2. Bundesliga 1860: Ismaik will seinen Cousin entlassen

Fordert Entlassungen beim TSV 1860 München: Investor Hasan Ismaik.

(Foto: imago sportfotodienst)
Von Markus Schäflein

An diesem Sonntag wird der jordanische Gesellschafter Hasan Ismaik mal wieder zu einem Heimspiel des Fußball-Zweitligisten TSV 1860 München erwartet. Und er wird den Löwen gegen den VfL Bochum (13.30 Uhr) wohl kräftig die Daumen drücken, denn so ungewiss die Zukunft von 1860 auch ist, eines ist sicher: Ein Drittliga-Szenario wäre wesentlich kostspieliger als eine Spielzeit in der zweiten Liga: Die Fußballfirma würde weiter an Wert verlieren, rund sieben Millionen Euro TV-Geld würden wegfallen, Sponsoren sich vermutlich verabschieden, die Garantiesumme von Vermarkter Infront deutlich sinken.

Für 1860 stehen also Wochen der Wahrheit an, mit drei Heimspielen binnen drei Wochen. Nach dem 4. März und der Partie gegen den SV Sandhausen wird dann klar sein, ob die Löwen aussichtsreich um den Klassenverbleib weiterkämpfen dürfen oder ob schon "eine Vorentscheidung negativer Art" gefallen ist, wie sie nicht nur Trainer Benno Möhlmann für möglich hält.

Die Wochen der Wahrheit sollten daher erfolgreich beginnen. "Unsere Lage ist deprimierend, kann man fast sagen", stellte Möhlmann fest: "Aber jetzt gilt es, nicht den Kopf in den Sand zu stecken, sondern jedes Spiel mit hundertprozentiger Energie anzugehen und vom Mut her alles reinzustecken." Dabei kann Innenverteidiger Christopher Schindler nach überstandener Erkältung mitwirken, während Linksverteidiger Maximilian Wittek nach seiner fünften gelben Karte fehlt. In der Offensive ist Zugang Maximilian Beister eine Option für die Startelf, wenngleich er aus Möhlmanns Sicht noch keine Kraft für 90 Minuten hat; Sechser Goran Sukalo fehlt wegen seiner Adduktorenprobleme weiterhin.

Ismaik weist den Präsidenten an, die Geschäftsführer zu entlassen

Möhlmann und Sportdirektor Oliver Kreuzer redeten der Mannschaft nach dem 0:3 bei Union Berlin kräftig ins Gewissen, weil ihnen im Abstiegskampf der Kampf nicht überzeugend genug erschien. Sondermaßnahmen ergriff Möhlmann aber nicht: "Ich werde sie nicht tausend Runden laufen oder durch die Luft fliegen lassen, weil das nichts bringt." Wie die Fans auf Ismaiks Besuch reagieren, wird mit Spannung erwartet: Im vergangenen Heimspiel gegen Nürnberg (0:1) hatten sie mit einer Reihe von Bannern das Verhalten des Gesellschafters kritisiert. Viele Sprüche auf Facebook, viele Ankündigungen, keine Taten - so lauteten im Kern die Vorwürfe.

Am Freitag weilte Ismaik bei Oberbürgermeister Dieter Reiter und einem Treffen der Fan-Organisation Arge. Es ging mal wieder um ein eigenes Stadion für die Sechziger. Das soll nach Ismaiks Plänen für 52 000 Zuschauer in Riem gebaut werden, nebst einem Gehege für echte Löwen. Zudem überraschte er mit der Mitteilung, er habe 1860-Präsident Peter Cassalette angewiesen, die Geschäftsführer Markus Rejek und Noor Basha - Ismaiks Cousin - zu entlassen.

"Wir haben darüber geredet", bestätigte Cassalette der SZ, "aber ich habe ihm gesagt, dass ich erst mit den Gremien sprechen muss und das nicht allein entscheiden kann." Eine Beiratssitzung könne er "frühestens am Sonntag" einberufen. Cassalette weiß natürlich, dass der Zeitpunkt für einen Wechsel der Geschäftsführer mitten im Lizenzierungsverfahren ungünstig ist. "Ich kann nachvollziehen, dass Hasan unzufrieden ist", sagte er, "aber das bedeutet noch lange nicht, dass wir diesem Wunsch zustimmen."

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