Olympia Luftgewehr-Drama um Engleder: "So eine Matz"

Barbara Engleder zielte lange sehr gut - erst am Schluss verlor sie Bronze.

(Foto: Jeremy Lee/Reuters)

Im letzten Moment verpasst Luftgewehrschützin Barbara Engleder eine Medaille. Sie nimmt es gelassen - und findet sogar einen bayerischen Kosenamen für ihre chinesische Konkurrentin.

Von Volker Kreisl, Rio de Janeiro

Am Ende riss Barbara Engleder trotzdem die Arme in die Luft. Aber es war keine Triumphgeste für die Welt draußen, es war ein Ausdruck für sich selbst, eine Mischung aus Trotz und der Erleichterung, dass die Anspannung vorbei war. Sie ließ dabei den Kopf hängen, rang sich ein Lächeln ab, als sie ihren Schießposten verlassen musste. Engleder hält auch widersprüchliche Gefühle nicht zurück, sie redet so, wie sie sich gerade fühlt. So beschrieb sie später ihre Freude über einen insgesamt gelungenen Tag, aber als wieder der Groll über diesen letzten Schuss in ihr aufbrandete sagte sie eben auch Sätze wie diesen: "Ist der Wettkampf noch so klein, einer muss das Arschloch sein."

Diese Wettkampf-Form heißt auf Kinder-Geburtstagsparties "Reise nach Jerusalem", wo man allerdings statt eines 0,5 millimeterbreiten Scheibenzentrums nur irgendeinen Stuhl erwischen muss. Die jeweils Letzte von acht Luftgewehr-Finalistinnen packt neuerdings nach jeder Runde ihre Sachen. Engleder hatte mit diesem letzten Platz nie etwas zu tun, sie hatte immer rechtzeitig einen Stuhl erwischt, bis zum Schluss, zu dem Zeitpunkt, in dem es um Bronze ging. Da verrutschte ihr ein Schuss, den sie nicht mehr korrigieren konnte, sie fiel von zwei auf vier, hatte die sogenannte Holzmedaille und musste vorzeitig abtreten.

Engleder hat noch eine zweite Chance - mit ihrer Lieblingswaffe

Platz vier im Luftgewehr, das ist das Beste, was der Deutsche Schützenbund seit vielen Olympischen Spielen an diesem ersten Wettkampfvormittag hervorbrachte. Aber das Beste ist in diesem Fall eben auch das Traurigste. Engleder sagte in einem Moment der Versöhnung mit sich: "Es war ein starker Wettkampf", und gab dann gleich wieder zu: "Die große Traurigkeit wird noch kommen."

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Die deutsche Sportöffentlichkeit blickt auf diesen ersten wichtigen Finalkampf im Olympiaprogramm, und Vertreter der deutschen Sportmedien pilgern seit eh und je in den hintersten Winkel der Spiele zu den Schützen, um bei der ersten Medaille dabei zu sein. Seit Jahrzehnten hat sich der Weg aus dieser Sicht nicht gelohnt, und bei schnellem Hinschauen auch diesmal nicht.

Engleder ist gerade bei ihren vierten Olympischen Spielen und sie weiß, dass sie noch nie derart nah an einer Medaille dran war, aber dass dieses in den Rückbetrachtungen keinen Menschen interessieren wird, genauso wenig wie der Umstand, dass dieser Luftgewehrwettkampf grandios spannend und äußerst knapp war, dass die spätere Silbergewinnerin Li Du aus China fast in Runde vier rausgeflogen wäre, und dass Engleder 0,6 Millimeter zu Bronze gefehlt hätten, nur 0,6 Millimeter, aber das veredelt eben auch kein Holz.