Zeitplan bei Olympia Das IOC setzt die Gesundheit der Athleten aufs Spiel

Skispringen in der Dunkelheit: So will es das IOC.

(Foto: imago/GEPA pictures)

Priorität des Komitees ist es, die globalen Fernsehquoten zu optimieren. Also müssen die Eiskunstläufer früh morgens, die Skispringer spät abends starten - entgegen ihrem natürlichen Rhythmus.

Kommentar von Johannes Aumüller

Fürs Wetter können die Olympia-Macher ausnahmsweise mal nichts. Wobei, in dieser grundsätzlichen Form stimmt dieser Satz auch nicht, wie sich etwa bei den Sommerspielen 2008 in Peking zeigte, als die Organisatoren mehr als tausend Raketen mit Silberjodid auf die nahenden Regenwolken abfeuerte, um zur Eröffnungsfeier einen herrlich blauen Himmel zu garantieren. Also genauer: Für den strammen Wind und die eisige Kälte von bis zu minus 18 Grad, die gerade die Spiele von Pyeongchang prägen, können die Olympia-Macher nichts. So kann das nun mal bei Wettkämpfen in der winterlichen Natur vorkommen.

Aber dafür, dass es gerade so stark um das Wetter-Thema und seine Folgen geht, kann das Internationale Olympische Komitee schon etwas.

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Das zeigt sich insbesondere bei den Skispringern und Biathleten. Die müssen immer spät am Abend ihre Wettkämpfe bestreiten; dann sitzen die einen bibbernd auf dem Bakken und laufen die anderen dick eingepackt durch den Schnee. In der Athleten- wie Ärzteschaft steigen die Sorgen um die Gesundheit, die Lücken auf den Tribünen werden zu so später Stunde und bei so eisigen Temperaturen eher größer als kleiner. Das alles ließe sich angenehmer gestalten, wenn die Wettbewerbe ein paar Stunden früher und bei Sonnenschein laufen würden. Dann wäre es zwar immer noch kalt, aber immerhin ein paar Grad wärmer.

Doch das IOC setzt andere Prioritäten. Und eine seiner obersten lautet, die Vermarktung und die globalen Fernseh-Quoten zu optimieren - und dementsprechend das zweiwöchige Programm zu strukturieren. Im Biathlon und beim Skispringen zählt vor allem Mitteleuropa, also sind die Wettbewerbe so gelegt worden, dass diese dort morgens im TV zu sehen sind statt mitten in der Nacht. Pech, wenn es in Pyeongchang dann noch ein bisschen kälter ist. Aber auch die Eiskunstläufer spüren die Folgen der olympischen Schwerpunktsetzungen. Gemeinhin treten sie nachmittags oder abends an, in Pyeongchang müssen sie um zehn Uhr morgens ran (und müssen um vier Uhr aufstehen). Der Grund: Primetime-Alarm in Nordamerika.

Im Übrigen ist auch der Terminstress, der den Alpinen nach den bisherigen Absagen droht, nicht nur dem bösen Willen des Windgottes geschuldet, sondern auch Teil eines strukturellen Problems: eines ziemlich gedrängten Terminkalenders. Wenn es bei den Winterspielen, wie etwa vom deutschen Vorzeige-Fahrer Felix Neureuther vorgeschlagen, nur noch Abfahrt, Riesenslalom und Slalom geben würde, ließe sich eine Absage viel einfacher auffangen. So aber sind innerhalb von zwei Wochen allein elf Alpin-Entscheidungen zu disponieren im Wind der Taebaek-Berge.

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