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Bundesliga: Skurrile Wechsel:Als Beatrix schluchzte ...

Dieser Tage zurren die Manager die letzten Wechsel fest. Doch sie müssen aufpassen - zu viele skurrile Transferabläufe gab es schon. Von Spielerfrauen mit Vetorecht, Hubschrauber-Klauseln und Akteuren mit drei Verträgen.

M. König, L. Jakat und J. Beckenkamp

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Bernd Schuster Gaby Schuster

Quelle: online.sdesport

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... musste Valdas Ivanauskas dem VfL Wolfsburg absagen. Bei Bernd Schuster drohte der Wechsel nach Köln daran zu scheitern, dass der Youngster gleich drei Verträge unterzeichnet hatte. Kuriose Transfers der Fußball-Geschichte - ein Überblick in Bildern.

Gaby Schuster ist dafür bekannt, den Beruf der Spielerfrau geprägt zu haben. Die Ehefrau von Bernd Schuster handelte 1980 ein fürstliches Gehalt des FC Barcelona für ihren Gatten aus. 1993 brachte sie Leverkusens Manager Reiner Calmund an den Rand der Verzweiflung: "Ich hatte noch nie so einen harten Verhandlungspartner wie Frau Schuster", klagte Calmund nach Schusters Wechsel von Atletico Madrid zu Bayer Leverkusen. Weniger bekannt ist, dass Bernd Schuster auf die Verhandlungskünste seiner Frau angewiesen war: 1977 wollte er vom FC Augsburg zum 1. FC Köln wechseln und unterschrieb dort einen Vertrag - damals noch ohne Gaby. Kurz darauf machte ihm Augsburg ein neues Angebot, und schließlich bot auch Borussia Mönchengladbach um das aufstrebende Talent mit. Schuster sah es mit Freude und entschied sich in seiner juvenilen Naivität jeweils für das beste Angebot - ohne die anderen Verträge zu kündigen. Am Ende hatte er drei gültige Arbeitspapiere unterschrieben. Die Angelegenheit ging vor Gericht, dort bekam Köln den Zuschlag. Später kümmerte sich Gaby um solche Dinge. Es war wohl besser so. (Michael König)

Valdas Ivanauskas

Quelle: online.sdesport

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Es war 1997, als Valdas Ivanauskas beim VfL Wolfsburg zusagte. Bislang hatte der Litauer beim Hamburger SV gespielt, mit einigem Erfolg. In 91 Partien für den HSV hatte er 13 Tore erzielt. Und nun: Wolfsburg. Ivanauskas trainierte drei Tage zur Probe in der Autostadt, seine Frau Beatrix schaute sich derweil die niedersächsische Metropole genauer an. Aus Sicht des VfL war das ein Fehler. Frau Ivanauskas nahm ihren Mann zur Seite und schluchzte: "Valdas, ich liebe dich, aber ich kann in dieser Stadt nicht leben." Herr Ivanauskas sagte: "Unser Fehler war, dass wir die Umgebung nicht so genau angeguckt haben." Die damalige Bürgermeisterin bot dem Ehepaar einen Kennenlern-Bummel an und verwies auf die Schwimmbäder, die Theater, den Wald. Es nutzte nichts: Ivanauskas sagte dem VfL wieder ab und wechselte nach Österreich. Er schob hinterher: "Ich fahre nie, nie mehr nach Wolfsburg." (Michael König)

New Zealand's Shane Smeltz celebrates scoring a goal during their 2010 World Cup Group F soccer match against Italy at Mbombela stadium in Nelspruit

Quelle: rtr

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Ob der in Göppingen geborene Neuseeländer Shane Smeltz je von Ivanauskas gehört hat, ist nicht überliefert. Dabei hat der Held der WM 2010 - er schoss das 1:0 gegen Italien - ein sehr ähnliches Problem: Sein auf zwei Jahre angelegtes Engagement beim chinesischen Klub Shandong Luneng hat er nach fünf Tagen wieder beendet. Für seine Frau Nikki und die zwei Kinder sei es unmöglich, sich in der Provinz an der chinesischen Ostküste einzugewöhnen, klagte er. Smeltz kehrt nun vermutlich nach Australien zurück, wo er bislang bei Gold Coast United sein Geld verdiente. Falls ihn noch einmal das Fernweh packt, sollte er es vielleicht in Göppingen probieren. (Michael König)

Helmer

Quelle: imago

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Es hätte so einfach sein können, damals 1992, als der junge Dortmunder Verteidiger Thomas Helmer (re.) mit Hilfe eines perfiden Plans des Bayern-Managers Uli Hoeneß nach München wechseln sollte - und vor allem halb so teuer. Eine Ausstiegsklausel im Vertrag des späteren Europameisters und Phantomtorschützen erlaubte Helmer einen Transfer ins Ausland für die festgeschriebene Ablösesumme von drei Millionen Mark. Also versuchten die Bayern, Helmer vorrübergehend beim französischen Erstligisten AJ Auxerre zu "parken", um ihn dann zum Schnäppchenpreis an die Isar zu holen. Doch daraus wurde nichts. Die BVB-Macher rochen den Braten und pochten auf den von ihnen verlangten Preis von siebeneinhalb Millionen - Helmer wurde dennoch ein Bayer und sagt heute rückblickend: "Am Ende haben die Bayern und auch ich dieses Modell abgelehnt." Bestimmt, aber versuchen kann man's ja mal. (Jonas Beckenkamp)

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Quelle: afp

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Dass Not erfinderisch macht, demonstrieren derzeit die beiden Serie-A-Klubs Lazio Rom und FC Genua. Vergangene Woche machte die Meldung die Runde, die Vereine würden angeblich gemeinsam Kevin-Prince Boateng (li.) vom FC Portsmouth verpflichten wollen. Nach einem Bericht der wohlinformierten italienischen Sportpostille Gazzetta dello Sport soll die Klub-Kooperative bereit sein, zusammen sieben Millionen Euro zu bezahlen, um den ghanaischen Nationalspieler mit deutschem Pass nach Italien zu lotsen. Im Rahmen eines Fünfjahresvertrages könnte der Mittelfeldspieler dann im ersten Jahr für Lazio spielen und danach für den FC Genua. Ein gewieftes Vorhaben, das die Transferplanungen einer ganzen Klubgeneration revolutionieren könnte. Vielleicht kaufen zukünftig ja gleich fünf Vereine einen Spieler, um ihn dann scheibchenweise untereinander aufzuteilen. (Jonas Beckenkamp)

Präsident Günther Eichberg (Schalke)

Quelle: Imago

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Bei Günter Eichberg waren wichtige Transfers Chefsache. Der Präsident und "Sonnenkönig" des FC Schalke 04 konnte es 1990 nicht auf sich sitzen lassen, dass der Manager des Vereins, Helmut Kremers, einen prominenten Wechsel angebahnt hatte: Radmilo Mihaijlovic vom FC Bayern München sollte zum damaligen Zweitligisten ins Ruhrgebiet wechseln. Für 2,5 Millionen Mark - so hatte es Kremers mit dem FCB abgemacht. Auftritt Eichberg: Im Privatjet flog Schalkes Präsident nach München, traf sich mit Mihaijlovic und steckte den Medien dessen Wechsel. In München fühlte man sich düpiert, weshalb Bayern-Manager Uli Hoeneß flugs die Ablösesumme anhob: Von 2,5 auf drei Millionen Mark. Eichberg willigte ein und Schalke zahlte aufgrund der Eitelkeit seines Präsidenten 500.000 Mark zu viel. Doch damit nicht genug: In Gelsenkirchen angekommen, durfte Mihaijlovic sein Salär angeblich frei bestimmen. Er wählte 1,6 Millionen Mark Handgeld, 500.000 Mark Gehalt, einen Dienst-Mercedes und ein Haus in Herten. Anschließend schoss Mihaijlovic für Schalke zwölf Tore in 58 Spielen. Eichberg ist aber noch heute davon überzeugt, dass es ein gutes Geschäft war. (Michael König)

Köpke Stuttgart

Quelle: imago

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"Die Geschichte ist perfekt", frohlockte Karl Ortegel, der Manager des Nationaltorhüters Andreas Köpke (li.) im Jahr 1996 - gemeint war aber nicht etwa Köpkes Wechsel nach Stuttgart, wo der damals 34-Jährige bereits neben VfB-Präsident Mayer-Vorfelder und Fredi Bobic mit seinem neuen Trikot posiert hatte. Nein, Ortegel hatte mit seinem Klienten längst anderen Pläne. Nach Barcelona sollte es gehen und der Vertrag war auch schon unterschrieben. Wen kümmert da schon eine mündliche Zusage an den VfB mitsamt offizieller Vorstellung. Von "Ungereimtheiten" im Vertrag war die Rede, da sollen sich die Schwaben nicht wundern, wenn Köpke dann doch lieber nach Katalonien wechsele, so der ausgefuchste Kaufmann Ortegel. Doch die Köpke-Fraktion hatte die Rechnung ohne Barcelona gemacht, denn auch die pfiffen kurzerhand auf bestehende Vereinbarungen, als sie von den Vertragsquerelen des Keepers mitkriegten und ihren eigentlichen Wunschkandidaten Vítor Baía doch noch verpflichten konnten. So stand Köpke plötzlich ohne Verein da - und wechselte schließlich zu Olympique Marseille. Vielleicht war man dort nach dem Bestechungsskandal um den früheren Präsidenten Bernard Tapie ohnehin Schlimmeres gewöhnt. (Jonas Beckenkamp)

Rafael van der Vaart Valencia Trikot

Quelle: online.sdesport

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Sylvie van der Vaart war nicht zu Hause, als ihr Mann Rafael van der Vaart im August 2007 Besuch in seiner Hamburger Villa bekam. Miguel Ángel Ruiz war zu Gast und mit ihm zwei Journalisten. Wie es sich für gute Gäste gehört, hatten die Spanier dem Hausherren etwas mitgebracht: ein Trikot des FC Valencia, dass sich der Mittelfeldspieler des Hamburger SV sogleich vor den Bauch hielt und in eine Kamera lächelte. Das Bild erschien tags darauf in der spanischen Sportzeitung As. Dort war auch zu lesen, dass van der Vaart mit Valencias Manager Ruiz verhandelt und versprochen hatte, er werde noch vor dem 1. September wechseln. Beim HSV hatten sie aber weder die Absicht, van der Vaart gehen zu lassen, noch genügend Humor, ihren Profi mit dem Trikot eines anderen Klubs zu sehen. Van der Vaart bekam eine saftige Geldstrafe aufgebrummt, er blieb eine weitere Saison beim HSV und wechselte erst dann - nicht nach Valencia, sondern zu Real Madrid. Und Sylvie van der Vaart? Die sagte, es wäre nie zu dem verhängnisvollen Foto gekommen - wenn sie zu Hause gewesen wäre. (Michael König)

Jens Lehmann

Quelle: ag.ap

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Der VfB Stuttgart suchte für die Saison 2008/09 dringend einen erfahrenen Torwart und fand: Jens Lehmann, Nationaltorhüter, der beim FC Arsenal in England ausgemustert worden war. Wie dringend die Suche des VfB gewesen sein muss, wurde allmählich klar, als immer neue Details des Lehmann'schen Einjahresvertrags durchsickerten. So räumte der Klub seinem Schlussmann das Recht ein, nach Auswärtsspielen alleine nach Hause zu reisen statt mit der Mannschaft im Bus zu fahren. Auch durfte Lehmann am Starnberger See wohnen und zum Training pendeln - 240 Kilometer pro Strecke. Gut, ein bisschen peinlich war es den Stuttgartern schon, als sich herausstellte, dass Lehmann für den Weg zum Training gerne einen Hubschrauber orderte, der am Starnberger See auf einem Sportplatz landete. Die Anwohner des Platzes waren wegen des Fluglärms nicht sehr amused. Zum Glück für den VfB reagierte Lehmann prompt und ließ sich fortan im Auto zum Training bringen - von einem Chauffeur, um genau zu sein. Sein Verein wies ausdrücklich darauf hin, dass der Torwart die Reisen aus eigener Tasche zahlte. Andernfalls hätte sich aber auch niemand gewundert. (Michael König)

Westermann angeblich vor Wechsel zum HSV

Quelle: ag.ddp

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Der Wechsel Heiko Westermanns zum HSV war der erste, der mit den Millionen des Speditionseigners Klaus-Michael Kühne zustande kam. Der Fußball-Investor steuerte ein Drittel der Ablösesumme des Schalker Verteidigers bei und erhält im Gegenzug 33,3 Prozent der Rechte an Westermann. Mit weiteren Millionen ist Kühne bereits beim HSV-Trio Dennis Aogo (li.), Marcell Jansen und Paolo Guerrero eingestiegen. An jedem der drei Spieler hält der Milliardär mit seinem umstrittenen Anstoß-Projekt ebenfalls ein Drittel der Rechte. Während Jansen und Aogo irritiert bis ärgerlich auf ihren Besitzerwechsel reagierten, stört sich der Peruaner Guerrero kaum an den neuen Eigentumsverhältnissen. Im südamerikanischen Fußball sind private Investoren gang und gäbe. (Lena Jakat)

Wesley FC Santos

Quelle: online.sdesport

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Überhaupt scheint die Salami-Taktik im Trend zu liegen: Schon seit Wochen brodelt die Gerüchteküche um einen möglichen Wechsel des Brasilianers Wesley vom FC Santos zu Werder Bremen. Angeblich sollen den Bremern bereits 40 Prozent an den Transferrechten des 23-Jährigen gehören - je ein Fünftel halten der Spieler selbst und sein Berater. Was mit den restlichen 20 Prozent geschieht, ist fraglich. Angeblich will der FC Santos Wesley nicht hergeben - schließlich ist der dort ausgebildete Stürmer nach einjähriger Ausleihe an Atletico Paranaense erst Anfang des Jahres nach Santos zurückgekehrt. (Lena Jakat)

1. FC Kaiserslautern v 1860 Muenchen - 2. Bundesliga

Quelle: getty

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Der verlorene Catering-Prozess um die Münchner Arena könnte über die Zukunft der serbischen Nachwuchshoffnung Aleksandar Ignjovski entscheiden. Der TSV 1860 hat den 19-jährigen Mittelfeldspieler für zwei Jahre vom OFK Belgrad ausgeliehen und besitzt eine Kaufoption. Inzwischen sind Erstligaklubs aus Deutschland und Italien auf den quirligen Mittelfeldspieler aufmerksam geworden - ihm sollen gleich mehrere Angebote vorliegen. Den finanziell angeschlagenen Löwen wird wohl kaum etwas anderes übrigbleiben, als Ignjovski zu kaufen, um ihn weiterverkaufen zu können - mit einem sattem Gewinn. Auch wenn das weder Trainer noch Spieler so richtig wollen: "Es ist mein Wunsch, dass ich hier weiterspiele", sagt Ignjovski. Aber der Youngster kennt das Geschäft zu gut: "Wahrscheinlich wird das passieren, was am besten für den Verein ist." (Lena Jakat)

Mainz's Thurk celebrates his goal during German Bundesliga soccer match against Schalke in Mainz

Quelle: ag.rtr

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Mainz sang und lachte 2004, doch Michael Thurk heulte wie ein Schlosshund. Der Stürmer hatte am letzten Spieltag der zweiten Bundesliga zwei Tore für den FSV Mainz 05 erzielt, das 1:0 und 3:0 gegen Trier, und damit den dritten Tabellenplatz gesichert. Für seinen Klub bedeutete das den ersehnten Aufstieg in die Bundesliga, nach zwei gescheiterten Versuchen in Folge. Thurk vergoss jedoch keine Freudentränen, im Gegenteil: Es gehe ihm "beschissen", sagte er und rieb sich die rotgeheulten Augen. Einige Monate früher hatte er für die neue Saison beim Mainzer Liga-Rivalen Energie Cottbus unterschrieben, um endlich, endlich in die erste Liga wechseln zu können. Cottbus sah damals aus wie ein sicherer Aufsteiger, das Mainzer Pech war hinlänglich bekannt. Also entschied sich Thurk gegen den Karnevalsverein - und sorgte selbst dafür, dass dieser aufstieg. Und nicht Cottbus, sein neuer Arbeitgeber. Dass der Mainzer Trainer Jürgen Klopp ihn über den grünen Klee lobte, war ein schwacher Trost: "Eigentlich müssten wir Michael ein Denkmal hinstellen", sagte Klopp. Inzwischen spielt Thurk beim FC Augsburg - und scheiterte in der abgelaufenen Saison knapp am Aufstieg. (Michael König)

© sueddeutsche.de/jbe/leja/mikö
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