Schalke-Manager Heldt im Gespräch "Wenn Bayern mal straucheln sollte, dann müssen wir da sein"

Horst Heldt am Tag der Teampräsentation im Stadion des FC Schalke.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Zum dritten Mal in Serie spielt der FC Schalke in der Champions League, in der Bundesliga will das Team den FC Bayern jagen. Im SZ-Gespräch erklärt Manager Horst Heldt, warum der WM-Spieler Höwedes ein mentales Problem bekommen könnte, und verspricht, dass Schalke ein eingetragener Verein bleibt.

Möglicherweise hat ein WDR-Journalist die Deutsche Meisterschaft 2007 mitentschieden. Vor jedem Spieltag der Fußball-Bundesliga gibt es jedenfalls einen Sendeplan, darauf steht dann, was die Hörfunk-Reporter wann zu machen haben. Und vor dem 33. Spieltag war die Situation Folgende: Schalke lag einen Punkt vor dem VfB Stuttgart, Schalke spielte in Dortmund, Stuttgart in Bochum. Und irgendein Journalist war sich offenbar sicher, wie es nach dem Spiel aussehen würde, jedenfalls stand im Sendeplan: "Um 17.19 Uhr schalten wir rüber nach Bochum und interviewen enttäuschte Stuttgarter."

Horst Heldt, damals noch Manager in Stuttgart, sagte im Interview mit der Süddeutschen Zeitung: "Den Plan haben wir groß kopiert, unter den Spielern verteilt und auch schön an die Kabinenwand gehängt." Es klappte. Schalke verlor, Stuttgart gewann, Stuttgart wurde Meister.

Mischung aus Kevin de Bruyne und Aaron Hunt

Euphorisch begrüßt Werder Bremen seinen Zugang Izet Hajrovic. Der Bosnier kostete dank der fehlenden Zahlungsmoral seines Ex-Klubs Galatasaray Istanbul keinen Cent. Wegen seiner Begabung wird Hajrovic mit vielen berühmten Spielern verglichen - jetzt hoffen sie an der Weser, dass er selbst zum Maßstab wird. Von Jörg Marwedel mehr ...

Jetzt ist Horst Heldt Manager auf Schalke und mittlerweile ist das mit der Meisterschaft so eine Sache. Bayern München hat zweimal mit exorbitantem Vorsprung die Schale geholt und Schalke ist ja eigentlich Herausforderer. "Unser erklärtes Ziel muss lauten: Wenn Bayern mal straucheln sollte, dann müssen wir da sein. Dann darf es keinen anderen Verein geben, der davon profitiert", sagt Heldt. In einer Nach-WM-EM-Saison war die Chance dazu bisher eigentlich ganz gut, allerdings könnten "die Bayern, anders als etwa 2007, inzwischen zwei fast gleichwertige Mannschaften aufs Feld schicken", sagt der Schalke-Manager.

Bei seinen eigenen WM-Spielern Benedikt Höwedes und Julian Draxler sieht Heldt eher ein mentales Problem. "Gerade war er noch im Maracanã, die ganze Welt hat zugeschaut - und dann spielt er plötzlich irgendwo vor 15 000 Zuschauern." Nachdem sich Schalke nun zum ersten Mal überhaupt dreimal hintereinander für die Champions-League qualifiziert habe, müsse man sich die Frage stellen, was noch an Luft nach oben bleibe. Zwiespältig sieht er nach dem Aufstieg von RB Leipzig die zunehmende Anzahl an sogenannten Werksklubs. "Einerseits machen diese Klubs gute Arbeit, gerade auch im Jugendbereich, andererseits gibt es Momente, in denen man denkt: Hm, so einfach hätten wir es auch gerne." Er wolle da allerdings keine Diskussion starten, es gäbe immer noch Argumente, Spieler von Schalke zu überzeugen.

"Gazprom war immer ein loyaler Partner"

"Die Karte Tradition und Emotion zieht auch, die heutige Spielergeneration ist für so was empfänglich, die lassen sich gerne begeistern", sagt er. Die eigene Jugendarbeit sei gerade ein "Pfund", mit dem man arbeiten müsse. Vergangene Saison waren in einem Spiel sieben Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in der Startelf. Auch deshalb sei eine Ausgliederung der Profiabteilung, wie sie gerade in Hamburg beschlossen und in Stuttgart diskutiert würde, nicht denkbar. "Wir Schalker sind und bleiben jedenfalls ein eingetragener Verein. Da sind alle Gremien einig, das ist das größte Anliegen unserer Fans."

Heldt verteidigte sein Vorgehen in der vergangenen Saison, mit dem damaligen Mainzer Trainer Thomas Tuchel verhandelt zu haben. "Man müsste mich ja rausschmeißen, wenn ich das in der Phase damals nicht getan hätte. Wenn man im DFB-Pokal zu Hause 1:3 gegen Hoffenheim verliert, dann brennt nun mal auf Schalke der Baum." Allerdings habe der damalige und aktuelle Schalke-Trainer Jens Keller davon immer gewusst.

Kritik muss Heldt aktuell einstecken, weil Schalke während der Ukraine-Krise mit dem Logo des russischen Staatskonzern Gazprom auftritt. "Ich bin auch ein Mensch mit einem politischen Bewusstsein, und natürlich beobachte ich das, was gerade in der Ukraine passiert, mit Besorgnis. Gazprom war immer ein loyaler Partner und hat sich nie in Angelegenheiten des Vereins eingemischt." Schalke sei zudem nicht das einzige deutsche Unternehmen, das Geschäftsbeziehungen zu Gazprom unterhält.