Rücktritt von Berti Vogts "Die denken nur an ihre Kohle"

Unzufrieden mit seinem Team: Berti Vogts schmeißt hin.

(Foto: dpa)

Berti Vogts ärgert sich über seine Spieler und tritt als Trainer von Aserbaidschans Fußball-Nationalmannschaft zurück. Für das Land geht damit eine Ära zu Ende, für Vogts ein weiteres Kapitel seiner bewegten Karriere.

Von Dominik Fürst

Am Freitagvormittag endete im aserbaidschanischen Fußball eine kleine Ära. Hans-Hubert Vogts trat als Fußball-Nationaltrainer zurück, nach sechs Jahren. Vogts hat die Schnauze voll - so lässt sich die Entscheidung des Coaches am besten zusammenfassen. Am Montagabend hatte sein Team in der EM-Qualifikation mit 0:6 gegen Kroatien verloren.

Aber nicht die Niederlage an sich, sondern die Einstellung seiner Profis bewog Vogts am Ende zum Rücktritt. Er vermisste Fleiß und Disziplin bei seinen Spielern. "Fußball ist ein Laufspiel, aber das haben einige Spieler nicht kapiert. Die denken nur an ihre Kohle und tun nichts dafür. Das kann ich nicht mehr mitmachen", sagte Vogts.

1996 nähert sich der "Terrier" dem Legendenstatus an

Fleiß und Disziplin - mit diesen Eigenschaften hat Berti Vogts, geboren 1946, im deutschen Fußball viel erreicht. Europameister 1972, Weltmeister 1974, mit Borussia Mönchengladbach zweimal Europapokal-Sieger, fünfmal deutscher Meister und einmal Pokalsieger - allein als Spieler feierte Vogts, den sie "Terrier" riefen, beeindruckende Erfolge. Dem Legendenstatus angenähert hat er sich schließlich als Trainer, als er 1996 mit der deutschen Nationalmannschaft in England, dem "Mutterland des Fußballs", den EM-Titel gewann.

Nach dem Ende seiner Laufbahn als DFB-Chefcoach, die von 1990 bis zum glanzlosen Ausscheiden im Viertelfinale bei der WM 1998 in Frankreich währte, blieb ihm die Wertschätzung in der Heimat weitgehend versagt. Vogts wurde von der deutschen Öffentlichkeit nicht immer ernst genommen. Stefan Raabs verniedlichende Hommage "Böörti Böörti Vogts" aus dem Jahr 1994 tat ihr übriges. "Wenn ich übers Wasser laufen könnte, würden meine Kritiker sagen: 'Nicht mal schwimmen kann er'", beschwerte sich Vogts einmal.

Nach einer kurzen Station bei Bayer Leverkusen verabschiedete Vogts sich schließlich aus Deutschland und suchte im Ausland nach Anerkennung, bei seinen vielen Stationen als Nationalmannschaftstrainer. Seine kleine Weltreise führte ihn nach Kuwait, Schottland und Nigeria, ehe er schließlich 2008 in Aserbaidschan landete.

Dort störte ihn am Ende aber nicht nur die Einstellung seiner Spieler, sondern auch das Land, das seiner Meinung nach zu wenig tat, um professionelle Strukturen für seinen Lebenssport, den Fußball, zu etablieren: "Ich habe dem Präsidenten die Situation geschildert und erklärt, dass es so nicht weitergehen kann", sagte Vogts und fügte hinzu: "Man muss bereit sein, mehr für den Fußball zu tun." Immer wieder habe er darauf hingewiesen, dass in den Klubs intensiver trainiert werden müsse. Sie hörten offenbar nicht auf ihn.

Nun hat Vogts, der Profi, sein Engagement in Aserbaidschan trotz seines bis 2016 laufenden Vertrags beendet. Seine Bilanz ist sehenswert, zwischenzeitlich führte er das Team von Rang 147 der Fifa-Weltrangliste auf Platz 73. Inzwischen rangiert es auf 95.

Es sind kleine Erfolge, die für ein kleines Land jedoch viel bedeuten. Und die großen Erfolge, das könnte vielleicht sein Trost sein, hat Vogts ja längst gefeiert.