UCI-Entscheidung Armstrong, Champion der Doper

Ein bedeutender Schritt für den Sport: Nicht mal die Unfähigkeit des Radsport-Weltverbandes konnte verhindern, dass Lance Armstrong nun als Fratze des Sportbetrugs demaskiert ist. Wer glaubt, dieser Scoop allein verändere den Radsport, der ist ein naiver Märchenonkel.

Ein Kommentar von Andreas Burkert

Vor seiner Krebserkrankung 1996 startete Lance Armstrong viermal bei der Tour de France. Er gewann in diesen vier Jahren zwei Etappen, erreichte Paris aber nur einmal. Er belegte 1995, damals 23-jährig, Rang 36. Ein guter Klassikerfahrer ist er gewesen, ein Mann für einen Tag. Aber kein angehender Seriensieger des größten Radrennens der Welt.

Armstrong hat schon vor seiner Erkrankung gedopt, doch als er geheilt zurückkehrte, organisierte er ein auf mafiösen Strukturen basierendes Betrugssystem.

Seine Geschichte ist ein Märchen gewesen, wie so viele Geschichten im Radsport und generell im Hochleistungssport nicht glaubwürdig sind. Dass der Radsport-Weltverband UCI die bemerkenswerte Faktensammlung der US-Dopingjäger jetzt zwangsläufig anerkennen muss, ist ein bedeutender Schritt für den Sport. Denn eines seiner Idole ist nun vor allem dank der unter rechtlichem Druck erfolgten Zeugenaussagen als Champion der Doper enttarnt worden.

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Nicht mal die Unfähigkeit der UCI, die man womöglich sogar als bewusste Untätigkeit werten muss, hat seriöse Recherchen und den Bruch mit der Omertà, dem Schweigegelübde des Radsports, verhindern können.

Diese Nachricht ist wichtig für den Sport, dessen Testsystem als Staffage zu bezeichnen ist, weil die Resultate kaum Aussagewert besitzen. Pat McQuaid, der Präsident der UCI, hat das an diesem sporthistorischen Tag von Genf insofern bestätigt, als dass er die Hilfe von Regierungen, Polizei und Justiz als unabdingbar und wichtig bezeichnete.

Das dürfte ihm schon bald wieder bewusst werden, wenn die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Padua zu einem weit verzweigten Doping- und Geldwäschesystem des vermeintlich allmächtigen Armstrong-Arztes Michele Ferrari abgeschlossen sind. Und auch in Spanien soll es ja nun doch Verfahren zur Operación Puerto geben, in der Ferraris virtueller Gegenspieler Eufemiano Fuentes zentrale Figur ist.

Er gehe davon aus, dass Doping im Radsport "weitgehend reduziert" werden könne, hat McQuaid in Genf geflötet. Seiner Meinung nach brächen nach dem Kollaps der Ikone Armstrong neue Zeiten an. Die UCI mag nun zumindest formal und endgültig dafür gesorgt haben, dass der Amerikaner als globale Fratze des Sportbetrugs demaskiert ist. Und im Palmarès, seiner Siegerliste, mögen jetzt nur noch der WM-Titel 1993 oder die Trofeo Laigueglia übrig bleiben. Wer aber wie McQuaid glaubt, dieser Scoop allein verändere ein Genre, in dem erwiesenermaßen seit rund zwei Jahrzehnten systematisch manipuliert wurde, ist ein naiver Märchenonkel.