Studie zu CTE Football ist gefährlich!

Ein Spieler erlebt beim American Football pro Partie bis zu 60 Kollisionen.

(Foto: dpa)

Eine Studie weist auf den Zusammenhang zwischen der Sportart und Hirnverletzungen hin - auf schockierende Weise. Die NFL-Verantwortlichen sollten sich dem Problem endlich konsequent stellen.

Kommentar von Jürgen Schmieder

Man muss sich Roger Goodell vorstellen wie den deutschen Fernseh-Bürohengst Bernd Stromberg aus der preisgekrönten Serie "Stromberg". Der behauptete: "Chef sein, heißt Wiesel sein." Der Commissioner der US-Footballliga NFL ist ein flinker Geselle, er wuselt um Skandale herum und findet stets ein frisches Schlupfloch für sich und sein Produkt, das in der kommenden Saison insgesamt 14 Milliarden Dollar erwirtschaften dürfte. Betrügereien beim Bälle-Aufpumpen; Doping; Trainer, die andere Mannschaften ausspionieren oder Prämien für Verletzungen von Gegenspielern ausloben; Drogen; Waffen; Akteure, die ihre Frauen schlagen, Leute umbringen oder Selbstmord begehen - all das konnte die NFL dauerhaft nicht in ihrem Selbstverständnis erschüttern.

Nur die Frage nach den Kopfverletzungen, die wird die NFL einfach nicht los. Betrifft sie doch den Kern dieses Sports: Gibt es einen Zusammenhang zwischen American Football und degenerativen Gehirnkrankheiten wie CTE?

Die Amerikaner lieben diesen Sport nicht nur wegen all seiner taktischen Finessen und der erstaunlichen Athletik der Protagonisten, sondern auch wegen der spektakulären Zusammenstöße. Es ist sportlicher Darwinismus, weil am Ende einer Saison nicht die talentierteste Mannschaft übrig bleibt, sondern jene im Finale, dem Super Bowl, triumphiert, die die wenigsten prägenden Ausfälle zu beklagen hat. Der Fitteste überlebt.

Bei 110 von 111 verstorbenen NFL-Profis wurde CTE entdeckt

Eine soeben veröffentlichte Studie der Neuropathologin Ann McKee aus Boston ist nicht nur schockierend, sie ist vor allem eindeutig: Sie hat die Gehirne von 111 verstorbenen NFL-Profis untersucht und in 110 davon Symptome von CTE (Chronisch Traumatische Enzephalopathie) entdeckt. Die auf den Kopf einwirkende Kraft bei einer Football-Kollision ist vergleichbar mit der, wenn ein Auto mit Tempo 50 gegen die Wand fährt. Ein Akteur erlebt pro Partie bis zu 60 Kollisionen. Was vermutet wurde, ist durch die Studie nun wissenschaftlich belegt.

2013 hatte sich die NFL mit einer Zahlung von nahezu einer Milliarde Dollar an ehemalige Profis vom Vorwurf freigekauft, von den Gefahren heftiger Zusammenstöße gewusst, sie in Kauf genommen und die Spieler nicht informiert zu haben. Die Liga investiert mittlerweile in verbesserte Ausrüstung und medizinische Ausbildung von Nachwuchstrainern, sie hat durch rund 50 Regeländerungen die Sicherheit erhöht. Goodell jedoch weicht einer klaren Aussage über die Football-Risiken weiterhin aus, er will sein Kernpublikum nicht verärgern.

Gibt es doch viele Fans, die sich über eine vermeintliche Verweichlichung beim Football beschweren und ihren Protest bislang damit begründeten, dass es kaum Studien gebe. Und auch, dass sie selbst früher ordentlich eingesteckt hätten, habe ihnen nicht geschadet - was jedoch angesichts dieser Kombination aus Ignoranz und Sturheit bezweifelt werden muss. Es ist also an der Zeit, die Heuchelei zu beenden, wie auch das Wuseln des Wiesels: Football ist gefährlich! Diese Feststellung kann nicht mehr als Jammerei interpretiert werden, sondern ist eine nicht zu leugnende Tatsache.

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