellt, als er in Wahrheit ist. Der renommierte Heidelberger Zellforscher Werner Franke wundert sich jedenfalls über die diffus-relativierenden Darstellungen des Erfurter Namensvetters zur UV-Behandlung. "Das ist ganz klar eine seit fast drei Jahrzehnten benutzte Methode des Dopings, bekannt aus dem DDR-Sportsystem von Dynamo Berlin", betonte er auf Anfrage.

"Es ist eine Frechheit, wie hier gelogen wird, wie all die Jahrzehnte. Wenn man vor einem Wettkampf oder Training Blut - in der Regel sind es 50 Milliliter Konzentrat - zurückführt, wird die Sauerstoff-Kapazität erhöht. Und bezeichnend ist doch, dass bei den Winterspielen 2006 in Turin österreichische Biathleten damit bei einer Razzia aufflogen!"

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