Schiedsrichterin und Bayern-Trainer Bibi lässt Pep abblitzen

Pep Guardiola (rechts) wurde hektisch, Bibiana Steinhaus blieb cool.

(Foto: imago sportfotodienst)

Noch nie hat eine Frau einem Mann in der Bundesliga so elegant einen Korb gegeben: Bayern-Coach Guardiola hat mit seinem Ansinnen bei Schiedsrichterin Steinhaus keinen Erfolg. Sie beherrscht das Krisengebiet zwischen den Ersatzbänken.

Von Philipp Selldorf, Mönchengladbach

Bibi und Pep - das könnte auch der Titel eines zauberhaften Kinderbuches sein, am Sonntagabend in Mönchengladbach aber nahm die wahrhaftige Begegnung von Bibi & Pep ein Ende, das keine Aussicht auf Poesie ließ. Bibi hat Pep abblitzen lassen, als er wie im Flirt vor dem Eiscafé den Arm um sie legte. Während sie seine Hand von ihrer Schulter beseitigte, trat sie einen kleinen, aber markanten Schritt zur Seite, und der aufdringliche Verehrer blieb verlassen zurück. Noch nie hat eine Frau einem Mann so elegant einen Korb gegeben - jedenfalls nicht in der Bundesliga. Bibiana "Bibi" Steinhaus sagte nichts, ihre Körpersprache sagte alles. Josep "Pep" Guardiola zog davon.

Vermutlich allerdings hatte der Trainer des FC Bayern gar nichts davon mitbekommen, dass er in diesem Moment aussah wie ein gescheiterter Casanova. In Wahrheit ging es ihm halt doch nur um Fußball. Es lief schon die 93. Minute, auf dem Feld musste sich der verletzte Borusse Granit Xhaka zum wiederholten Male behandeln lassen (am nächsten Tag erschien er mit Krücken: Sprunggelenksblessur), und Guardiola sah sein Team um die Chance geprellt, doch noch den Siegtreffer zu schießen.

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Seinen Antrag auf Nachspielzeit in der Nachspielzeit wies die vierte Schiedsrichterin Steinhaus zurück ("nein, das machen wir nicht"), woraufhin ihr Guardiola polemisch die Hand schüttelte und sich dann zornig entfernte. Als er begriff, dass er in seinem Zorn zu grob geworden war, kam er zurück - und legte im Versuch der versöhnlichen Geste den Arm um Bibiana Steinhaus. Was nicht willkommen war.

Routine im Umgang mit aufgeregten Männern

Später gab es Diskussionen darüber, ob sich Guardiola womöglich nicht nur ungalant verhalten hatte, sondern auch die Integrität einer Amtsperson verletzt haben könnte. Schiedsrichter sollen ja unberührbar bleiben. Es gibt aber keine Anzeichen dafür, dass der DFB nun gegen den Trainer vorzugehen gedenkt, und dass Steinhaus tief gekränkt wäre, braucht auch keiner zu befürchten. Die 35-Jährige hat Routine im Umgang mit aufgeregten Männern. Mitten im Geschehen ist sie von Spielern schon am Busen berührt worden, das war dann ein Thema für gewisse Medien, aber nicht für sie. Sie besitzt Humor, und das ist zweifellos hilfreich, um als weibliche Ausnahmeerscheinung im Männer-Fußball zurechtzukommen.

Als Schiedsrichterin genießt Steinhaus außerdem ähnliches Ansehen wie Guardiola als Trainer: Fünfmal wurde sie als Schiedsrichterin des Jahres ausgezeichnet, sie leitet Spiele der zweiten und der dritten Liga. Die zuständige DFB-Kommission nutzt aber auch gern ihre Talente als Friedensrichterin, weshalb sie häufig als vierter Schiedsrichter eingesetzt wird. Sie versteht es, das Krisengebiet zwischen den Ersatzbänken zu beruhigen, unter anderem dadurch, dass sie die Trainer nicht penetrant maßregelt. Den Gladbacher Lucien Favre hat sie am Sonntag sogar aufs Spielfeld gelassen, damit er Max Kruse etwas sagen konnte. Der Schweizer hat sich dafür höflich bedankt.