Samuel Eto'o wechselt nach Russland Leben wie ein russischer Ölbohrer

Ein Bugatti zum Geburtstag, dazu 20 Millionen Euro Jahresgehalt: Durch seinen Wechsel zu Anschi Machatschkala steigt Samuel Eto'o zum bestbezahlten Fußballer der Welt auf - und schließt einen der politischsten Verträge der Fußballgeschichte ab.

Kommentar von Boris Herrmann

"Ich werde rennen wie ein Schwarzer, um zu leben wie ein Weißer" - mit dieser bemerkenswerten Begrüßung hat sich der Fußballer Samuel Eto'o aus Kamerun vor einigen Jahren beim FC Barcelona vorgestellt. Der Satz ist nicht nur hoch politisch, sondern auch erfrischend ehrlich, weil er keinen Hehl aus einer häufig krampfhaft versteckten Wahrheit macht: Der Profifußball ist für seine Helden finanziell nicht ganz uninteressant.

Eto'o hat das nie bestritten, und deshalb muss auch niemand desillusioniert sein, dass er nun tatsächlich von Inter Mailand zu Anschi Machatschkala in die russische Krisenregion Dagestan wechselt. Für diesen kleinen Standortnachteil wird er, ähnlich wie ein Bohrinsel-Arbeiter, mit reichlich Schmerzensgeld entlohnt.

Mit einem Jahresgehalt von 20 Millionen Euro ist Eto'o nun mit großem Abstand der bestbezahlte kickende Geschäftsmann der Welt. Zum Geburtstag lässt sein neuer Klubchef Kerimow schon mal einen Bugatti zusätzlich springen, weshalb Eto'o bei seiner Begrüßung im Kaukasus auch durchaus sagen könnte: "Ich werde fahren wie ein Weißer, um zu leben wie ein Ölbohrer."

Um den Eto'o-Deal vollends zu verstehen, muss man sich allerdings vor Augen führen, dass es sich hierbei nicht nur um den teuersten, sondern auch um einen der politischsten Verträge der Fußballgeschichte handelt. Für diese Erkenntnis genügt ein Blick auf die Landkarte. In der kaukasischen Küstenstadt Sotschi finden in drei Jahren die olympischen Winterspiele statt, 2018 wird sie einer der Austragungsorte der Fußball-WM sein.

Im starken Kontrast zu diesem glamourösen Veranstaltungsplan steht allerdings das Image der gesamten Region zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer, das sich um Begriffe wie Krieg, Terror und Korruption rankt. Das soll sich aus Sicht von Moskau schleunigst ändern. Ein Klub wie Anschi, in dem neben Eto'o und dem Brasilianer Roberto Carlos bald noch weitere alte Bekannte auftauchen dürften, kommt da gerade recht. Die kommende Sportgroßmacht Russland betreibt über den Milliardär Kerimow gezieltes Standort-Marketing im Nordkaukasus.

Fußball als Entwicklungshilfe - so ähnlich, aber wirklich nur so ähnlich hat das Eto'o wohl schon damals in Barcelona gemeint.

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