Schalkes 2:3 gegen Ajax "Der Fußballgott ist nicht immer gerecht"

  • Schalke 04 gewinnt zwar 3:2 nach Verlängerung gegen Ajax Amsterdam - doch nach dem 0:2 im Hinspiel reicht das nicht für den Halbfinaleinzug in der Europa League.
  • Der leidenschaftliche Einsatz der Gelsenkirchener erinnert an die "Eurofighter"-Mannschaft, die 1997 den Europapokal gewann.
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Von Ulrich Hartmann, Gelsenkirchen

In den Tiefen der Schalker Arena gibt es eine Kapelle, sie liegt nicht weit entfernt von den Spielerkabinen. Um 23.43 Uhr am Donnerstagabend, kurz nach Abpfiff dieses denkwürdigen Europapokal-Spiels, haben sie die Kapelle abgeschlossen, und wenn man so will, war das nur folgerichtig. Schalke ist vom Glauben abgefallen. Oder, wie es Kapitän Benedikt Höwedes sagte: "Der Fußballgott ist nicht immer gerecht."

20 Minuten vor dem Ende des Viertelfinal-Rückspiels gegen Ajax Amsterdam waren die Schalke mit dem Treffer zum 3:0 schon beinahe ins Halbfinale der Europa League eingezogen - doch zehn Minuten später war es wieder vorbei mit dem Traum, 20 Jahre nach Schalkes Uefa-Cup-Triumph eine neue Eurofighter-Generation zu feiern. Binnen acht Minuten machten die Niederländer in der Verlängerung und in Unterzahl aus einem 0:3-Rückstand noch den 2:3-Endstand und zogen ins Halbfinale ein.

"Ich habe eigentlich selbst nicht mehr daran geglaubt", gestand Amsterdams deutscher Linksaußen Amin Younes, der eine Minute vor dem Ende der Verlängerung das 2:3 erzielt hatte. "Unglaublich", sagte Younes noch. Und in genau diesem Ausdruck waren sich hinterher alle einig - Schalker und Amsterdamer.

"Wir haben das Schalker Herz gezeigt"

Leon Goretzka (53.), Guido Burgstaller (56.) und Daniel Caligiuri (101.) hatten Schalke zu einer 3:0-Führung gebracht, die angesichts der 0:2-Niederlage im Hinspiel zum Weiterkommen gereicht hätte. Doch in der 111. Minute (Nick Viergever, von Matija Nastasic angeschossen) und in der 120. Minute (Younes) kippten die Niederländer die Dramaturgie dieses Spiels. Trainer Markus Weinzierl wirkte hinterher fast geschockt. Alle Beteiligten standen unter dem Eindruck eines wendungsreichen Krimis, die ersten Stimmen fielen deshalb längst nicht so gehaltvoll aus wie das vorangegangene Spiel.

Die Schalker betonten ihren Stolz auf die Leistung. "Wir haben das Schalker Herz gezeigt", sagte Torwart Ralf Fährmann etwa. Aber als er dann gefragt wurde, wo dieses Schalker Herz im Hinspiel geblieben war, musste er eingestehen, dass man das Halbfinale schon eine Woche zuvor verspielt hatte. So ein Viertelfinale besteht nun mal aus vier Halbzeiten - in diesem Falle sogar aus 210 Minuten Fußball, und diese dreieinhalb Stunden hat Ajax am Ende mit 4:3 gewonnen. "Das ist gut für den niederländischen Fußball", sagte Ajax-Trainer Peter Bosz. Sein Team ist die einzige Mannschaft, die seit Einführung der Europa League 2009 jedes Jahr dabei war, und jetzt ist der Klub erstmals ins Halbfinale eingezogen. "Man muss immer an sich glauben", sagte Bosz noch.