Ortstermin in Moskau Iljumschinow steht nicht nur im Fokus der Schach-Welt

Vor zwei Jahren wurde ein "Agon Memorandum" publik, das dem Kalmücken 51 Prozent zusichern sollte. Iljumschinow sagt, die Agon-Vertreter hätten sich an ihn nicht als Fide-Chef, sondern als Geschäftsmann zur Unterstützung gewandt - und er habe den Vertrag nie unterschrieben. Doch andererseits muss Iljumschinow einräumen, dass er doch involviert war: Als Paulson das Geld ausgegangen sei, aber Agon schon gewisse vertragliche Verpflichtungen gehabt habe, habe er "die Verantwortung" übernommen, dass es weitergeht, sagt Iljumschinow. Inzwischen gilt als Eigentümer von Agon der Russe Ilja Merenzon, der dafür ein britisches Pfund bezahlt haben möchte.

"FBI, CIA ich habe ihnen allen geschrieben: Schließt mich an einen Lügendetektor an!"

Aber Iljumschinow steht nicht nur im Fokus der Schach-Welt, sondern auch der US-Behörden. Im November setzte ihn das Finanzministerium auf die Sanktionsliste. Begründung: Über die russische RFA-Bank, deren Anteilseigner Iljumschinow ist, habe das syrische Assad-Regime Deals aus Ölquellen abgewickelt, die die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) kontrolliert.

Es ist nicht das erste Mal, dass Iljumschinow im Kontext solcher Themen auftaucht. In den Neunzigern etwa ermittelten Moskauer Behörden, weil der Kalmücke 40 000 Tonnen eines Ölproduktes illegal ins Ausland verkauft und mehrere Millionen Profit gemacht habe. 1999 wurde - so schreibt es das US-Finanzministerium in seiner Sanktionsbegründung - ein Berater Iljumschinows wegen des Mordes an einem Journalisten verurteilt, der eine dem damaligen kalmückischen Präsidenten zugeschriebene Offshore-Geschäftsregistrierung untersucht hatte. Und jetzt also die Sanktionen durch die USA.

Iljumschinow weist die Vorwürfe zurück. "Die Sache ist beleidigend", sagt er. Dann steht er auf, geht zu einem Schreibtisch, zeigt alle seine Pässe, sein Visum für Amerika, hier, "gültig bis 2018, da kann ich hinfahren, wann immer ich möchte". Aber er hat ein Problem. Die Schach-WM im November, der Kampf zwischen dem Titelinhaber Magnus Carlsen aus Norwegen und dem Herausforderer Sergej Karjakin aus Russland, soll in New York stattfinden. Iljumschinow sagt, er denke gar nicht daran, das Duell zu verlegen; er garantiere die Austragung dort. Aber weil er auf der Sanktionsliste steht, könne er leider weder Taxis noch Hotelrechnungen bezahlen, das sei doch etwas unangenehm. Und in diesem Moment beginnt wieder eine dieser langen Geschichten von Kirsan Nikolajewitsch Iljumschinow. In zusammengefasster Form geht sie so:

"Deswegen habe ich gesagt: Ich gehe vor Gericht, vors höchste Gericht der USA. Ich will eine gerichtliche Auseinandersetzungen mit den USA, um meine Ehre und meine Reputation zu verteidigen. Ich bin der erste Ausländer, der das macht. Wenn du gegen die USA vor Gericht ziehst, muss dich ein amerikanischer Anwalt mit spezieller Lizenz vertreten. Und ich habe einen gefunden, eine der Top-10-Kanzleien, sie haben schon Bill Clinton verteidigt gegen Monica Lewinsky, sie haben ihr Office gegenüber vom Weißen Haus.

Alle Pässe, alle Überweisungen, alle Kreditkartenabrechnungen, alle Telefonnummern, alle Mail-Kontakte von fünf Jahren habe ich dem US-Finanzministerium übergeben. Aber ich habe einen Monat lang nichts gehört. Dann habe ich alle angeschrieben, FBI, CIA, alle, und gesagt: Schließt mich an einen Lügendetektor an! Ich bin bereit, zu euch zu kommen und mich an einen Lügendetektor anzuschließen. Es kam keine Antwort. Warum nicht? Weil sie nichts in der Hand haben. Sie müssen jetzt Beweise vorlegen, Banküberweisungen, oder dass ich irgendwelche terroristischen Gruppen unterstützt habe oder so etwas, oder E-Mails mit Assad, in denen ich gesagt habe: Auf geht's, greif hier oder dort an. Aber sie legen das nicht vor. Wenn sie bis zu einer gewissen Frist nichts vorlegen, dann soll das Gericht sie bestrafen."

Kurz nach dem SZ-Gespräch in Moskau, am 23. Mai, endete die Frist, die der Kalmücke Kirsan Iljumschinow den Vereinigten Staaten von Amerika gesetzt hat. Jetzt teilt er mit, er ziehe also gegen die USA vor Gericht. Auf 50 Millionen Dollar will er sie verklagen.

Kontaktaufnahme mit dem Supreme Court, dem höchsten US-Gericht: Was können Sie mitteilen über das Verfahren? Die Antwort: Weder unter dem Namen Kirsan Iljumschinow noch unter Internationale Schach-Föderation oder Vergleichbarem steht gerade ein Fall auf der Prozessliste.

Aliens, Amerikaner, manchmal ist eben alles eine Frage der Einbildung.

Mitarbeit: Luke Harding