Podolski-Abschied beim 1. FC Köln Souvenirfotos und ein frommes Buch

Seltsame Stimmung beim Training des 1. FC Köln: kein Ärger, aber ein wehes Gefühl. Die Fans wussten schon längst, dass Lukas Podolski nicht bleiben würde. Trost spenden Erinnerungsfotos - und die Aussicht auf zwei echte Düsseldorfer in der Chefetage.

Von Philipp Selldorf, Köln

Am schönen Maifeiertag haben viele Kölner Väter und nicht wenige Mütter ihre Kinder eingepackt und sind zum Geißbockheim gefahren. Womit ließe sich ein nutzloser freier Tag sinnvoller füllen, als mit dem Besuch beim Training des 1. FC Köln?

Rund um den Übungsplatz im Grüngürtel standen daher die Leute in Zweier- und Dreierreihen, und manchen Zuschauer mag ein wehes Gefühl beschlichen haben, als Lukas Podolski nach getaner Arbeit einen herrenlos herumliegenden Ball aus zwanzig Metern so herrlich energisch ins Kreuzeck schoss, dass der schwere Zaun dahinter schepperte und zitterte.

Solche inoffiziellen Tore des Monats wird man hier nicht mehr lange sehen, das weiß seit Montag die ganze Stadt, nachdem Podolski via Facebook seinen Wechsel zum FC Arsenal bekanntgemacht hat. Allerdings hat er mit seiner Mitteilung lediglich die älteste Neuigkeit der Welt verkündet. Köln und der Rest des Landes waren längst mehr als ausreichend informiert über die anstehende Transaktion.

Über Verrat oder Fahnenflucht hat sich nie jemand beschwert, seitdem Anfang März aus anonymer, interessierter Quelle die Meldung kam, dass Podolski den Verein verlassen werde, um künftig an prominenter Stelle in der Premier League zu spielen. Es gab keine Pfiffe gegen ihn und keine bösen Transparente, und wenn nach einer der üblen Niederlagen, die es zuletzt serienweise gab, wütende Fans den Bus oder den Parkplatz belagerten, dann blieb zumindest Podolski immer unantastbar.

Als es neulich einmal nachts zur Konfrontation mit enttäuschten Anhängern kam, hat er am Ende sogar einige der zornigen Leute in sein Auto geladen und nach Hause gefahren. Auch am Dienstag war die Stimmung friedlich und wohlwollend. "Alles nur positiv", wie Podolski gelassen zusammenfasste. Wie üblich schrieb er am Ausgang vom Trainingsplatz einen Haufen Autogramme, nahm Kinder fürs Souvenirfoto in den Arm und ging schließlich als Beschenkter in die Kabine. Ein Verehrer hatte ihm ein frommes Buch über katholische Fußballer überreicht.

Dem FC war Podolski im Alter von zehn Jahren beigetreten. Als er vor drei Jahren aus München zu ihm zurückkehrte, war er dazu bereit, dem Klub sein restliches Fußballerleben zu widmen, aber die Umstände und die sportliche Realität haben das nicht zugelassen. Diese Auffassung teilt Podolski mit den meisten Anhängern des Vereins, die inzwischen eine demütige Ansicht vom Bild ihres Klubs haben.

"Ich habe mich nicht gegen den FC, sondern für diese tolle Chance in meiner sportlichen Laufbahn entschieden", äußerte sich der Nationalspieler in der Erklärung des Vereins, das ist zwar eine ausgesuchte und beschönigende Formulierung, trifft aber den Kern der Sache. Hier hatten sich zwei Parteien substantiell auseinandergelebt: Die eine tendiert entschlossen Richtung zweite Liga, die andere drängt Richtung Champions League.