Tennis Angelique Kerbers Sehnsucht nach dem Sofa

Am Ende: Angelique Kerber bei ihrer Niederlage gegen die 18-jährige Belinda Bencic.

(Foto: Dennis Grombkowski/Getty Images)
  • Nach der Niederlage gegen die Schweiz fährt Angelique Kerber mit dem festen Vorsatz nach Hause, in den kommenden Tagen nur auf dem Sofa zu liegen.
  • Teamchefin Barbara Rittner fordert darum, den Modus und die Termine der Fed-Cup-Runde zu überdenken.
  • Deutschland spielt nun gegen den Abstieg aus der Weltgruppe. Auch da warten schwere Gegner.
Von Matthias Schmid, Leipzig

Martina Hingis war selbst noch nicht volljährig, als sie vor der Fed-Cup-Partie gegen Deutschland am vergangenen Wochenende das letzte Mal Leipzig besucht hatte. Damals, im Jahre 1997, gab es in der Stadt noch ein Tennisturnier auf Weltklasseniveau. Ob Hingis ihren Doppeltitel an der Seite von Jana Novotna anschließend in der Altstadt ausklingen ließ, wollte sie nicht verraten. Sie erinnerte sich allerdings am Sonntagabend nach dem 3:2-Sieg gegen die deutsche Mannschaft daran, dass es in Leipzig durchaus ansprechende Restaurants gäbe, um schön ausgehen zu können. "Wir werden die ganze Nacht durchfeiern", kündigte die 35-Jährige an, als sie hörte, dass der Schweizer Fed-Cup-Chef Heinz Günthardt am Montag 57 Jahre alt wird.

Dass die Schweizerinnen in ihrer Partynacht den deutschen Spielerinnen begegneten, hatte Angelique Kerber schon vorher kategorisch ausgeschlossen. "Wir werden am Sonntagabend noch gemeinsam und ruhig Essen gehen und dann am Montagmorgen früh nach Hause fahren", schilderte die Australian-Open-Siegerin die abendliche Planung, die mit der der Schweizerinnen nicht viel gemein hatte.

"Ich habe alles gegeben, was ich noch hatte"

In ihrer Stimme klang große Ernüchterung mit. Kerber war ermattet, leer und müde irgendwie. Während die weltbeste Doppelspielerin Hingis an der Seite der erst 18-jährigen Belinda Bencic nach dem entscheidenden Sieg im Doppel gegen Andrea Petkovic und Anna-Lena Grönefeld wie kleine Kinder an ihrem siebten Geburtstag ausgelassen im Kreis herumtanzten, hätte Kerber eher ein Rollband gebraucht, das sie zurück vom Platz in die Kabine befördert hätte.

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So erschöpft war sie nach den beiden Einzeln am Wochenende, jeder Schritt war ihr am Ende zu viel. "Irgendwann kommt man an die körperlichen Grenzen", bekannte die 28-Jährige nach der Niederlage gegen die lässig und entschlossen aufspielende Weltranglistenelfte Bencic, "ich habe alles gegeben, was ich noch hatte." Es war nach dem ganzen Trubel um ihren bemerkenswerten Sieg nicht mehr genug, um der Wucht und der Raffinesse der aufstrebenden Schweizerin etwas entgegensetzen zu können.