Sonderkontrollen vor Bayern-Spiel Konflikt schaukelt sich hoch

In den Sonderzelten wurden die Krawallutensilien indes nicht gefunden. Wie der Polizeibericht darlegt, wurden die Schlagstöcke, der Schlagring, die Sturmhaube und mehrere Spraydosen "bei der Kontrolle von vier Frankfurter Fußballfans vor dem Spiel auf einem nahe gelegenen Parkplatz" konfisziert. Ferner sei es zu einem Zusammenprall von Frankfurter und Münchner Fans auf dem Busparkplatz gekommen, dort gab es zwei Verletzte. Dabei sei ein Frankfurter Fan abgehauen, die Polizei habe ihn aber erwischt und bei ihm eine "Ampulle Kokain aufgefunden". Die 20 Messer seien im Umfeld des gesamten Stadions gefunden worden, teilt der FC Bayern mit. Ob sich darunter auch harmlose Taschenmesser von normalen Zuschauern befanden, war am Dienstag nicht mehr klar.

Die draußen stehenden Frankfurter Fans rüttelten während des Spiels derart an einem Nottor, dass dies kaputt ging. Ein auf Youtube veröffentlichtes Video schildert die Situation und verdeutlicht das Dilemma: Polizei und Fans stehen sich provokativ gegenüber, die verbal mächtig auftretenden Fans fühlen sich gegängelt, die hochgerüstete Polizei spürt ein Bedrohungspotenzial und setzt ihr Gewaltmonopol durch. Von Maßnahmen zur Deeskalation oder gar Dialog ist nichts zu sehen.

Die Polizei bilanzierte: "Insgesamt war es bei dem Spiel zu 23 Freiheitsentziehungen gekommen, davon handelte es sich um 13 Festnahmen und 10 polizeiliche Gewahrsamnahmen." Bei den Straftaten handelte es sich vornehmlich um Körperverletzung, Widerstand gegen Beamte, Landfriedensbruch, Sachbeschädigung oder Beleidigung. Hörwick vom FC Bayern sagt: "Wir wollen die 70.750 friedlichen Zuschauer schützen vor den 250 Krawallmachern. Das ist unsere Aufgabe."

Was bleibt, ist eine neue Episode der Konfrontation. Auf beiden Seiten herrschen offenbar Lust und Drang, sich gegenseitig zu provozieren und auszutesten, wer der Stärkere ist. Manches grenzt auf beiden Seiten an Hysterie. Warum sonst überrumpeln die Münchner "unter Aufsicht des DFB" die Frankfurter Fans mit dieser Maßnahme, die sogar unter Juristen umstritten ist? Wieso müssen Verein und Staat derart Stärke zeigen, statt den Dialog zu suchen? Warum reisen Frankfurter Fans mit Schlagstöcken und Spraydosen zum Auswärtsspiel? Wer bringt ein Messer mit ins Stadion? Und warum boykottieren die Fans die Maßnahme und gehen nicht lächelnd rein, um der Polizei zu verdeutlichen, dass nichts zu befürchten ist?

Die Münchner Polizei betont, dass es sich um eine mit ihr abgestimmte Aktion handelte, die notwendig und auch geeignet gewesen sei, "um Frankfurter Problemfans von der Verwendung pyrotechnischer Gegenstände abzuhalten". Die Fangruppen fühlen sich provoziert und gedemütigt, halten die Aktion für unverhältnismäßig. Die friedlichen Kräfte verlieren zunehmend an Bedeutung.

Der Konflikt steuert auf eine Eskalation hin, mäßigende Stimmen sind kaum mehr zu vernehmen oder werden übertönt vom Getöse der Konflikttreiber. Fortsetzung folgt.