Neues Trikot des DFB Weiße Hose und Flamengo-Plagiat

Weiß, rot und lachsrosa: Thomas Müller und Julian Draxler im neuen DFB-Gewand.

Das WM-Trikot der deutschen Nationalelf lässt Modeinteressierte ratlos zurück - die DFB-Elf kickt künftig ganz in Weiß. Was bewirkt der rötliche Brustring? Und was, wenn sich bewahrheitet, was schon im Netz die Runde macht: Dass die neue Auswärtskluft besonders Brasilianer ansprechen wird?

Von Jonas Beckenkamp

Jetzt haben wir den Salat. Das neue Trikot der deutschen Nationalmannschaft kommt auf den Markt - und es sieht irgendwie seltsam aus. Schon seit vergangener Woche kursieren im Netz schemenhaft animierte Bildchen der Fußballerkluft, die nichts Gutes erahnen ließen. Natürlich war die Empörung in Foren und Fachportalen so groß, dass ein dezentes Shitstörmchen durch den Internet-Orbit gezogen ist. Dessen Tenor lautete: Wie sollen unsere Helden bei der WM 2014 in Brasilien den Pott holen, wenn schon ihre Klamotten nur Unentschlossenheit ausdrücken.

Das Leibchen ziert ein pfeilförmiger Brustring in Farben, die sich nur schwer zuordnen lassen. Ist es Lila, Rot, Lachs, was da auf den Kickerbrüsten prangt - oder Himbeer, Tomate, Terracotta? Was will uns diese Kombination aus Form und Couleur vermitteln? Etwa, dass am Ende doch alles gut wird und wir uns einen Fruchtjogurt aufmachen können? Die Firma adidas erklärt, dass die Töne die deutsche Flagge symbolisieren sollen. So viel ungewohnte Tupfer vernebeln dem Betrachter ein wenig den Blick auf das Wesentliche: Schwarz und Weiß, das sind klassischerweise die Farben des DFB - ein Verband, der sonst selten durch extravagante Wagnisse auffällt.

Diesmal dünkte den Designern aber nach etwas mehr Pepp (nein, nicht Guardiola), wo doch die Mesuts und Marios selbst gerne modisch steil gehen. So erinnert der Fummel ein wenig an die überaus missratenen Versuche aus den Jahren 1990 und 1994. Die damalige Mustergebung gilt bis heute als zeitloser Griff ins Stilklo: Unsere Fußballer sahen weiland aus wie psychedelische Clowns nach zu viel Loveparade.

Jetzt wirkt das Outfit aufgeräumter, aber man darf sich schon wundern, warum ein blasser Rotton-Malkasten unter dem Bundesadler plötzlich der dernier cri sein soll. Überhaupt: Der Adler! Vielleicht, da lässt sich nur spekulieren, ist der Farbbalken auch schlicht ein förmlich nachempfundenes Wappentier im Sturzflug - inszeniert in Variationen avantgardistischer Lachsrosa-Pracht.

Der kapitale Makeover macht vor der Hose nicht halt: Anstelle der gewohnten dunklen Shorts rücken weiße. "Die weiße Hose symbolisiert die Leichtigkeit des deutschen Spiels", sagt Jürgen Rank, Chef-Designer für Fußballbekleidung bei adidas. "Sie ist ein Statement von Klasse, Eleganz und Spielfreude."

Neue Gewänder für Löws Männer

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Deutsche Elite-Fußballer kleideten ihr Gebein bisher so zuverlässig in schwarz, dass bis auf wenige Ausnahmen stets klar war: Die mit den dicken Waden und den bedrohlichen Buxen, das sind unsere Jungs.

Die geben nicht auf wie die kanarienvögeligen Brasilianer oder die flippigen Holländer. Nein, die können rackern und grätschen bis sich das grüne Geläuf in ihre Oberschenkel fräst, aber der Fetzen synthetischen Stoffs um ihren Rumpf bleibt immer schön nachtfarben. Schwarz war der Ton, der die Seele des deutschen Fußballspiels erst so richtig akzentuierte: Hier wird malocht, gebissen und geschwitzt. Fetzig aussehen können die anderen.

Richtig interessant wird es beim neuen Auswärtsdress, welches die Geheimniskrämer aus Herzogenaurach erst im Frühjahr 2014 offiziell enthüllen wollen. Hier haben die Schneider des fränkischen Austatters angeblich noch drastischere Veränderungen herbeikredenzt. Schwarz-rote Querstreifen und ebenso gestaltete Strümpfe sollen laut dem Webportal www.footyheadlines.com Joachim Löws Männern etwas teuflisch Furchteinflößendes einimpfen.

Adidas will zu dieser Innovation noch nichts sagen, aber wenn nicht der Himmel über Deutschland hereinkracht, dürfte die Rotschwarz-Kombination tatsächlich bald das bisher gängige Auswärtsgrün ersetzen. Dabei galt doch einst sattes Maigrün als der Deutschen liebstes Ausweichgewand. Grün wie das Gras. Wie die bayerischen Auen und die norddeutsche Heide - in diesem naturalistischen Kostüm spiegelte sich unsere Sehnsucht nach Bolzplatz-Romantik wider.

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Und jetzt? Schmücken die DFB-Brust bald zirkushafte Querstreifen (2006 gab es sie bereits in Längsform), die beim Aficionado Erinnerungen wecken. Die Arbeitskleidung ähnelt auf frappierende Weise jener des berühmtesten aller Klubs aus Rio de Janeiro, Flamengo. In den Farben, die große Brasilianerhelden wie Zico oder Romario berühmt werden ließen, soll künftig die deutsche Nationalmannschaft antreten, wenn der Gegner auch nur fades Weiß zu bieten hat. Dieser Kniff kann eigentlich nur eine List sein: Man stelle sich vor, Deutschland trifft im WM-Finale auf Argentinien. Und das in perfekt kopierter Flamengo-Montur. Der Samba würde im Maracanã-Stadion keine Grenzen kennen.

Freuen wir uns also trotzdem auf die WM, auch wenn die Italiener wieder viel mehr bella figura machen werden als unsere rot-rosanen Streifenhörnchen. Auch wenn Holländer, Franzosen und Spanier klassisch schick aussehen werden und die Engländer ihr Aus im Elfmeterschießen in Cool-Britannia-Klamotte beweinen. Denn am Ende, wenn das Spiel gewonnen ist, werden eh Trikots getauscht.