Schlimme Stürze nach 60-Meter-Flug: Nach dem Abfahrtsrennen der Frauen soll die Strecke nun entschärft werden. Das gefällt jedoch nicht allen.
Peter Bosinger hat das sicherlich nicht so sarkastisch gemeint, als das jetzt rüberkam. Er wollte nett sein, den Athleten seinen Respekt ausdrücken. Also sagte Peter Bosinger, der Zuständige für die Alpinrennen im Olympia-Organisationskomitee Vanoc, als er die Sitzung der Mannschaftsführer am Dienstagabend eröffnete: "Ich möchte den Athletinnen gratulieren zu einem spektakulären Rennen. Die Bilder im Fernsehen waren unglaublich." Dennoch wirkte die Aussage etwas komisch - das spektakulärste in diesem Abfahrts-Rennen der Frauen waren ja die Stürze gewesen.
Der schwerer Sturz von Anja Pärson: zuvor flog die Schwedin 60 Meter weit. (© Foto: AFP)
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Dominique Gisin, die Schweizerin, zum Beispiel flog beim Zielsprung 58 Meter weit und an die vier Meter hoch, sie hatte sich in der Luft verdreht, und als sie von der Piste schoss, hebelte sie auch noch ein Hügel aus. Und Anja Pärson, die erfahrene Schwedin, flog sogar 60 Meter weit, auch sie konnte den enormen Kräften in diesem Moment nicht standhalten, und es ist wirklich erstaunlich, dass sie sich dabei offenbar nicht ernsthaft verletzte.
Pärson war direkt vor Maria Riesch gestartet, und vor Pärson wiederum war die Französin Marion Rolland gefahren. Rolland lieferte den kuriosesten Sturz: Nach nicht einmal vier Sekunden geriet sie beim Anschieben ins Trudeln und fiel seitlich um, sie wurde mit Verdacht auf Kreuzbandriss ins Krankenhaus eingeliefert.
Rolland wurde aber zunächst von den Ärzten wieder zum Starthaus zurückgebracht und dort behandelt, also direkt neben den danach folgenden Fahrerinnen. "Das war toll, dass man kurz vorm Start noch mal zur Rolland rüberschauen konnte, wie sie da behandelt wird", sagte Riesch. Das war natürlich ironisch gemeint. Die Stürze, die Startunterbrechungen hatten Riesch offensichtlich derart gehemmt, dass sie nach einer "indiskutablen Leistung" (Cheftrainer Mathias Berthold) nur Achte wurde.
Abgesehen von Rolland und der Rumänin Edith Miklos, die nach einem üblen Sturz im oberen Streckenteil mit einer noch nicht näher benannten Knieverletzung per Hubschrauber abtransportiert wurde, hat sich niemand schwerer verletzt. Doch die Häufung heftiger Stürze war auffällig, weshalb sich gleich danach eine Debatte entbrannte über die Olympiastrecke. Zu schwer? Zu anspruchsvoll? Oder gar schlecht präpariert?
Alle, Fahrerinnen wie Trainer, lobten den Kurs ausdrücklich. Ein schwieriger Kurs, gewiss, aber ein würdiger Olympiakurs, das war von allen Seiten zu hören. "Wir wollten immer so einen anspruchsvollen Kurs wie diesen", sagt Wolfgang Maier, Alpindirektor des Deutschen Ski-Verbandes. Die Ursache für die Stürze ist woanders zu suchen, nämlich dort, wo für vieles, was bei diesen Olympischen Spielen nicht so gut läuft, die Ursache liegt: im Wetter.
Die Fahrerinnen konnten wetterbedingt kein einziges Mal die Strecke von oben bis unten durchfahren. Um wenigstens ein wenig Training zu ermöglichen, hatte der Skiweltverband Fis die ungewöhnliche Entscheidung getroffen, das Training zu teilen: Die Frauenstrecke verläuft großteils neben der Männerstrecke, kurz vor dem Zielhang allerdings kommen die beiden Pisten zusammen.
Während also die Männer ihr Abfahrtsrennen austrugen, trainierten die Frauen bis zum Schnittpunkt, den unteren Teil ihrer Trainingsabfahrt absolvierten sie dann nach dem Männer-Rennen. "Eine gute Entscheidung der Fis" sei das gewesen, sagt Maier, die Alternative war schließlich gewesen, die Abfahrt abzusagen. Olympia ohne die Königsdisziplin in der Kernsportart Ski alpin - das ist kaum vorstellbar.
Nach diesem Trainingslauf hatte die Fis zudem entschieden, den Zielsprung abzutragen. Doch der Zielsprung war dann immer noch hoch genug, um bei hohen Geschwindigkeiten die Fahrerinnen weit und hoch fliegen zu lassen, und genau das war nun das zweite wetterbedingte Problem. Im Training war die Piste noch sehr hügelig gewesen, das hatten einige Athletinnen kritisiert.
Also wurde die Piste geglättet, so gut es ging; aus einem Berg alle Erhebungen herauszubügeln, ist allerdings nahezu unmöglich. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wurde es dann sehr kalt, am Mittwoch schien die Sonne, weshalb sich der Untergrund zu einem echten Tempobeschleuniger entwickelte: nass, aber hart.
"Wir haben nicht damit gerechnet, dass die Athleten so schnell an den Zielsprung kommen", sagte Renndirektor Atle Skaardal. Sie sprangen dann noch weiter als im Training, "ein kleiner Fehler kann da große Auswirkungen haben", weiß Skaardal. Zumal die durch die verbliebene Hügel ohnehin schon fordernde Abfahrt mit rund 1:45 Minuten eine ungewöhnlich lange Laufzeit hatte, "da hat man beim Zielsprung nicht mehr so viel Kraft", wie die deutsche Gina Stechert sagte.
"Unnötige Entscheidung"
Als Konsequenz wurde nun der Zielsprung für die Super-Kombination an diesem Donnerstag nochmals maschinell abgetragen. Außerdem wird das Rennen verkürzt: Die Abfahrt beginnt nun am Reservestart, also deutlich weiter unten als ursprünglich geplant. Bei der Super-Kombination wird erst die Abfahrt absolviert und danach ein Slalom-Lauf, weshalb also nicht nur Speed-Fahrerinnen, sondern auch Slalomspezialisten starten.
Dass der Sprung nochmals abgetragen wurde, begrüßten die Trainer, der deutsche Frauen-Cheftrainer Mathias Berthold zum Beispiel, der darauf hinwies, "dass ich den Sprung ja auch vorher schon kritisiert habe". Die Verkürzung des Rennens halten sowohl Berthold, als auch Maier allerdings für eine "unnötige Entscheidung". Schließlich werden die Slalomspezialisten dadurch bevorzugt, "es entsteht ein Ungleichgewicht", findet Maier. Weil die Abfahrt dadurch einfacher wird und Speed-Können nicht mehr so ausschlaggebend ist.
Doch die Fis will sichergehen. "So ist es jetzt ein viel einfacheres Rennen", sagt Atle Skaardal. Ein einfacheres Rennen mit einem Ziel: bloß keine Verletzten mehr.
Im Video: Die US-Amerikanerin Lindsey Vonn hat die olympische Abfahrt der Damen gewonnen und will jetzt noch mehr.
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(sueddeutsche.de/jüsc)
Bergkirchweih in Erlangen
auf einer Amateur/Profi Sportveranstaltung auf mehr oder weniger Profistrecken gefahren wird (wobei die Olympiastrrecke als witzlos gelten darf zu einer Streif oder Kandahar) dann bleiben schwere Stürze oder auch Tote nicht aus. Und das hat das IOC vollkommen aus den Augen verloren.
Es sind Länder wie Indien, Senegal usw. vertreten, weil Olympia für alle da sein sollte und dementsprechend sollten eigentlich die Sportstätten gestaltet werden. Es ist klar das die Topfavoriten der Weldcuprennen das nicht gutheissen, weil der Abstand auf einem leichten Pacour wesentlich kleiner ist als auf einem schweren (siehe auch Langlauf) und die Weltcuppros so Angst um Ihre Medalien haben. Denen geht der Olympische Gedanke nähmlich am "popo" vorbei. Hauptsache Gold, weil nur dann klingelt die Kasse.
Olympia tut sich damit aber keinen Gefallen: Sportstätten für Milliarden und eine Präsentation wie ein X-beliebiges Event.
Winterolympia sollte wieder "Amateur" lastiger werden. Für den Rest ist der Weltcup zuständig.
AUch über die Sportarten sollte man mal nachdenken. Alles überladen, überfrachtet. Boardercross,Skicross, Abfahrt, Super G usw. Dann x-mal dasselbe nur über andere Streckenlängen....brrr.
Eigentlich hatte ich erhofft, dass das IOC aus den Fehlern der Bobbahn gelernt hat. Doch offensichtlich scheinen Menschenleben nicht im Interesse des Veranstalters zu sein. Hauptsache "bigger, better, faster, more..."
Es musss immer erst etwas passieren, damit die Leute einsehen, dass die Strecke zu extrem ist. Wenn dann aber was passiert werden die Strecken so sehr entschärft das sie irregulär sind (siehe Rodeln). Während es beim Rodeln der Frauen und Doppelsitzer zum Glücksspiel wurde ob man richtig in die Kurve kommt oder nicht, war bei den Herren der deutsche Doppelsieg schon vor dem ersten Lauf abzusehen und hätte Andi Langenhahn nicht 3 schlechte Läufe gehabt wäre daraus ein Dreifachsieg geworden, denn durch den Damenstart hatte Armin Zöggeler und Albert Demtschenko bereits alle Chancen auf Gold verloren.
Nichts ist langweiliger als eine Skirennen, bei dem die ersten 20 innerhalb von 2/100 im Ziel ankommen. Die Strecken dürfen ruhig so sein, dass sie auch in der Spitze diskriminieren. "Kinder, ihr kriegt alle ne 2." is nich. Schließlich ist die Berufswahl in Deutschland frei.
"Weltcup Abfahrtsläufe mochen erm a bissl müd
weil er is abgebrüht.
Wenn eam dabei irgendwas erregt,
dann nur wenns einen ordentlich zerlegt...."
Und irgendwie erinnert der SZ-Stil an Fendrichs Text...