Schalke 04 Tedesco ist der Trainer der Saison

Vize-Meister-Trainer: Domenico Tedesco.

(Foto: dpa)

Mit der Erfahrung von elf Zweitliga-Spielen in Aue übernahm Domenico Tedesco den FC Schalke 04 - jetzt ist er Vizemeister-Trainer. Einige halten seinen Fußball für stilbildend, andere für den Untergang des Spiels.

Kommentar von Sebastian Fischer

Ehrungen für Trainer scheinen für die Geehrten nicht unbedingt ein gutes Omen zu sein. Vom DFB wurden in den vergangenen Jahren zum Beispiel Markus Kauczinski und Hannes Wolf mit dem Trainerpreis des deutschen Fußballs ausgezeichnet, vom Fachmagazin Kicker wurde unter anderen Dirk Schuster zum Trainer des Jahres gekürt - alle wurden recht bald darauf freigestellt, Wolf in dieser Saison beim VfB Stuttgart sogar schon, bevor er den Preis entgegennahm. Folgende Feststellung ist also nicht ungefährlich: Domenico Tedesco ist der Trainer dieser Saison.

Es sind noch nicht alle Entscheidungen gefallen, Hamburg und Wolfsburg werden sich im Fernduell am letzten Spieltag um den Relegationsplatz streiten, auch Freiburg hat seine Ligazugehörigkeit noch nicht gesichert. Mainz hat das irgendwie geschafft, mit sehr viel Kampf, Glück und wenig strukturiertem Fußball, was viel über die Qualität der Liga in diesem Jahr aussagt. Am aussagekräftigsten ist der Aufstieg von Tedesco und Schalke, der seit dem 2:1 in Augsburg nun auch rechnerisch feststeht: Tedesco innerhalb eines Jahres vom Zweitliga-Trainer in Aue zum Champions-League-Trainer, Schalke vom hochbezahlten Mittelklasse-Team auf Platz zehn zum Ligazweiten.

Tedesco ist die Figur, die für den Zustand der Liga steht

Tedescos Art, Fußball zu erleben, zu interpretieren und zu lehren, polarisiert. Die effizienten Schalker sind der Zweite, den eine Liga verdient, die mit Ausnahme des FC Bayern mehr gegen als mit dem Ball spielt. Und damit ist Tedesco die Figur, die für den Zustand der Liga steht: Noch nie war in Deutschland so viel Talent und Wissen vorhanden. Aber wo das hinführt, ist gerade eher unklar. Tedescos Fußball-Idee, möglichst ökonomisch statt kreativ zu spielen, Fehler des Gegners zu provozieren, statt im Ballbesitz eigene zu riskieren, halten die einen für stilbildend. Die anderen halten sie eher für den Vorboten des Untergangs des Spiels.

Der Großteil der Liga versucht sich am sogenannten Umschaltfußball. Doch nicht ganz so wenige geben auch, nicht immer öffentlich, inzwischen in der Sache Mehmet Scholl recht, der im Dezember salopp lästerte, der deutsche Fußball werde mit Trainern wie Tedesco, die den Fußball mit Systemideen überfrachten würden, "sein blaues Wunder erleben". Und es war bemerkenswert, was neulich in einem Tedesco-Porträt in der Zeitschrift 11Freunde zu lesen war: Im Winter hatte er vor, im Training auch mal das Ballbesitzspiel in den Mittelpunkt zu rücken. Doch als Schalke mit diesem Ansatz in vier Spielen nur vier Punkte holte, habe sich Tedesco entschlossen, zum alten Stil zurückzukehren. Weg von Eigeninitiative und schönem Spiel. Damit in der kommenden Saison nicht wieder Missmut vorherrscht, wenn über den deutschen Vereinsfußball und sein internationales Abschneiden gesprochen wird, sollte er es vielleicht im Sommer noch mal versuchen.

Die Einschränkung schmälert nicht den Erfolg, die Liga erlebt ein blau-weißes anstelle eines blauen Wunders, gute Stimmung und Siege in Serie für Schalke, erstmals seit Jahren. Und dafür verantwortlich ist vor allem der Trainer, den Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies in dieser Woche in der Sportschau einen "überragenden Kommunikator" und den "wichtigsten Mann im Verein" nannte. Aber vielleicht kann das ja auch erst mal reichen als Adelung.

Und als nächster Trainer des Jahres wird vielleicht Bayerns Meistercoach Jupp Heynckes geehrt. Der kann nämlich demnächst im Ruhestand auch nicht mehr entlassen werden.

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