SSC Neapel Ancelotti lässt sich die Heimkehr vergolden

Wohl zurück nach Italien: Carlo Ancelotti.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)
  • Carlo Ancelotti ersetzt Maurizio Sarri, der sich mit Neapel-Patron De Laurentiis überworfen hat.
  • Sarri wird schon mit Vereinen wie Zenit Sankt Petersburg oder Chelsea in Verbindung gebracht.
  • Das Gehalt des Ex-Bayern-Trainers soll angeblich 6,5 Millionen Euro betragen.
Von Birgit Schönau, Rom

Wenn Carlo Ancelotti beim SSC Neapel anheuert, drängen sich spontan Fragen auf. Zum Beispiel: Bedeutet das, dass Napoli den entscheidenden Sprung macht und mit der Verpflichtung eines internationalen Großtrainers auch zum internationalen Großklub aufsteigt? Oder könnte es eher heißen, dass sich Ancelotti, der zuletzt in Madrid und München trainierte, an den Rand des Imperiums zurückzieht?

Schließlich ist es Jahrzehnte her, dass Napoli auf europäischer Klubebene glänzte, ebenso wie der letzte Titelgewinn jetzt 30 Jahre zurückliegt. Vergangene Saison hatte sich der SSC unter Trainer Maurizio Sarri zwar bis kurz vor Schluss ein Duell mit der Juve geliefert. Aber dann gewann wieder Juventus Turin - zum siebten Mal in Serie. In Neapel sitzt der Frust tief.

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Klubpatron Aurelio De Laurentiis macht keinen Hehl daraus, dass er Sarri für den Verantwortlichen hält. Denn der 59-Jährige, der nach einer Karriere in der Provinz seit zwei Jahren die Fans von Napoli mit kompromisslosem Angriffsfußball verzaubert, verlangt seinen Spielern viel ab. In der finalen Phase der Meisterschaft waren seine Ballkünstler dann buchstäblich am Ende.

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Sarri fehlt die Gipfelerfahrung, auf Europas Bühne hielt er nicht mit. Als Neapel von der Champions League in die Europa League abstieg, gab er Order, sich lieber auf den Titelkampf mit dem Erbfeind Juve zu konzentrieren. Das Ergebnis: ein Fiasko. Gegen RB Leipzig verloren lustlose Neapolitaner in ihrem leeren Stadion das Hinspiel 1:3 und schieden aus.

De Laurentiis, Produzent italienischer B-Kinofilme, verbindet ein vulkanisches Temperament mit unbändigem Ehrgeiz. Als er 2004 den SSC übernahm, war der Klub pleite und spielte in der dritten Liga. Inzwischen ist Napoli wieder eine Größe im italienischen Fußball, und der stolze Besitzer ist dabei, Fans in Amerika und Asien zu erobern. Der knorrige, immer etwas mürrische Sarri, berüchtigt wegen seiner homophoben und frauenfeindlichen Verbalausfälle, ist dafür kaum zu gebrauchen. Ancelotti ist da eine ganz andere Liga.

Seine Heimkehr nach Italien lässt sich der Trainer vergolden. 6,5 Millionen Euro netto soll Ancelotti in Neapel verdienen, berichtet die Gazzetta dello Sport. Der Klub bestätigte die Einigung am Mittwoch, Ancelotti unterschreibt einen Dreijahresvertrag. "Ich bin glücklich und stolz, diese Mannschaft einer solch einzigartigen Stadt zu trainieren", sagte er in einer Video-Botschaft. An den Hof des Kinopatrons wird Don Carletto wie gewohnt seinen Clan mitbringen: den rauchenden Fitnesstrainer Mauri, seinen Sohn und den Schwiegersohn. Kein Problem in Neapel, wo "tengo famiglia" (Ich habe Familie) eine wichtige Maxime der Lebensphilosophie ist.

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Apropos Lebensphilosophie: Vor Wochen hatte Italiens Verband Ancelotti das Amt des Nationaltrainers angeboten. Man konnte sich dann aber über das Salär nicht einigen. Die offerierten zwei Millionen plus Sponsorengeld waren Ancelotti einfach zu wenig. Tengo Famiglia. Nationaltrainer ist jetzt Roberto Mancini. Und Don Carlo wird wohl an den Golf ziehen. In eine Villa auf dem Posillipo-Hügel mit Blick auf Ischia und Capri und dem Duft von Zitronen auf der Terrasse.