Obszöne Geste von Daniel Baier Im Kino lustig, im Fußball unverschämt

Leipzig-Trainer Ralph Hasenhuettl of Leipzig (links) und Daniel Baier (Mitte) geraten aneinander.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Anders als einst der Koeman-Wischer oder der Effe-Finger löst der Baier-Schüttler keine diplomatischen Krisen oder bundesweiten Debatten aus. Warum die Geste dennoch zurecht bestraft wird.

Kommentar von Sebastian Fischer

Es gibt eine Szene in der gemeinhin als sehr gelungen gefeierten Komödie "The Hangover", in der sich die Protagonisten zu einem finalen Showdown in der Wüste treffen: drei Junggesellen auf der Suche nach ihrem entführten Freund, der sich noch am selben Tag zu vermählen plant - und der Entführer, ein Chinese namens Leslie Chow. Die Übergabe der Geisel scheitert, weshalb sich Chow zu einer Geste entschließt, die den Gegenübern seine Geringschätzung verdeutlichen soll: Er schüttelt in unmissverständlicher Bewegung seine Hand und öffnet sie dann mit einem Zischen. Das war im Kino ein großer Lacher.

Koeman löste eine diplomatische Krise aus

Daniel Baier ist nun in der Intention, den Leipziger Trainer Ralph Hasenhüttl zu beleidigen, eine nahezu perfekte Kopie des "Leslie Chow" gelungen, doch es hat ihn natürlich niemand für seine schauspielerischen Fähigkeiten gelobt. Ihm ist zum Verhängnis geworden, dass er Fußballer ist und kein Darsteller einer Komödie. Obwohl das Spiel zwischen seinem FC Augsburg, den er auch noch als Kapitän vertritt, am Dienstagabend erst um 20.30 Uhr angepfiffen wurde, war es nicht wie "The Hangover" mit der Altersbeschränkung FSK 12 versehen. Ein Fußballspiel soll Unterhaltung für die ganze Familie sein, das macht den Sport auch kommerziell so erfolgreich.

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Fußballer sind - ja, tatsächlich - auch Vorbilder; und Kinder imitieren auf dem Sportplatz nicht nur deren Tricks, sondern auch deren Gesten. Das kann lustig sein, wenn sie nach einem Tor mit dem Zeigefinger auf dem Mund auf eine leere Wiese zulaufen, um dort ihre vermeintlichen Kritiker zum Schweigen zu bringen. Nicht so lustig wäre es, wenn sie in Zukunft vor dem gegnerischen Trainer den "Daniel Baier" aufführen.

Der Augsburger ist freilich nicht der erste Fußballer, der die obszöne Gestik ins Stadion trägt. Die entsprechende Geste, das wanker sign, gehört in England zum Standard-Baukasten der Fan-Beleidigungen. Es gilt als Klassiker in der Kreisliga, fürs Mannschaftsfoto den "Thorsten Legat" zu machen, sich also kurz vor dem Auslöser die Hose bis unter die Achseln hochzuziehen. Unvergessen sind der Holländer Ronald Koeman, der sich bei der EM 1988 mit dem Trikot von Olaf Thon den Hintern abwischte, oder Stefan Effenberg, der bei der WM 1994 aus der Nationalelf flog, weil er Zuschauer mit dem Stinkefinger beleidigte. Es ist also durchaus putzig, wenn Baier nun sagt, er wisse gar nicht, wie er zu dieser Geste komme. Solcher Habitus ist leidiger Teil des auch im Jahr 2017 noch gelegentlich ins Prollige driftenden Fußballmilieus.

Baier entschuldigt sich immerhin

Anders als der Koeman-Wischer oder der Effe-Finger wird der Baier-Schüttler jedoch keine diplomatischen Krisen oder bundesweiten Debatten auslösen, und man sollte auch nicht so tun als ob. Baier, der bis Dienstag als unbescholtener Sportsmann galt, hat sich am Mittwoch immerhin entschuldigt: Er habe die eigene Mannschaft um Verzeihung gebeten und dies auch in der Leipziger Kabine getan.

Es ist richtig, dass er nun vom DFB für ein Spiel gesperrt wird. Peinlich wäre es geworden, wäre die Entschuldigung ausgeblieben, wonach es in den Interviews nach dem Spiel noch aussah, als Baier auf die entsprechende Aufforderung erwiderte, er müsse "gar nix". Selbst die Charaktere in "Hangover" wendeten sich ja angewidert von Leslie Chow ab. Und die hatten immerhin vorher keine Skrupel gehabt, den Tiger von Mike Tyson zu klauen.

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