Thomas Schaaf bei Werder Bremen Beginnt die dritte Thomas-Schaaf-Ära bei Werder Bremen?

Thomas Schaaf im Jahr 2007 an der Bremer Seitenlinie.

(Foto: REUTERS)
  • Die Anzeichen mehren sich, dass Thomas Schaaf bald in neuer Funktion zu Werder Bremen zurückkehrt.
  • Er soll als eine Art Ausbilder und Mentor bei seinem Lieblingsklub agieren.
  • Dafür müssen die Mitglieder die Satzung ändern.
Von Jörg Marwedel, Bremen

Die Pflöcke sind eingeschlagen für eine neue Ära. Die Fans, die beim Training der Werder-Profis zuschauen, sind größtenteils der Meinung eines ihrer Mitstreiter: "Thomas Schaaf ist Bremen. Bremen ist Thomas Schaaf." Auch Werder-Cheftrainer Alexander Nouri hält die Rückkehr von Schaaf, der ihn als Nachwuchscoach im Alter von 15 Jahren als Mittelfeldtalent von Buxtehude nach Bremen holte, "für eine Bereicherung".

Und selbst der dritte Geschäftsführer Hubertus Hess-Grunewald, der anders als die beiden anderen Direktoren Klaus Filbry und Frank Baumann vom Stammverein bestimmt wird, stellt sich nicht gegen eine Satzungsänderung bei der Mitgliederversammlung am 20. November - obwohl sie seinen Einfluss im Fußball beschneiden würde: Er gäbe die Zuständigkeit für das Nachwuchsleistungszentrum an Baumann ab. Der wiederum könnte dann den Technischen Direktor Thomas Schaaf einstellen.

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"Immer ein Botschafter für Werder"

Was laut Hess-Grunewald das Ergebnis eines "Strategieprozesses" ist, mit dem moderne Vereinsführung und familiäres Werder-Miteinander zusammengeführt werden sollen, ist schon weit auf den Weg gebracht. So weit, dass der in solchen Fragen sonst öffentlich zurückhaltende Schaaf sich längst positioniert hat. Der frühere Epochen-Trainer hat weder dementiert, dass es schon Gespräche über den neuen Job gab. Zudem wollte er nicht verhehlen, dass ihm die Sache "sehr am Herzen liegt". Und auf die Frage, wie es sich anfühle, zu seinem Herzensverein zurückzukehren, sagte er: "Ich war doch nie weg."

Er sei, betonte Schaaf, "immer Botschafter für Werder" gewesen. Zum Beispiel bei sozialen Projekten. Und nie ist er aus seinem Haus im Bremer Stadtteil Brinkum ausgezogen. So ist es kaum vorstellbar, dass die Mitglieder diese klassische Werder-Idee nicht durchwinken werden. Was aber soll der neue Technische Direktor tun, wenn er doch "kein Trainer-Flüsterer" sein soll, wie Schaaf selbst klargestellt hat? Die Berufung - erst zum 1. Juli 2018? - wäre jedenfalls keine Reaktion auf die momentan mal wieder brenzlige sportliche Situation der Bremer (Tabellenplatz 17).

Der 56-jährige Schaaf, seit 1972 Werder-Mitglied, war 15 Jahre lang im grün-weißen Dress Profi, coachte dann den Nachwuchs und die Amateure und war schließlich von 1999 bis 2013 insgesamt 14 Jahre Chefcoach des Bundesliga-Teams - mit dem Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal 2004 als Höhepunkt. Jetzt soll er eine Art Mentor aller Werder-Trainer und junger Spieler sein. Schaaf soll darüber wachen, dass im gesamten Verein eine einheitliche Spielphilosophie gelebt wird, die bei Werder wohl als aktiver, offensiver Kombinationsfußball beschrieben werden kann - so, wie ihn der Trainer Schaaf die meiste Zeit selber spielen ließ. Zudem soll er wohl auch ein wichtiger Faktor bei der geplanten Zusammenarbeit des Klubs mit China sein. Die Bremer wollen Fußball-Know-how verkaufen, und das geht natürlich leichter, wenn man dafür einen der erfolgreichsten Bundesligatrainer aufbieten kann.