Olympia-Bewerbung von Peking In der Abwärtsspirale

2008 richtete Peking die Olympischen Sommerspiele aus

Gestern Sotschi, morgen Peking, übermorgen Sankt Petersburg: Mit Sorge verfolgt das Internationale Olympische Komitee, dass vor allem Autokratien und Rohstoffländer um die Olympischen Spiele buhlen. Um die demokratischen Bewerber zurückzugewinnen, muss das IOC seine Haltung ändern.

Ein Kommentar von Thomas Kistner

Nun bewerben sich auch die Ukraine und China um die Olympischen Winterspiele 2022. Wobei Lemberg nur Außenseiter ist, und die Chance, dass Peking (mit Zhangjiakou) obsiegt, bei null liegt. Schon die Spiele 2018 gastieren ja im benachbarten Südkorea, und auch die Sommerspiele 2020 finden in Asien statt, in Tokio. Deshalb steckt hinter Chinas Vorstoß wohl Strategie: Es geht um einen Erfolg im zweiten Anlauf - brav Schlange stehen, das hat das Internationale Olympische Komitee ja gerne.

Mit Sorge sieht das IOC aber, dass vor allem Autokratien und Rohstoffländer um die Spiele buhlen; Sankt Petersburg kokettiert schon mit dem Sommer 2024. Dieses Phänomen kennt auch der Fußball-Weltverband, die Probleme mit den WM-Turnieren in Russland 2018 und Katar 2022 sind bereits groß.

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Der Blick auf diese neue Bewerberlandschaft gehört dazu, wenn demnächst in Bayern über Münchens Kandidatur abgestimmt wird. Der Gigantismus der Spiele und der Allmachtanspruch des IOC führen dazu, dass immer mehr demokratische Gesellschaften abwinken. Also zieht die Werbe- und Muskelmesse Olympia in autokratische Länder um - wo sie noch mehr Glaubwürdigkeit einbüßt.

Diese Abwärtsspirale wird das IOC nicht lange aushalten. Vielleicht sollte der Westen erst wieder Bewerbungen einsenden, wenn die Verträge für die Spiele wieder demokratischen Ansprüchen genügen.