Unter Tränen hat Raúl sich von Real Madrid verabschiedet. Wenn er demnächst bei Schalke blau-weiß weint, ist er in Gesellschaft hochkarätiger Heulsusen.
In seinen großen Zeiten verfügte Günter Siebert über spezielle Fähigkeiten. 1951, damals war er 21 Jahre alt, hat er bei einem Ausflug seiner Mannschaft ins Allgäu in einem Bach vier Forellen gefangen - mit der Hand. Seitdem trug er den Spitznamen "die Forelle", was gut zu dem flinken Stürmer passte, der für Schalke04 in der Oberliga West spielte und 1958 half, den siebten Meistertitel für den Klub zu gewinnen. Da aber Titel Nummer acht seitdem auf sich warten lässt, ist das Andenken ans Jahr 1958 belastet, zumal da es Männer wie Hans-Joachim Watzke von Borussia Dortmund oder Karl-Heinz Rummenigge vom FC Bayern regelmäßig boshaft in Erinnerung rufen.
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Nach 18 Jahren und 228 Toren in 550 Ligaspielen hat sich Raul von Real Madrid verabschiedet - unter Tränen. (© AFP)
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Günter Siebert wurde später Präsident des Vereins, zwischen 1964 und 1988 hat er mehrere, mit Skandalen reich gefüllte Amtszeiten bestritten, und dabei kam ihm eine weitere Begabung zugute: Angeblich konnte er auf Kommando Tränen vergießen, ein Talent, von dem er besonders bei den damals häufigen Gerichtsverhandlungen sowie auf den stets stürmischen Jahreshauptversammlungen Gebrauch machte.
Tränen des Kummers, der Rührung und der Trauer haben ihren Platz im Zirkus Schalke 04 wie das stilisierte G im Vereinsemblem, selbst harte Männer wie Huub Stevens, Rudi Assauer und sogar Tomasz "Holzfuß" Hajto haben im königsblauen Dienst geheult, weshalb es die Freunde des Klubs gern gesehen haben, dass ihr mutmaßlicher neuer Mittelstürmer Raúl González Blanco am Montag geweint hat, als er sich von seinem Vater-und-Mutter-Verein Real Madrid verabschiedete. Weinende Fußballer sind zwar mittlerweile keine Seltenheit mehr, aber es kommt schon noch auf die Angemessenheit der Umstände an.
Als kürzlich bei der WM der brasilianische Glatzkopf Maicon über sein Tor zum 1:0 gegen Nordkorea Tränen vergossen hat, schien er doch etwas zu übertreiben. Wohingegen die in einen Heulkrampf mündende Verzweiflung des Japaners Yuichi Kamono nach seinem Lattenschuss im Elfmeterschießen gegen Paraguay kulturell begründet war. Früher pflegten Japaner in solchen Lebenslagen das grausige Ritual des Seppuku anzuwenden.
Auch Raúls Ergriffenheit hat ihre Berechtigung, es geht immerhin um Real Madrid. Doch wenn er als Schalker künftig von Männern wie Watzke und Rummenigge aus wieder mal gegebenem Anlass an das Jahr 1958 erinnert wird, dann muss er sich umstellen. Denn dann gelten auch für Raúl die Verse des seligen Ruhrpottsängers Ährwin Weiss: "Wenn ein Schalker Junge weint/sind seine Tränen blau und weiß".
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(SZ vom 27.07.2010/leja)
Ex-Salafist packt aus
Hat irgendjemand Raul auch gesagt, wie die Stadt Gelsenkirchen im Vergleich zu Madrid aussieht? Da er wahrscheinlich zu Schalke geht, hat es ihm niemand gesagt....;-)
Raúl und van Nistelrooy in deutschland sind nicht unbedingt als Erfolg zu bewerten. Früher war mal die Schweiz das Austragsstüberl für abgehalfterte Ex-Superstars, wie beispielsweise Netzer und Rummenigge und Weltmeister José "Mazzola" Altafini.
Ich glaube, ich müsste auch heulen, würde mich mein Berater zwingen, nach Gelsenkirchen zu wechseln.
Genau! Und es ist immer noch besser, solche Stars im Herbst ihrer Karriere in Deutschland zu sehen, als im Winter - oder gar nicht.
Es scheint sich ja nun doch auszuzahlen, dass die Teams der Bundesliga all die Jahre sauber gewirtschaftet haben. Mal sehen, wer in den nächsten Jahren noch so alles kommen wird.
Wenn vor Jahren jemand davon gesprochen hätte, das Spieler wie Van the men oder Raul den Herbst ihrer Sportlertage in der Bundesliga verbringen wollten. Das ein Robben oder Ribery in Deutschland ihre Zukunft sehen, dann haätten alle nur mit Unverständnis den Kopf geschüttelt.
Die Bundesliga schafft es sehr bedächtig die Leiter der Internationalen Akzeptanz nach oben zu steigen. Früher haben sich die Stars, wenn sie schon in die Niederungen der Bundesliga abstiegen, den Weg nach München gesucht. Heute ziehen Leute wie eine Ikone „Raul“ sogar in betracht nach Gelsenkirchen zu gehen, um Zitat „eine andere Kultur kennen zu lernen!“
Man kann immer das Haar in der Suppe, anstatt sich zu freuen, das unsere Land, die Bundeslige immer mehr in den Fokus rückt. Aber nein, warum sollte man darüber berichten, wenn es Häme auszukippen gibt!
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