SZ: Armstrong und die UCI bezeichnen Landis als Lügner, der vier Jahre gelogen hat und nun wieder lüge.

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Die Doping-Vorwürfe gegen Lance Armstrong (vorne) reißen nicht ab. (© afp)

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LeMond: Ich kenne diese Masche nun seit neun Jahren, seitdem ich ihn wegen Doktor Ferrari kritisierte. Er nannte mich mental instabil, nun macht er das bei Floyd. Alle anderen sind labil und nur eifersüchtig und liegen falsch. Als sich Floyd offenbarte, war das ja eine Bestätigung von dem, was ich schon wusste. Warum soll er jetzt lügen? Nur um zu schauen, ob er Armstrong zerstören kann, der ihm keinen Job gab? Ja, da ist sicher was dran. Aber das ist nicht seine stärkste Motivation. Ich weiß von Floyd, dass er einfach sein Leben ändern wollte.

SZ: Floyd Landis sagte im Mai, er habe keine Beweise für seine Vorwürfe.

LeMond: Ich glaube zu wissen, dass er durchaus Beweise hat. Die bekannten Namen von anderen Fahrern nannte er sehr ungern, sagte er mir. Denn das sind ja Kerle wie er selbst. Aber um glaubwürdig zu sein, muss er das tun. Im US-Recht gibt es aber so etwas wie den Anscheinsbeweis, und hey, wie viele Indizien braucht man denn noch für Armstrong? Die positiven Dopingproben von 1999 zum Beispiel werden nun sicher benutzt, denn das ist eine kriminalistische Untersuchung. Aber es geht den Ermittlern gar nicht darum, Doping zu sanktionieren. Sondern um: Banktransfers, Geldverschiebung, das Deckung von Verbrechen.

SZ: Armstrong verklagte stets alles und jeden, der ihn angriff. Nun nicht.

LeMond: Weil Floyd die Wahrheit sagt! Und sie wissen es, er selbst, die anderen Beschuldigten, ihre Anwälte wissen es. Solche Verhandlungen zu Klagen entwickeln ja ihr Eigenleben, und darauf verzichten sie wohl lieber.

SZ: Haben Sie Jeff Novitzky schon kennengelernt, den Chefermittler, der schon den Balco-Fall um US-Sprinterin Marion Jones und Baseballer auflöste?

LeMond: Noch nicht. Aber ich habe gehört, dass er sich nicht beeinflussen lässt. Und das wäre sicher das Einzige, worauf Armstrong noch bauen könne: Auf seine erstaunlichen Kontakte in die Politik. Aber es wird nichts helfen. Und im Gegensatz zu seiner Sache war Balco ein kleiner Fall. Da ging es doch um die Beschaffung von ein paar Dopingmitteln. Hier geht es um Organisationen im Sport, um organisierten Vertrieb, um schwarze Kassen. Wurde vielleicht sogar Geld seiner Krebsstiftung zweckentfremdet? Armstrong wird es erwischen, da bin ich mir sicher, er ist Geschichte. Aber wenn es auch den Verband betrifft, die UCI - und ich glaube, das ist möglich -, dann wird es noch interessanter.

SZ: Werden frühere Fahrer wie Hamilton Landis vor Gericht stützen?

LeMond: Ja, das habe ich gehört. Ich denke auch Armstrongs Ex-Frau. Ich höre, dass viele aussagen werden, obwohl sie sicher Angst haben werden, dass er sie aus dem Geschäft drängt. Aber lügen ist jetzt nicht mehr möglich. Denn es ist die Bundespolizei.

SZ: Es sieht aus, als könnte ein nationaler Held fallen. Wie reagiert man in den USA auf diese Entwicklung?

LeMond: Die Leute verfolgen es nicht richtig. Wenn es Tiger Woods wäre, würden sie es tun. Die Doping-Sache ist fast unerheblich, aber wenn etwa seine Krebsstiftung betroffen wäre, würde es die Leute mehr berühren als nun sein Abschied.

SZ: Sie selbst haben aufgehört, weil Sie angeblich keine Chance mehr sahen angesichts der Epo-Doping-Welle, die Anfang der Neunziger einsetzte.

LeMond: Ja, ich selbst war chronisch übertrainiert, und die anderen gingen plötzlich zum Doktor Ferrari, oder zu seinem Kollegen Conconi. Ich selbst bin damals mal zu Ivan Van Mol gegangen ...

SZ: ... ein Belgier, er ist heute noch Teamarzt beim Tour-Team Quick Step.

LeMond: Ja, und er sagte: "Du musst dich nur mit Ferrari treffen." Ich habe ihn dann Ende 1993 getroffen, in San Diego. Und mir war gleich klar, dass Ferrari nichts über Training weiß - sondern nur über etwas anderes. Es wurde ja immer eine Magie um sein Training kreiert.

SZ: Andy Schlecks Bruder Frank zahlte sogar Geld an den spanischen Doping-Arzt Fuentes, ohne dessen angebliche Trainingspläne zu nutzen.

LeMond: Zumindest Ferraris Pläne hatten nichts mit Magie zu tun. Sondern nur mit Drogen. Damals war mir klar, dass ich dem Sport den Rücken kehren musste.

SZ: Armstrong sagte also 2001 am Telefon, er werde zehn Leute auftreiben, die bestätigen, dass auch Sie Epo genommen haben. Ist er nicht fündig geworden?

LeMond: Er hat es mit allen Mitteln versucht. Ich weiß, dass er jemanden bezahlen wollte, das zu erzählen. Ich kann nicht sagen, wer es ist, weil derjenige heute noch im Feld arbeitet. Aber er bekam letztes Jahr 300 000 Dollar dafür geboten, um zu behaupten, dass ich Epo nahm. Er hat abgelehnt. Weil es nicht stimmt. (Armstrongs Teamsprecher äußerte auf eine Anfrage zu dieser Behauptung: "Das ist das erste Mal, dass wir von dieser Sache hören, und sie ist absolut nicht wahr. Eine sonderbare Story.")

SZ: Kein Doping?

LeMond: Nein, aber wäre ich Mitte der 90er Profi geworden - ich kann nicht ausschließen, dass ich nicht auch gedopt hätte. Und meine Einstellung zu gewissen Dingen hat mich ja auch nicht davor bewahrt, Marihuana zu versuchen.

SZ: Sie haben?

LeMond: Ja, aber es war nichts für mich. Ich habe eine Menge Fehler in meinem Leben gemacht, mal abgesehen vom Marihuana, auf das ich nicht stolz bin.

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  1. "Es ist fast wie bei der Mafia"
  2. Spenden von Armstrong?
  3. Sie lesen jetzt Landis, der Lügner?
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(SZ vom 17.07.2010/jbe)