Streit zwischen Noor Basha und dem Verein Ein Fall aus der Schraubenfabrik 1860

Investoren-Cousin Noor Basha und 1860-Geschäftsführer Robert Schäfer treffen sich vor dem Arbeitsgericht. Dass es bei der Fehde jedoch um weit mehr geht als ein Arbeitsverhältnis, bleibt auch der Richterin nicht verborgen.

Von Markus Schäflein

Die Richterin hatte die Lage schnell erkannt. "Wenn man die Akte liest, hat man den Eindruck, sie sprechen viel übereinander und nicht miteinander", sagte Elisabeth Dickerhof-Borello zur Begrüßung. "Ich weiß nicht: Haben sie denn schon viel miteinander gesprochen?" 1860-Geschäftsführer Robert Schäfer mit Anwalt Ernst Schaller am einen Tisch und Noor Basha mit seinem Rechtsvertreter Michael Scheele am anderen schwiegen eisern. Was auch eine Antwort war.

Wie es so üblich ist vor dem Arbeitsgericht, ging es erst einmal darum, ob sich die beiden Parteien nicht ohne Prozess einigen könnten. Noor Basha, Cousin des Investors Hasan Ismaik, dem 60 Prozent an der Profifußball-KGaA gehören, war im vergangenen November nach München gekommen, um für den Fußball-Zweitligisten TSV 1860 München zu arbeiten, als Scout; aus seiner Sicht begann das Arbeitsverhältnis, weil er einen mündlichen Vertrag geschlossen und in der Geschäftsstelle einen Arbeitsplatz samt Laptop erhalten habe.

Er klagt rückwirkend auf Anerkennung eines "unbefristeten" Anstellungsverhältnisses und die Zahlung eines "rückständigen Bruttolohns" in Höhe von 25.000 Euro. Ein Foto sollte Arbeitsplatz und Arbeitsgerät belegen; laut 1860-Anwalt Schaller handelte sich dabei allerdings um ein "Praktikantenzimmer" und "ein Apple-Notebook, das nicht das Gerät des TSV 1860 ist". Basha habe "nicht gearbeitet, er hat rein gar nichts gemacht."

Die Richterin wies darauf hin, dass sie das Angebot eines Arbeitsverhältnisses "in der juristischen Herausfilterung noch nicht ganz gefunden" und über "die Annahme eher Nebulöses gelesen" habe: "Die Initiative für das Ganze ging ja nicht von der Beklagten (1860-KGaA, d. Red.) aus, und wohl auch nicht vom Kläger. Sondern von seinem Onkel." Sie schlug, wie es in solchen Fällen üblich ist, eine Entschädigung vor: 10 000 Euro für Flugkosten und entstandene Unannehmlichkeiten. Die KGaA bot an, 5000 zu bezahlen.

Bashas Anwalt Scheele lehnte selbstredend ab, zumal Ismaiks Cousin dann umgehend seine Aufenthaltsgenehmigung verloren hätte, und wollte stattdessen das von der Richterin angebotene Mediationsverfahren annehmen - ein Treffen der Parteien hinter verschlossenen Türen im Gericht mit dem Ziel einer gütlichen Einigung. Daran wiederum hatten die 1860-Vertreter kein Interesse.

"Wenn es nur ein Praktikum war, muss man fragen, ob sich Herr Schäfer im Klaren darüber war, dass er die Ausländerbehörde getäuscht hat", sagte Scheele. Denn in einem Schreiben vom November hatte der 1860-Geschäftsführer eine Anstellung Bashas in Aussicht gestellt, mit den Worten: "Das monatliche Bruttogehalt des Herrn Basha wird ca. 5000,00 betragen." Dies geschah, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu erwirken. Schäfer entgegnete, er habe in dem Schreiben ja nur formuliert, es sei "beabsichtigt", Basha anzustellen.

Es wurden noch eine Menge Anekdoten erzählt; so argumentierte 1860, Ismaik habe ja versprochen gehabt, Bashas Gehalt zu übernehmen, was nie geschah; die KGaA könne ihn eben nicht bezahlen und das Angebot eines 450-Euro-Jobs habe Basha abgelehnt. Scheele sagte, er wisse nichts von einem angebotenen Minijob; und dass Ismaik Bashas Gehalt zahlen solle, sei "überhaupt erst in dem Raum gestellt worden, als es zwischen Herrn Schäfer und Hasan Ismaik zu Meinungsverschiedenheiten gravierender Natur gekommen" sei. Dann habe Schäfer Basha in einem "gemeinen, fiesen Akt" bei der Ausländerbehörde "angeschwärzt".

Scheele sieht als Gegenseite nicht Sechzig, sondern Schäfer. "1860 ist weiterhin auf ein gutes Verhältnis zum Onkel von Herrn Basha angewiesen. Deswegen warten wir auf ein ernst gemeintes, seriöses und akzeptables Angebot." Die Fehde zwischen Schäfer und Ismaik schwebte über allem, was auch Richterin Dickerhof-Borello erkannte; sie ließ aber auch schnell durchblicken, dass sie davon nichts wissen will: "Das ist nicht der juristische Zugriff."

Sie muss das Verfahren ja durchziehen, als handle es sich bei Basha um einen Ingenieur ohne jordanischen Onkel und bei 1860 um eine Schraubenfabrik ohne jordanischen Anteilseigner. Also wird es in dem am 25. November beginnenden Prozess ganz banal um die Frage gehen, ob Basha ein bestehendes Arbeitsverhältnis nachweisen kann oder nicht.

"Den Beweis wird er nicht führen können", gab sich Schäfer gelassen. Scheele entgegnete: "Wir werden ganz klar alle Schritte darlegen, wie es zu dem Arbeitsverhältnis kam. Das alles hätte man sich ersparen können mit einem ruhigen, nicht öffentlichen Gespräch." Als Zeugen kündigte er unter anderen den früheren 1860-Präsidenten Dieter Schneider an.

Scheele meinte, die Meinung Schäfers über Basha könne aufgrund dessen persönlichen Zwists mit Hasan Ismaik nicht mit der Haltung der KGaA gleichgesetzt werden. Als Geschäftsführer sei Schäfer aber nun mal derjenige, der das Unternehmen vertrete, sagte Dickerhof-Borello. Scheele entgegnete: "Er ist aber auch weisungsabhängig. Man wird sehen, was ihm das Präsidium sagt."

Nun ja: Der neue Chef Gerhard Mayrhofer hat mit Ismaik noch immer nicht gesprochen.