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Vor Länderspielen gegen Italien und England:Löw plagen Personalsorgen

Joachim Löw

Muss gegen Italien und England auf einige Spieler verzichten: Bundestrainer Joachim Löw.

(Foto: dpa)

Vor den anstehenden Testpartien muss Bundestrainer Joachim Löw sich Gedanken um seinen Kader machen. Nach der Absage von Schweinsteiger sind nun auch die Einsätze von Klose, Mertesacker und Özil fraglich. Aus München kommen deutliche Worte wegen Schweinsteigers Verletzung.

Die Planungen von Joachim Löw für die beiden Länderspiel-Klassiker gegen Italien und England werden womöglich von Spieler-Ausfällen durchkreuzt. Torjäger Miroslav Klose droht mit einer Schulterverletzung auszufallen, die erkrankten Arsenal-Profis Per Mertesacker und Mesut Özil reisten am Montag zunächst nicht zum Treffpunkt der insgesamt 24 eingeladenen Akteure nach München an. Hinter den Einsätzen aller drei Spieler steht ein Fragezeichen.

Klose war am Sonntag in Italien beim 1:1 mit Lazio Rom gegen den FC Parma auf die Schulter gefallen. Der 35-Jährige flog am Montag aus Rom nach München, um sich von den DFB-Ärzten eingehend untersuchen zu lassen. "Man kann nicht sagen, ob er ausfällt", berichtete Löw nach seiner Ankunft im Teamhotel: "Er hat Schulterprobleme." Klose selbst sagte, ob er zurückfliege oder bei der Mannschaft bleibe, kläre sich am Abend. In Italien wurde bereits über einen Ausfallzeitraum von bis zu drei Wochen berichtet. Löw hofft dagegen noch auf ein Mitwirken des Angreifers in den Partien am Freitag in Mailand und vier Tage später in London.

Gleich zu Hause blieben hingegen die Arsenal-Spieler Mertesacker und Özil, die beide über "Grippesymptome" klagten, wie Löw mitteilte. "Von Arztseite hieß es, es wäre schlecht, wenn sie fliegen müssen", sagte der Bundestrainer. Ob und wann sie nachkommen, wird nach weiterer Rücksprache mit den erkrankten Profis entschieden. Mertesacker hatte Arsenal bereits am Sonntag bei der 0:1-Niederlage in der Premier League bei Manchester United gefehlt, Özil hatte da noch 90 Minuten durchgespielt, konnte aber kaum Akzente setzen.

Daher und wegen eines ungeschickten Interviews vor dem Spiel musste sich der Spielmacher der deutschen Nationalmannschaft erstmals kritische Stimmen der englischen Presse gefallen lassen: "Özil sagte, er komme nach Old Trafford, um Spaß zu haben. Den hatte er nicht. Er war wie ein Taschendieb, der nur im Sprint lebendig wurde. Wayne Rooney dagegen war gnadenlos", schrieb der Guardian und kommentierte bissig: "Willkommen in Waynes Welt!" Özil sei Arsenals "enttäuschendster Spieler" an einem körperlich brutalen Nachmittag mit echtem britischen Fußball gewesen. Im Mirror stand: "Er war unsichtbar." Özils Grippeerkrankung war den britischen Journalisten allerdings vermutlich nicht bekannt.

Während die Einsätze von Mertesacker, Özil und Klose fraglich sind, muss Bundestrainer Löw in den letzten Länderspielen des Jahres definitiv ohne Vize-Kapitän Bastian Schweinsteiger auskommen. Der Bayern-Spieler wird erneut am rechten Fuß operiert. Entgegen einiger Medienberichte, wonach Schweinsteigers Verletzung sogar karrieregefährdend sein könnte, äußerte jetzt Bayern-Arzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt seine Sicht der Dinge.

Viele Spekulationen über des Gesundheitszustand des Münchner Co-Kapitäns seien "völlig unhaltbar, unsachgemäß und nicht korrekt", so der Doktor auf der Bayern-Homepage. "Es melden sich Kollegen zu Wort, die über keinerlei Sachkenntnisse, wie zum Beispiel Untersuchungsbefund oder Bilddokumente verfügen." Aus diesem Grund veröffentlichte der FC Bayern mit Einverständnis von Schweinsteiger sogar eine ausführlichere Erklärung von Müller-Wohlfahrt: "Bei der Verletzung handelt es sich um einen extraartikulären (außerhalb des Gelenkes gelegenen, d.Red.) Befund. Das Sprunggelenk selbst ist nicht betroffen. Die postoperative Prognose ist als sehr günstig anzusehen. Die Leistungsfähigkeit von Bastian Schweinsteiger für das Jahr 2014 ist in keinster Weise gefährdet."

Für Löw bedeutet Schweinsteigers Fehlen aber aktuell einen Engpass. Nach wie vor gehen ihm außerdem die verletzten Mario Gomez, Lukas Podolski und Ilkay Gündogan ab - vor allem Letzterer könnte den Münchner Mittelfeldmann gut ersetzen. Aktuell sei die Ausfallliste von WM-Kandidaten "nicht so bedenklich", sagte Teammanager Oliver Bierhoff am Montag am Rande eines Termins in Sinsheim: "Wichtig ist, dass die Spieler Richtung WM im Spielrhythmus anreisen", betonte er.

Kapitän Philipp Lahm, der am Montag seinen 30. Geburtstag feierte, sieht den letzten Doppelspieltag vor der Nominierung des WM-Kaders im kommenden Mai als sehr wertvoll an. "Das sind Toptestspiele in Italien und in England, das sind zwei klasse Gegner, das sind gute Tests für uns", erklärte der Münchner. Sein Länderspieldebüt feiern könnte in Italien oder England im reifen Alter von 33 Jahren der Dortmunder Torwart Roman Weidenfeller.

© SZ.de/dpa/sid/fued

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