Moyes-Aus bei Manchester United Der große Irrtum von Sir Alex

Wayne Rooney hilft auch nicht: Manchester United beim Viertelfinal-Aus in der Champions League gegen Bayern München.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Alex Ferguson bestimmte David Moyes einst zu seinem Nachfolger. Nun hat Manchester United das zehnmonatige Missverständnis beendet. Der Rauswurf wirft kein gutes Licht auf den Verein - Favorit auf die Nachfolge ist ein alter Bekannter vom FC Bayern.

Von Raphael Honigstein, London

Das zehnmonatige Missverständnis endete am Dienstagmorgen mit 33 dürren Worten. "David Moyes hat Manchester United verlassen", verkündete der Verein um 8.30 Uhr im Internet und sprach dem Schotten gleichzeitig "Dank für harte Arbeit, Ehrlichkeit und Integrität" aus. Eine halbe Stunde vorher war dem 50-Jährigen am Trainingsgelände von United-Geschäftsführer Ed Woodward offiziell mitgeteilt worden, was sämtliche englischen Gazetten schon am Vortag in Erfahrung gebracht hatten: Der Klub wollte die Zusammenarbeit nicht mehr fortsetzen.

Moyes' erst im vergangenen Sommer unterschriebener Vertrag war bis 2019 datiert, aber die vorzeitige Trennung kostet die Red Devils nur ein Jahressalär von knapp fünfeinhalb Millionen Euro. Da der von Sir Alex Ferguson persönlich ausgewählte Nachfolger mit dem 0:2 in Everton am Ostersonntag die Qualifikation zur Champions League verpasste, wird eine Klausel wirksam, die die relativ geringe Abfindung fixiert. Zuletzt hatte United 1995/96 auf die Champions League verzichten müssen. Drei Spieltage vor Saisonende sieht es so aus, als ob der Tabellensiebte es nicht einmal in die Europa League schafft.

Das prinzipielle Okay für Moyes' Ablösung soll dem Vorstand von den amerikanischen Klubbesitzern, der Glazer-Familie, schon nach dem peinlichen 0:2 gegen Olympiakos Piräus im Februar erteilt worden sein. Die beschämend schlechte Vorstellung bei der elften Saisonniederlage in der Premier League gegen Moyes' Ex-Klub Everton war dann der Auslöser.

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Der Rauswurf auf Raten wirft allerdings kein gutes Licht auf den Klub. "Mir gefällt nicht, wie die letzten 15, 16 Stunden abgelaufen sind, das gibt kein gutes Bild ab", sagte der ehemalige United-Kapitän Gary Neville im britischen Fernsehen. Vielleicht fehlte United schlichtweg die Erfahrung für solche Situationen. Letztmals war bei ManUnited 1986 ein Trainer (Ron Atkinson) gefeuert worden, vor der Amtsübernahme von Sir Alex.

Bei seinem Rückzug im Mai 2013 hatte Ferguson das Stadion-Publikum darauf eingeschworen, seinen Nachfolger zu unterstützen. Das gescheiterte Experiment mit dem grundsoliden Coach, der in elf Jahren in Everton aber weder mit dem Gewinn von Trophäen noch einer spektakulären Spielweise aufgefallen war, ist auch eine persönliche Niederlage für Sir Alex, der inzwischen im Vorstand sitzt. Grundsätzlich war man bei United bereit, Moyes ein Übergangsjahr zuzugestehen, aber bei Spielern und Vorgesetzten war zuletzt der Glaube an seine Fähigkeiten rapide geschwunden.