Philipp Lahm über Guardiola "Dieser Mann ist top-top-top"

Philipp Lahm (re.): Überzeugt von Guardiolas "traumhaftem" System

(Foto: imago sportfotodienst)

Pep Guardiola sei genau zur richtigen Zeit zum FC Bayern gekommen, befindet Philipp Lahm im SZ-Interview. Vor dem Finale im DFB-Pokal spricht der Nationalspieler über die Fehler beim Champions-League-Aus gegen Real Madrid und erklärt, warum Konterfußball den Münchnern nichts nützen würde.

Von Claudio Catuogno und Christof Kneer

0:3 gegen Borussia Dortmund in der Bundesliga. 0:4 gegen Real Madrid in der Champions League. Der Traum von der Wiederholung des historischen Triples - ausgeträumt. Doch trotz der Enttäuschungen der vergangenen Wochen nimmt Bayern-Kapitän Philipp Lahm, 30, im Interview mit der Süddeutschen Zeitung den Trainer Pep Guardiola und dessen Spielsystem vehement vor Kritik in Schutz.

"Dieser Mann ist top-top-top", sagt Lahm über den spanischen Fußballlehrer, der im Sommer 2013 Jupp Heynckes abgelöst hatte, "er ist genau zur rechten Zeit gekommen, und dann muss ein Verein so einen Weg auch mitgehen. Wenn wir uns hinten reinstellen und auf Konter spielen wollen, wäre Guardiola nicht der richtige Trainer. Aber ich finde, dass seine Spielidee super zur Mannschaft und zu einem Verein wie Bayern passt."

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Der Spanier Guardiola, 43, hat dem FC Bayern ein Spielsystem verpasst, das auf Ballbesitz und größtmöglicher Kontrolle beruht und in dem alle elf Bayern-Spieler weit in die gegnerische Hälfte aufrücken sollen. "Ich finde das traumhaft", sagt Lahm im SZ-Interview: "100 Pässe spielen, 100 Ballkontakte haben, dem Gegner keinen Ball und keine Luft geben - so macht Fußball Spaß."

Allerdings hatte sich Guardiolas Ballbesitz-Fußball auch als anfällig für gegnerische Konter erwiesen. Konterstarke Mannschaften wie Borussia Dortmund, am Samstagabend in Berlin Gegner der Bayern im Endspiel um den DFB-Pokal, nutzten diese Anfälligkeit zuletzt aus. Diese Gefahr sieht auch Lahm: "Gerade, weil wir so hoch verteidigen, reicht es, wenn irgendjemand gedanklich in einem Moment nur ein bisschen langsamer ist: Schon ergibt sich für den Gegner eine Riesenchance."

Deshalb müsse man aber nicht das System infrage stellen - sondern sich im Gegenteil noch konsequenter auf die Vorgaben des Trainers einlassen. Philipp Lahm: "Es ist ein traumhaftes System, ich liebe es sehr, aber man muss es zu hundert Prozent spielen. Eine Dreiviertel-Saison wurden wir gefeiert für unsere Spielweise. Europaweit. Für unsere Dominanz, für die vielen Torchancen, für die wenigen Gegentore. Ich bin fest davon überzeugt, dass unsere Spielweise genau die richtige ist."

Gerade mit Blick auf das Pokalfinale, von dem abhängen wird, wie Pep Guardiolas Premieren-Saison in München am Ende bewertet wird, fordert Lahm, jetzt "nur keine falschen Schlüsse" aus den jüngsten Niederlagen zu ziehen. "Wir dürfen jetzt nicht plötzlich auf Konter spielen. Das sind wir nicht. Im Gegenteil: Wir müssen mit aller Konsequenz zurück zu unserem Spiel."

Ungewohnt offensiv gegen Real

Auch zur ungewöhnlichen Aufstellung der Bayern beim Halbfinal-Rückspiel gegen Real Madrid (0:4) nimmt Lahm in dem Interview Stellung. Guardiola selbst hatte seine Startelf im Nachhinein als "Big Riesenfehler vom Trainer" bezeichnet: Er habe zu viele Spieler aufgestellt, denen sein Ballbesitz-Fußball nicht so liegt. Außerdem habe er insgesamt zu wenige Mittelfeldspieler eingesetzt, so Guardiola, und stattdessen eine zu offensive Ausrichtung gewählt.

Wie kam es zu dieser Aufstellung? Dass Guardiola, entgegen seiner Gewohnheit, Einzelgespräche mit einigen Spielern geführt und sich dann teilweise den Vorstellungen der Mannschaft angepasst hat, bestätigt Lahm nur indirekt: "Ich kann da keine Details nennen, aber es ist doch klar, dass ein Trainer vor so wichtigen Spielen noch intensiver mit der Mannschaft spricht als ohnehin schon", sagte er der SZ.

Man habe nun mal ein 0:1 aus dem Hinspiel aufholen müssen, damit sei der ungewohnt offensive Ansatz erklärbar gewesen. Im Nachhinein hält auch Lahm die Aufstellung für problematisch: "Wir hatten praktisch vier Mann (Ribéry, Müller, Mandzukic, Robben; d. Red.) vorne auf einer Linie, und im Mittelfeld waren wir in manchen Situationen in Unterzahl. Normal spielen wir's ja umgekehrt: Da stehen zwei ganz vorne, und die anderen machen das Zentrum dicht."

Gegen Dortmund dürfte der FC Bayern am Samstag wieder so viel Guardiola-Fußball spielen, wie möglich.

Das vollständige Interview lesen Sie in der Freitagsausgabe der Süddeutschen Zeitung oder auf dem iPad.

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