TSV 1860 München Was will Ismaik in Leipzig?

Hasan Ismaik: Tritt selten als Fan auf

(Foto: Frank Leonhardt/dpa)

Es ist ein Sensatiönchen: Löwen-Investor Hasan Ismaik besucht ein Auswärtsspiel von 1860 München. Und zwar in Leipzig, wo ein anderer Geldgeber deutlich erfolgreicher ist.

Von Philipp Schneider

Okay, es ist noch nicht so weit, dass Hasan Ismaik schon eine Fahrgemeinschaft mit Roman Wöll und Franz Hell ins Leben rufen müsste, die sich Allesfahrer nennen dürfen, weil sie zu alle Spielen fahren. Überhaupt läuft der Geschäftsmann aus Abu Dhabi ja eher Gefahr, Allesflieger getauft zu werden; für seine Handvoll öffentlicher Auftritte als Mehrheitsgesellschafter beim TSV 1860 München hat er sich ja stets einen Privatjet geliehen.

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Aber dass Ismaik, wie nun Präsident Peter Cassalette berichtet, an diesem Sonntag erstmals seit seinem Einstieg vor fünf Jahren ein Auswärtsspiel seines Fußballklubs besuchen möchte, das ist dann doch ein, wie soll man sagen, mittelschweres Sensatiönchen. Zumal sich Ismaik ja vorher weder von sportlich und finanziell wichtigen Spielen (Relegation gegen Kiel) aus der Ferne locken ließ noch von der Aussicht auf schönen Zweitligafußball (Reiner Maurers Rückrundenmannschaft 2012 mit Aigner, Halfar und Volland).

Leipzig wird von den 1860-Ultras boykottiert

Und daher grübelt nun halb München, weshalb der Jordanier sein Auswärtsdebüt ausgerechnet bei einem Spiel bei Tabellenführer Leipzig geben möchte, das a) von den 1860-Ultras boykottiert wird, weil die finden, dass dort ein ziemlich unnötiger Brauseklub von den Brausemillionen eines Brausekonzerns künstlich bebraust wird und bei dem b) Möhlmanns Truppe nach drei Siegen in Serie aller Voraussicht nach wieder auf die Mütze bekommen wird. Bei 1860 habe "man doch auch einen Investor, der nach eigenen Angaben, wie ich lesen konnte, 40 oder 50 Millionen Euro in den Verein gesteckt hat", warf nun Leipzigs Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick ein und wunderte sich: "Trotzdem blieb der sportliche Erfolg aus!"

Möglicherweise will Ismaik genau darüber mit Leipzigs Investor Dietrich Mateschitz reden: über die Frage, wie es sein kann, dass Leipzig im Gegensatz zu 1860 so erfolgreich ist, obwohl im kommunistischen Fußballdeutschland kein superreicher Finanzier mit seinem Klub in die erste Liga aufsteigen kann, solange 50+1 die Mitsprache von bettelarmen Vereins-Dummschwätzern garantiert.

"Very simple, my friend", wird Mateschitz wahrheitsgemäß antworten: "1000 Euro Mitgliedsbeitrag, kein Stimmrecht."