Der mögliche Investor Hasan Ismaik reagiert irritiert auf das Zögern von 1860 München. Im Interview spricht er über die kniffligen Verhandlungen mit den Löwen.
Nachdem Hasan Ismaik, 34, vor zwei Wochen beim Heimspiel gegen Cottbus (4:0) seinen Willen bekräftigte, als Investor bei 1860 München einzusteigen, herrschte enorme Aufbruchsstimmung beim finanziell angeschlagenen Fußball-Zweitligisten. Doch nach seinem schriftlich vorgelegten Kaufangebot stocken die Verhandlungen; die Löwen und speziell ihr Aufsichtsrat befürchten offenbar eine zu große Machtfülle des jordanischen Geschäftsmannes.
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Löwen-Fan im Stadion: Hasan Abdullah Ismaik beim Spiel von 1860 München gegen Energie Cottbus. (© dpa)
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"Wir müssen als Vereinsführung dahinterstehen können", sagte Präsident Dieter Schneider am Montag der SZ, betonte aber, er habe trotz der aktuellen Meinungsverschiedenheiten "weiterhin ein gutes Gefühl, dass uns mit dem Investor eine Einigung gelingt. In dieser Woche werden wir auch sicher das, was wir jetzt aushandeln, zur Prüfung bei der DFL vorlegen". Ismaik dagegen klingt zurückhaltender im SZ-Gespräch über den Verhandlungsstand - er sei "irritiert" über das Zögern von 1860.
SZ: Herr Ismaik, wo haben Sie diesmal das 3:0 von 1860 über Fürth verfolgt?
Hasan Ismaik: Ich habe das Spiel zu Hause in Abu Dhabi über das Fernsehen verfolgt. Es war für mich wieder ein Paradebeispiel dafür, was in die Mannschaft für ein Potential steckt, auch die Fans waren ganz offenbar wieder erstklassig.
SZ: Sie hatten vorige Woche die Vertragsverlängerung mit Trainer Maurer begrüßt, über die Sie informiert waren.
Ismaik: Ja, man muss Herrn Maurer gratulieren, der es in Krisensituationen geschafft hat, seine Mannschaft zu motivieren und dass sich die Spieler auf das Wesentliche konzentrieren, nämlich auf den Fußball. Wir freuen uns, dass die Vertragsverlängerung mit ihm zustande gekommen ist.
SZ: Am Samstag hat 1860 nun Verhandlungen mit Florian Hinterberger über eine Sportchef-Position bekanntgemacht. Wussten Sie auch davon?
Ismaik: Nein. Grundsätzlich sollten personelle Änderungen immer dem Wohle des Vereins dienen. Unser Interesse ist es, in erfahrene Macher zu investieren, denn der Verein sollte wieder da stehen, wo er hingehört. Wir haben bezüglich des Sportdirektors keine konkrete Person im Kopf, werden uns allerdings zur gegebenen Zeit - falls unser Einstieg glückt - mehrere Personen und Varianten anschauen. Bis dahin hat nur der Klub das Sagen. Allerdings: Da wir die Zukunft eigentlich gemeinsam gestalten möchten, fänden wir es angemessen, Personalentscheidungen zunächst zu verschieben und sie gemeinsam im Interesse des Vereins zu treffen.
SZ: Wie steht es denn nun um Ihren geplanten Einstieg?
Ismaik: Zurzeit sind wir uns noch nicht einig, die Verhandlungen kommen teilweise ins Stocken. Der Klub sollte eigentlich schnellstens aus der finanziellen Schieflage rauskommen. Wir haben unseren Beitrag geleistet. An unseren Positionen, die wir von Anfang an vertreten haben - zum Beispiel Investitionshöhe, Rahmenbedingungen, Kompetenzregelung - hat sich bis heute nichts geändert.
SZ: Wieso stocken die Gespräche?
Ismaik: Wir sind von der jetzigen Zurückhaltung des Vereins irritiert und können nur hoffen, dass die Führung entweder eine andere Lösung oder eine bessere Alternative hat. Ansonsten kann man es ja gar nicht verstehen, warum die Vereinsführung einen Lizenzentzug oder die Insolvenz riskiert. Eins steht aber fest: Der Verein kann, bei allem Respekt, nicht von uns erwarten, liquide Mittel zur freien Verfügung bereitzustellen - und zugleich meinen, wir sollten darauf vertrauen, dass der Verein im Alleingang und ohne Kontrolle oder ein starkes Mitspracherecht das Beste daraus macht. So einen Einstieg wird es nie geben. Im Moment können wir es nicht absehen, ob uns der Einstieg gelingt, wir sind auch nicht unter Zeitdruck. Der Verein dagegen müsste eigentlich nun rasch seine sportliche Zukunft ambitioniert angehen und planen.
SZ: 1860 fürchtet offenbar um sein Mitspracherecht und diesbezügliche Verstöße Ihres vorliegenden Kooperations-Vertrages gegen die Statuten des Vereins und auch der Deutschen Fußball-Liga.
Ismaik: Auch das wundert und irritiert mich. Die Vereinsführung kannte doch unsere Forderungen bereits, als die Verhandlungen vor vier Wochen anfingen. Herr Iraki, unser Münchner Vermittler, hat schon beim ersten Treffen klargestellt, was unsere Forderungen und Erwartungen sind. Damals hat niemand Bedenken geäußert. Wir haben auch zu keinem Zeitpunkt unsere Forderungen geändert. Und: Wir würden niemals Vereinbarungen treffen, die gegen DFL-Vorschriften verstoßen. Allerdings müssen beide Parteien wohlwollend daran arbeiten, dass die DFL die Vereinbarung gutheißt.
Sollte unsere Vereinbarung gegen die Statuten des Klubs sein, müssen diese Statuten eventuell geändert werden. Mir kommt es so vor, als ob man noch nicht erkannt hat, dass der Verein kurz vor der Insolvenz steht.
SZ: Das weiß er wohl. Vielleicht hat er nur Probleme, seine Seele zu verkaufen.
Ismaik: Der Verein verkauft seine Seele nicht! Sondern er bekommt eine gesunde und starke Seele. Man darf dieses Argument auch nicht in den Raum stellen. Die Fakten haben uns leider gezeigt, dass der Verein seine sogenannte Seele bereits über Jahre stückweise "verkauft" hat. Wir möchten doch jetzt vor allem, dass die Fans wieder ins Stadion kommen und selbstbewusster und mit Stolz auftreten können. Sie sind die Seele von 1860.
SZ: Wie geht es nun weiter?
Ismaik: Unsere Position ist klar und eindeutig. Viele Forderungen seitens des Vereins möchten wir gerne erfüllen - andere sind nicht verhandelbar. Der Verein muss sich jetzt entscheiden. Unabhängig davon, ob mein Investment klappt oder nicht: Ich bin und bleibe jetzt Löwen-Fan und bedanke mich bei den tollen Fans und der Mannschaft für den warmen Empfang. Für mich persönlich ist diese Erfahrung eine Bereicherung. Ich würde mich weiter nach Optionen umschauen, in Deutschland oder im europäischen Ausland. Zuletzt sind sogar schon deutsche Klubs auf mich zugekommen. Aber ich hoffe, dass mein Einstieg bei 1860 doch noch gelingt und wir gemeinsam die Zukunft erfolgreich gestalten.
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(SZ vom 26.04.2011)
Danke für das Interesse.
Das Konzept zur Konsilidierung baut unter anderem darauf auf, dass nicht alles zu Schleuderpreisen zum Erhalt der Liquidität verhökert werden muss.
Der Nachwuchsbetrieb funktioniert meiner Meinung nach bei den Löwen auch so gut, weil ein Vater mit seinem Sprößling das Ziel Profifussball hat und nur schauen muss, wer von den Löwen ruckzuck in den Nationalmannschaftskadern und in der Zweitligamannschaft dran kommt.
Das ist Eigenwerbung und der Sprungbretteffekt lässt die Vielzahl von Talenten zu den Löwen kommen, um dann weiter zu wandern zu den großen aber zumindest Erstligaclubs.
Ein Diamantschliff, der den Löwen zugute kommt, um seinerseits wieder Talente zu behalten und einzubauen und so auf Dauer sportlich voran zu kommen.
Geduld braucht man halt und der "Scheich" könnte diese Phase abkürzen, aber nicht zu allen Bedingungen.
Und wie der weise Tomandcherry schreibt, läuft die Insolvenz nicht weg, wenn der gewählte Weg zu nichts führt.
Und Carl, in den Löwenforen wird das ganze heiss gekocht, der Verein ist daher gut beraten, in dieser Phase wenig Anlass für weitere Fantastereien oder Querelen zu liefern.
ja, ein Riesenproblem sind die Spielerverkäufe. Wie soll der Verein den Sprung in die 1. Liga schaffen, wenn er die Talentiertesten immer wieder verkaufen muss?
Aber, was kann der Verein guten Spielern bieten? Gute Spieler kosten Geld. Wie soll der Verein dieses Geld erwirtschaften? Werden die Gehälter gekürzt, wandern die Spieler ab. 1860 entwickelt sich zu einem Verein, ähnlich der Spielvereinigung Unterhaching, den man als Sprungbrett in die 1. Liga nutzt.
Ich denke, ein Investor, egal, wo er nun herkommt, könnte hier helfen. Ich glaube nicht, dass Ismaik Interesse daran hat, 1860 nur in der 2. Liga spielen zu sehen.
Servus C.I.F.,
na, alles senkrecht? ;-)
Was ich zu dem "Jordanischer Investor kauft sich bei 60 München ein"-Thema beisteuern kann? Eigentlich auch nicht viel.
Welche Optionen hat 60 momentan?
Entweder man einigt sich mit den bisherigen Gläubigern (mit/ohne Hilfe des Investors) oder man geht über die Wupper, pardon: Isar, und fängt irgendwo in einer Amateurliga neu an.
Was ich besser finden würde?
Nun, ursprünglich war ich einer Insolvenz nicht abgeneigt, da ich dieses erbärmliche Herumgeeiere und das Dahinvegetieren des Vereins nicht mehr mitansehen wollte. Wenn sich jetzt jedoch die Möglichkeit bieten sollte mit Hilfe eines - hoffentlich! - seriösen Geschäftsmannes das Schlimmste gerade noch einmal abzuwenden... Warum nicht versuchen? Schlimmer als die letzten Jahre kann's doch eigentlich nicht mehr werden.
Und in die Insolvenz kann man auch in ein paar Jahren gehen, sollte das Geschäft mit dem Herrn Ismaik nicht funktionieren.
nun, die letzten Tage (2 Wochen?) hoerte man nicht mehr viel in dieser Angelegenheit. Dieses Investor-Interview weckte mal wieder auf.... wahrscheinlich wird im Hintergrund fleissig am Plan B gearbeitet, evtl. kommt da ja eine andere Loesung zum Tragen... man hoert halt recht wenig (genauer: gar nichts), was jedoch nicht heissen soll, die Raeder drehen sich nicht....
Bin da schon gespannt, mit welchen Konzept man in die Zukunft gehen moechte/wird... Im Grunde muesste die Vereinsfuehrung schon sehr weit mit einer anderen Loesung sein, wenn man den Investor hinhaelt...... Oder hat man sich bis Ende April Zeit ausbedingt, alle Moeglichkeiten vernuenftig durchzuarbeiten?? wer weiss das schon... Schaun mer halt mal....
Das fordert sogar die DFL mit der 50+1-Regelung für Anteile, dass diese nicht anders ausgehebelt wird.
Versteh doch bitte, dass die Bankenlösung zusammen mit den anderen Massnahmen zur Kostenkürzung das strukturelle Defizit so weit mindern, dass mit akzeptablen Zuschauerzahlen keine Notverkäufe von Spielern mehr nötig werden sollen. Eine Vielzahl der Profivereine wirtschaftet mit der Wertsteigerung ihrer Spieler und Talente. Das wäre für Sechzig auch wieder drin.
Also muss man nicht einen Trojaner/"Scheich" zu Besitz lassen, wenn irgendwelche Bedenken bestehen.
Paging