Mario Gomez "Zwei Tore hat er gemacht, aber sonst nicht viel"

Sei umschlungen Welt: Mario Gomez jubelt über seine Tore gegen Hoffenheim.

(Foto: dpa)
  • Die TSG Hoffenheim verliert 0:2 gegen den VfB Stuttgart und verspielt damit die vorzeitige Qualifikation zur Champions League.
  • Mario Gomez ist der entscheidende Mann auf Stuttgarter Seite. Er schießt zwei Tore - damit kann der VfB immer noch auf eine Qualifikation zur Europa League hoffen.
  • TSG-Trainer Julian Nagelsmann kann kaum fassen, dass sein Team trotz großer Feldüberlegenheit nichts mitgenommen hat.
Von Tobias Schächter, Stuttgart

Mario Gomez? Julian Nagelsmann war nicht bereit, ein Hohelied auf den Stürmer des VfB Stuttgart anzustimmen. Und das nicht, weil Gomez die Partie mit seinen zwei Toren für den VfB gegen die TSG Hoffenheim entschieden hatte. Dieses 0:2 fühlte sich für Nagelsmann wie ein schlechter Witz an, seine Mannschaft war klar überlegen, hatte aber besonders in der Anfangsphase und der Schlussphase viele Möglichkeiten fahrlässig vergeben. Gomez aber nutzte zwei der drei Stuttgarter Chancen. "Zwei Tore hat er gemacht, aber sonst nicht viel", sagte Nagelsmann genervt. Und im Prinzip, so der Hoffenheimer Trainer, hätten diese Tore nicht fallen dürfen. Beim 1:0 verschätzte sich TSG-Innenverteidiger Kevin Akpoguma bei einer Flanke, so dass Gomez den Ball ganz locker aus acht Metern ins Tor schieben konnte (25.). Und beim 0:2 (74.) ließ Gomez, 32, den 23 Jahre jungen Akpoguma nach einem Konter ins Leere grätschen, um den Ball dann Torwart Oliver Baumann durch die Beine zu schießen. "Diesen Haken habe ich von Gomez gefühlt schon 4,7 Millionen Mal gesehen, da darf man nicht grätschen, da muss man begleiten", sagte Nagelsmann.

Ob Nagelsmann es wahrhaben wollte oder nicht: Gomez machte an diesem Tag den großen Unterschied. Er blieb cool beim Abschluss, die Hoffenheimer Stürmer nicht. Die Badener hätte wohl noch vier Stunden anrennen können gegen den VfB, der nach der gelb-roten Karte für Santiago Ascacibar (65.) lange dezimiert verteidigen musste - sie hätten wohl nicht getroffen. Die Chance, sich mit einem Sieg bereits so gut wie sicher für die Champions-League zu qualifizieren, konnten die Hoffenheimer nicht nutzen. "Ich bin optimistisch, dass das gelingt", sagte Nagelsmann trotzig, obwohl er am letzten Spieltag gegen Dortmund nach Gnabry, Demirbay, und Geiger in Lukas Rupp einen weiteren verletzten Profi ersetzen muss: Rupp erlitt in Stuttgart einen Kreuzbandriss im linken Knie.

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Dass Hoffenheim am 34. Spieltag noch die Chance hat, in die Champions-League zu kommen und Stuttgart in die Europa-League, wäre vor zwei Monaten noch als das Luftschloss eines Fantasten abgetan worden. Aber diese Chancen sind nun real, wobei der VfB als Tabellenachter Punkte im letzten Spiel in München braucht. Aber egal, wie diese letzte Partie auch ausgehen mag: Der VfB und die TSG haben mehr erreicht, als man ihnen zugetraut hat. Wobei die Hoffenheimer die Champions-League noch verlieren können, während der VfB nur noch gewinnen kann. Kapitän Christian Gentner sagte: "Wir haben eine grandiose Saison gespielt, wir haben keinen Druck im letzten Spiel." Michael Reschke sagte: "Wir feiern bis die Halle wackelt."

"Mario strahlt mittlerweile eine Gelassenheit aus, ohne seinen Ehrgeiz verloren zu haben"

Der VfB schrieb vielleicht die erstaunlichste Geschichte dieser Rückrunde. Vom Abstiegskandidat zur Europapokalhoffnung in nur vier Monaten: Trainer Tayfun Korkut hat mit einem effizienten Sicherheitsfußball Stabilität und Erfolg ins Ländle gebracht. Empfangen wurde der Pragmatiker mit Ablehnung von den Fans. Am Samstag aber feierten die Anhänger nach dem Abpfiff des letzten Heimspiels fast wie nach einer Meisterschaft. Ohne Spektakel, aber mit Organisation und viel Einsatzwillen schaffte der VfB die Wende. Und mit Mario Gomez.

Der Stürmer wurde nach seinem Wechsel im Winter vom VfL Wolfsburg der Rolle des Hoffnungsträgers gerecht. Gegen Hoffenheim erhöhte er seine Trefferquote für den VfB auf acht Tore in 16 Einsätzen. "Mario hat einen Riesenwert für uns, nicht nur auf dem Platz, sondern auch in der Kabine und in der Trainingswoche", lobte Kapitän Gentner: "Mario strahlt mittlerweile eine Gelassenheit aus, ohne seinen Ehrgeiz verloren zu haben."

Gomez hat eine Karriere mit Höhen und Tiefen erlebt, feierte Meisterschaften in Stuttgart, München und Istanbul, und musste neben schweren Verletzungen sportliche Enttäuschungen in Florenz und Wolfsburg wegstecken. Nun ist er nach der Rückkehr zu seinem Heimatverein wieder ein Kandidat für Nationaltrainer Joachim Löw. Seine Leistungen und seine Torquote sind im Fernduell mit Sandro Wagner vom FC Bayern um einen Stürmer-Platz im Kader für die WM in Russland kein schlechtes Argument. "Das Spiel heute hat meine Chancen nicht vergrößert und nicht verringert", meinte Gomez und fügte hinzu: "Wir werden sehen, was passiert. Wenn ich dabei bin, würde ich mich freuen."

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