Tennis-WM in London Ritterschlag für Alex Zverev

Diesmal gegen Federer noch unterlegen: Alex Zverev.

(Foto: AFP)
  • Alex Zverev verliert sein Gruppenspiel bei den ATP Finals in London 6:7 (6), 7:5, 1:6 gegen Roger Federer.
  • Doch sein Weg soll beim Jahresabschluss der besten Tennissprofis noch nicht zu Ende sein.
Von Gerald Kleffmann, London

Die Schwingtür schwang auf, angekündigt war Roger Federer - und herein kam Alexander Zverev. Wie selbstverständlich bog der Deutsche nach rechts ab, setzte sich und schaute in den großen Raum, in dem erwartungsfroh gut 100 Reporter saßen. Direkt hinter ihm war, was zunächst fast unterging, Federer gefolgt, er schritt schnurstracks nach hinten. Dort, wo eine kleine Wand aufgestellt war, hinter der Radiointerviews geführt werden.

Sofort war klar: Es war ja nicht mehr ganz früh an diesem Dienstagabend, so circa 23.30 Uhr. Beide wollten Zeit sparen, um früher wieder ins Hotel zu können. Der eine, der Sieger dieses Duells der Generationen, ist ja nun definitiv schon im Halbfinale der ATP Finals, des Abschlussturniers der besten acht Tennisprofis der Welt. Federer hatte 7:6 (6), 5:7, 6:1 gewonnen. Der andere, der Verlierer, die Zukunft der Branche, der längst in der Gegenwart angekommen ist, rechnet trotz der Niederlage damit, noch länger im Wettbewerb zu bleiben. "Hoffentlich können wir hier noch mal gegeneinander spielen", sagte Zverev. Er durfte sich zu Recht "positiv" fühlen, wie er es nannte.

"Es war ein großartiges Match"

Es war erst das zweite Match in der Gruppenphase gewesen, von je vier Spielern aus zwei Gruppen kommen die ersten beiden weiter. Der Schweizer, eigentlich der Spieler der Saison, auch wenn er den in London verletzt ausgeschiedenen Rafael Nadal als Einzigen in der Weltrangliste nicht überholen konnte, wird um seinen siebten Titel hier kämpfen. Zverev spielt nun am Donnerstag gegen den Amerikaner Jack Sock um den Einzug ins Halbfinale. Sollte der Debütant bei dieser Art WM den Sprung ins Finale schaffen, wäre er sicher ein würdiger Protagonist. Denn schon die Partie gegen Federer hatte sich wie ein Finale angefühlt. "Es war ein großartiges Match", reflektierte Zverev richtig, "wir haben beide ziemlich gut gespielt. Ich gehe mit viel Selbstvertrauen in das Match gegen Sock."

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Von den 17 000 Zuschauern in der mächtigen O2-Arena war die Mehrheit natürlich für Federer; der Ort, an dem der inzwischen 19-malige Grand-Slam-Sieger nicht die größten Sympathien genießt, muss noch gefunden werden. Auf diesem Planeten existiert er nicht. Aber die Besucher wussten es zu schätzen, dass da ein Talent heranreift, das den Ball von der Grundlinie knallhart peitschen kann. Das sich unerschrocken in die Arbeit beißt.

"Ich glaube, ich war mit 20 noch nicht bei den ATP Finals dabei", sagte Federer anerkennend: "Ich mag, was ich in Sascha sehe. Ich sehe jemanden, der Richtung Zukunft arbeitet." Er erinnerte an die beiden bedeutenden Siege des Hamburgers in Rom und Montreal. Schon jetzt sei er gespannt, wie Zverev wohl mit 23 oder 24 Jahren agieren werde. Aber nicht nur mit Worten erhielt der Hamburger einen Ritterschlag.

Federer, in Montreal im letzten Duell der zwei in zwei Sätzen von Zverev besiegt, hatte sich eine taktische Finesse überlegt. Er slicte die Rückhand öfter. Um Zverev die Chance zu nehmen, auf die Bälle drauf zu gehen, wie es heißt. "Die Leute haben gemerkt, dass ich es mag, wenn sie meine Rückhand mit viel Spin anspielen", sagte Zverev dazu, "vielleicht fangen sie daher nun an, ihre Schläge zu mischen, mehr mit Unterschnitt zu spielen." Federer hatte sich an Zverevs Fähigkeiten ausgerichtet, das durfte der Weltranglisten-Dritte als Kompliment sehen.