Skispringen Vierschanzentournee: Prevc schwebt weit über dem Rest

Peter Prevc lässt sich feiern - er gewann die Tournee.

(Foto: REUTERS)
  • Er fliegt und fliegt und fliegt: Peter Prevc überragt auch beim letzten Springen in Bischofshofen und gewinnt die Tournee.
  • Sein Konkurrent Severin Freund wird überglücklicher Zweiter.
Von Volker Kreisl, Bischofshofen

Stück für Stück hat Peter Prevc seine Führung ausgebaut während dieser 64. Vierschanzentournee. Punkt um Punkt hat sich der Slowene abgesetzt von Verfolger Severin Freund, den Norwegern und Österreichern, und Kilometer um Kilometer ist diese Tournee über Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck herangerückt an seine Heimat.

Vom Finalort Bischofshofen sind es auf der A10 nur noch 165 Kilometer bis zur slowenischen Grenze. Die vielen neuen Peter-Prevc-Fans reisten also an und übernahmen auf den Rängen der Paul-Außerleitner-Schanze akustisch die Überzahl, und wie erwartet hat sich die Reise gelohnt. Prevc dominierte auch auf dieser Schanze alle Gegner.

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Mit 26,5 Punkten Vorsprung vor Severin Freund (WSV Rastbüchl) gewann der 23-Jährige die Gesamtwertung der Tournee, als zweiter slowenischer Skispringer nach Primoz Peterka 1997. Mit 1139,5 Zählern erreichte er die höchste Punktzahl in der Geschichte der Serie, Rivale Freund war vier Mal auf dem Podium, und am Ende doch nicht vorne, auch das war ungewöhnlich.

Und auch wenn es nach Prevc' Serie mit zuletzt drei Siegen überraschend wirkt - es war sein erster großer Titel, obwohl er bereits bei den Olympischen Spielen in Sotschi und 2015 bei der WM in Falun zu den Favoriten zählte. Gesamtdritter wurde Michael Hayböck (Österreich), die Norweger gingen überraschend leer aus. "Es war sehr aufregend, ich habe seit drei Tagen nicht mehr geschlafen, so nervös war ich", sagte Prevc. Freund erklärte: "Ich stand viermal auf dem Podest, das hat wahnsinnig viel Spaß gemacht. Aber einer war einfach besser."

Ein kleiner Rest Spannung war zumindest noch übrig geblieben, und die hatte zuvor ja die gesamte Tournee wieder aufgewertet. Verschiedene Szenarien waren vor Bischofshofen durchgespielt worden. Ein frühes Missgeschick im Probesprung hätte Prevc unterlaufen müssen, das ihn aus dem Konzept bringt. Oder idealer Aufwind hätte im rechten Moment vom Schanzenauslauf hinauf Richtung Freund drehen müssen - nicht aber später auf Prevc.

Oder den Slowenen hätte ein plötzliches Nervenflattern, ein Rückfall in alte Zeiten erfassen müssen, wie in Innsbruck 2015, als er alles verlor. Doch er zeigte keine Schwächen, im Gegenteil, er zog Punkt für Punkt weiter davon. Schon der Probedurchgang hatte angedeutet, dass das "Wunder", von dem Freund in Innsbruck ganz vorsichtig gesprochen hatte, ausbleiben würde. Der Deutsche hatte einen exzellenten Sprung auf 136,5 Meter hingelegt, obwohl er zuvor keine Möglichkeit hatte, sich auf die Schanze in Bischofshofen einzustellen.

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Seine Prellungen an der Hüfte vom Sturz in Innsbruck machten sich mit Schmerzen bemerkbar, er ließ also die Trainingssprünge aus und verordnete seinem Körper Ruhe. "Zum Skispringen reicht's", sagte er dann am Mittwoch. Doch an Prevc kam er nicht vorbei, denn der landete schon im Probesprung bei 138 Metern.

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Im ersten Durchgang setzte sich das Schema fort: Die abgeschlagenen Konkurrenten in der Gesamtwertung, Michael Hayböck (134 Meter), Kenneth Gangnes (Norwegen/131,5), und Johann André Forfang (Norwegen/135,5) fochten ihren eigenen Wettbewerb um den dritten Rang aus, doch die Plätze eins und zwei schienen besetzt zu sein: Freund flog auf 136 Meter, Prevc sogar drei Meter weiter. Der Finaldurchgang war nur noch Formsache.

Severin Freund steigerte sich auf formidable 141 Meter, Peter Prevc auf noch formidablere 142,5. Es war, als würde sich der Slowene von jeder Attacke des Deutschen nur noch mehr motiviert fühlen, und als dann keine Steigerung mehr nötig war, zeigte er erstmals auch ganz große Gefühle und ballte beide Fäuste beim Abschwung. Dem slowenischen Skispringen wird Prevc' Sieg neuen Schwung geben, die Mannschaft hat mit seinem Bruder Domen, 16, und dem 19-Jährigen Anze Lanisek große Talente.

Ihre Entwicklung ähnelt der des Deutschen Skiverbandes. Trainer Werner Schuster sagte zum Abschluss der Vierschanzentournee: "Es ist eine Befriedigung, dass es jetzt auch bei der Tournee gelungen ist, einen bedeutenden Schritt weiterzukommen. Auch wenn der Sieg noch ein Stückchen weg ist." Die DSV-Springer hinter Freund hatten in Bischofshofen zwar etwas nachgelassen, Bester hinter Freund war Richard Freitag (11.), Andreas Wellinger und Andreas Wank wurden 15, und 16., Stephan Leyhe verpasste nach einem deutlich verspäteten Absprung sogar das Finale.

Doch alle, auch Prevc, die Österreicher und die Norweger werden sich schon am Samstag wieder treffen, zum Weltcup auf der Großschanze in Willingen, und eine Woche später bei der Skiflug-WM am Kulm in Österreich. Wirklich weit ist es dorthin von der slowenischen Grenze auch nicht. Nur 198 Kilometer, über die A9.