RB Leipzig und Red Bull Salzburg Transfer mit G'schmäckle

Ralf Rangnick: Perfekter Deal für Red Bull

(Foto: dpa)

Spielerwechsel nach Red-Bull-Art: Weil der Österreicher Marcel Sabitzer von Rapid Wien nicht zu einem Ligakonkurrenten wechseln darf, unterschreibt er bei RB Leipzig - und wird von dort an den Schwesterverein Salzburg verliehen. Schon praktisch, so ein Großkonzern.

Von Saskia Aleythe

Beziehungspflege ist das A und O im Leben. Ralf Rangnick und Andreas Müller teilen eine gemeinsame Vergangenheit, fast 30 Jahre ist es her, dass sie auf dem Gelände des VfB Stuttgart ihrer Fußballleidenschaft nachgingen. Beide tun das sogar bis zum heutigen Tage, Müller als Sportdirektor von Rapid Wien, Rangnick als Sportdirektor von RasenballSport Leipzig und Red Bull Salzburg.

Und doch ist die Beziehungspflege derzeit eine heikle Angelegenheit. Die beiden kennen das, Müller hatte als Teammangager mit Rudi Assauer zusammen Rangnick zu Schalke 04 gelotst, nach einem Jahr trennten sich die Wege wieder.

Nun sorgt ein gewiefter Transfertrick für Unmut in Wien. Im Mittelpunkt: Marcel Sabitzer. Der 20-Jährige ist ein talentierter Mittelfeldmann, der ab der U16 alle Jugendnationalmannschaften Österreichs durchlaufen hat und vier Spiele für das A-Team absolvieren durfte. Anfang 2013 wechselte er zu Rapid Wien, private Investoren hatten Sabitzer für 400.000 Euro von Ligakonkurrent Admira Wacker Mödling losgeeist.

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Sabitzer ist eigentlich bis 2016 an Rapid Wien gebunden - ohne Ausstiegssklausel für Wechsel innerhalb Österreichs. In der kommenden Saison wird er trotzdem für Salzburg auflaufen. Dem Konzern Red Bull und Rangnick sei Dank.

Am Freitag unterschrieb Sabitzer einen Vierjahres-Vertrag in Leipzig. Da in seinem Vertrag eine Ausstiegsklausel für internationale Transfers verankert war, schnappte sich RB Leipzig das junge Talent für zwei Millionen Euro Ablöse - um ihn umgehend an Schwesterverein Salzburg auszuleihen. Wie Andreas Müller das findet? "Was Red Bull mit Sabitzer plant, hat ein G'schmäckle. So sagen wir Schwaben zu Deals, die nach Tricksereien aussehen", meinte er gegenüber dem Kurier.

Kleine Besänftigung von Red Bull

Nach der Einigung klingt das nur in Nuancen versöhnlicher. Es sei "schlussendlich" eine Lösung gefunden worden mit Red Bull, "die für alle Beteiligten gut ist". Letztendlich waren die Wiener zu machtlos, den Deal zu unterbinden: "Aufgrund der allgemein bekannten Vertragssituation können wir den Abgang von Marcel Sabitzer nicht verhindern und es ist auch sein ausdrücklicher Wunsch, zu wechseln." Besänftigt haben dürfte Müller und Kollegen der Umstand, dass Red Bull sich immerhin in einem Punkt auf sie zubewegte: Sie stimmten dem Transfer von Christopher Dibon nach Wien zu, der Innenverteidiger war bisher nur eine Leihgabe.

Leipzig hat Salzburg einen guten Dienst erwiesen, auch Ralf Rangnick ist von seinem Coup überzeugt: "Aus meiner Sicht ist Marcel in Österreich einer der interessantesten jungen Fußballer, der sich mit seinen 20 Jahren bei uns weiter positiv entwickeln kann." Sabitzer wurde zunächst nur für die kommende Saison an die Österreicher abgestellt - womöglich könnte Leipzig den Spieler bald selbst gebrauchen.

Den Aufstieg in die 2. Bundesliga hat das Team von Alexander Zorniger mit überlegener sportlicher Leistung geschafft. Monatelang stritt sich jedoch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) mit dem Verein: Zu sehr erinnerte das Logo an die Marke Red Bull, die Gremien sind grundsätzlich mit Angestellten des Unternehmens besetzt - für Mitgliedschaften gilt das gleiche. Dass der Verband letztendlich die Lizenz für die Profiliga erteilte, ist zum einen der schwierigen Rechtslage, aber auch dem Geschick der Konzernführung zu verdanken. Am Montag präsentierte RB Leipzig eine neue Version des Klublogos - mit marginalen Änderungen. Im Ausreizen von Regeln sind sie geübt.