Ski Alpin Die Streif vergibt nichts

Aksel Lund Svindal of Norway crashes as he competes during the men's downhill of FIS Ski World cup in Kitzbuehel,Austria on January 23, 2016. / AFP / JOE KLAMAR

(Foto: AFP)
  • Auf der Streif in Kitzbühel stürzen mehrere Fahrer schwer, Aksel Lund Svindal reißt sich Kreuzband und Meniskus und fällt die komplette Saison aus.
  • Die Abfahrt gilt als das schwierigste Rennen der Welt. Am Samstag wurde sie wegen der Witterung leicht verkürzt.
  • Den Fahrern ist die Gefahr bewusst, trotzdem wird jetzt diskutiert, ob man das Rennen früher hätte abbrechen müssen.
Von Johannes Knuth, Kitzbühel

Zunächst blieb ein Bild, das sich an diesem turbulenten Samstag über alle anderen Bilder legte. Es zeigte den Skirennfahrer Aksel Lund Svindal, der innehielt, den Kopf hob, ins Tal winkte. Und Zehntausende von jenem Entsetzen befreite, das gerade noch den Zielraum überzogen hatte. Svindal hatte kurz nach der Hausbergkante die Kontrolle verloren, überschlug sich, flog mehrere Meter weit durch die Luft. Dann klatschte er auf die Piste, rauschte ins Netz. Es war einer dieser Stürze, der eine Saison beenden kann, manchmal auch eine Karriere. Irgendwann stieg Svindal aus dem Knäuel aus aufgewühltem Schnee, Helfern und zerrissenem Fangzaun, er stapfte über die Piste, winkte kurz ins Tal. Und hinterließ dieses Bild und einige Fragen, auf die es am Abend dann ein paar ernüchternde Antworten gab.

Die Streif hatte sich am Samstag drei der besten Skirennfahrer des Winters genommen, und einer war dann doch Svindal gewesen, der Beste, zweifellos. Das Kreuzband im rechten Knie war beim Sturz gerissen, der Meniskus ebenfalls. Der 33-Jährige wird wohl ein Jahr pausieren, nachdem er den vergangenen Winter bereits fast vollständig verpasst hatte, wegen einer Achillessehnenverletzung. "So ist das Leben, damit muss man umgehen können", teilte er am Abend tapfer vom Krankenbett aus mit. Fast so, als habe er sich gerade eine Erkältung eingefangen.

Fill gewinnt vor zwei Schweizern

Der Italiener Peter Fill hat am Samstag die 76. Abfahrt auf der Streif in Kitzbühel gewonnen, vor den Schweizern Beat Feuz (0,37 Sekunden zurück) und Carlo Janka (0,65). Das war zunächst das kühle Urteil der Ergebnisliste. Allein diese Versammlung auf dem Podium bot Stoff für abendfüllende Berichte. Fill, zum Beispiel, gewann am Samstag seinen zweiten Weltcup, 2611 Tage nach seinem ersten. Warum es am Samstag klappte, "im wichtigsten Rennen der Saison", wie Fill befand, konnte er nicht schlüssig darlegen. "Vielleicht liegt es ja daran, dass ich im Sommer geheiratet habe."

Aber das alles rückte schnell in den Hintergrund, spätestens am Abend, als die Kunde von Svindals Saisonaus an die Öffentlichkeit drang.

Die Rotoren des Helikopters schnitten die kalte Luft

Die Streif wirft jedes Jahr ein paar Fahrer ab, die Gefahr ist ihr Verkaufsargument, vermutlich das wichtigste. Die Streif, hatte Svindal vor dem Rennen gesagt, "vergibt nichts", wie der Stadtkurs der Formel-1-Piloten in Monaco. Wer ausscheidet, scheidet nicht nur aus, sondern kracht in die Mauer. Beziehungsweise ins Netz. Diesmal war die Streif dann noch etwas gemeiner. "Die dunkle Sicht war das Hauptproblem", sagte Janka später. Die Fahrer sahen die Schläge und Wellen, die sich in die Ideallinie gefressen hatten, spät. Manchmal auch zu spät.

Am Samstagmittag hatten sie den Kurs noch einmal beschnitten, im oberen Teil schoben sich tückische Winde durch die Strecke. Die Fahrer warfen sich erst oberhalb der Mausefalle in den Kurs, was der Streif freilich kaum Gefahr nahm. Kurz nach Rennbeginn landete Georg Streitberger hinter der Hausbergkante im Netz, der Helikopter stieg auf, Kreuzbandriss, Saisonaus, das achte für die Österreicher in diesem Winter. Die Anspannung hatte sich noch nicht gelöst, als auch Favorit Hannes Reichelt die Kontrolle verlor und ins Netz rauschte. Wieder an der Hausbergkante, wieder schnitten die Rotoren des Helikopters in die kalte Luft. Reichelt zog sich eine Knochenprellung zu, wie lange er fehlen wird, ist ungewiss. Und dann, der Hubschrauber näherte sich gerade wieder dem Zielraum nach Reichelts Krankentransport, rauschte Svindal über die Hausbergkante.