Maßnahme gegen Gewalt im Fußball FC Bayern verteidigt Sonderkontrollen vor Frankfurt-Spiel

Von knapp 7000 Frankfurter Fans seien "nur 30 bis 40 gründlicher untersucht worden": Der FC Bayern hat die verschärften Kontrollen vor dem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt am vergangenen Samstag gegen Proteste von Fanverbänden verteidigt.

Der FC Bayern verteidigt die stichprobenartigen Kontrollen bei einigen Gästefans beim Spiel gegen EIntracht Frankfurt am vergangenen Samstag. dadurch habe man "Gewalt im Stadion" verhindern können.

(Foto: dpa)

Vor dem Stadion im Münchner Stadtteil Fröttmaning waren extra zwei Zelte aufgebaut. Am vergangenen Samstag, beim Spiel des FC Bayern gegen Eintracht Frankfurt, von DFB vorab als "Spiel mit erhöhtem Sicherheitsrisiko eingestuft, wurden darin stichprobenartig Frankfurter Fans kontrolliert.

Einige von ihnen weigerten sich, die Zelte zu passieren und blieben während des Spiels vor dem Stadion. Fanverbände protestierten nach dem Spiel gegen die Sonderkontrollen. "So etwas geht gar nicht. Das war völlig unverhältnismäßig und meiner Meinung nach auch rechtswidrig", sagte etwa Wilko Zicht, Sprecher des Bündnisses Aktiver Fußball-Fans (BAFF).

Der FC Bayern verbucht die verschärften Einlasskontrollen vor der Partie dagegen als Erfolg. In einer Presseerklärung rechtfertigte der Verein die Durchsuchungszelte. Damit sei es gelungen, "verbotene Pyrotechnik und Gewalt im Stadion" zu verhindern und "die Sicherheit von rund 71.000 Zuschauern in der Allianz Arena zu gewährleisten".

Insgesamt seien von 6655 Frankfurter Fans lediglich 30 bis 40 Anhänger "gründlicher durchsucht worden", erklärte Bayern-Medienchef Markus Hörwick. Die Kontrollierten hätten dabei lediglich ihre Jacken ausziehen müssen. Außerdem seien deren Taschen nach Pyrotechnik durchsucht worden.

Der Münchner Polizeivizepräsident Robert Kopp bedankte sich laut Verein in einem Brief an den FCB für die Maßnahmen. Diese seien notwendig gewesen "und, wie der Verlauf zeigt, geeignet, Frankfurter Problemfans von der Verwendung pyrotechnischer Gegenstände abzuhalten".

Auch außerhalb der Zelte hat die Polizei kontrolliert und dabei im Umfeld des Stadions mehrere Gegenstände beschlagnahmt: So seien laut Polizeibericht bei "vier Frankfurter Fußballfans vor dem Spiel auf einem nahe gelegenen Parkplatz" zwei Schlagstöcke, ein Schlagring, eine Sturmhaube und mehrere Spraydosen" konfisziert worden. ei einem Fan hätten die Beamten "eine Ampulle Kokain" gefunden. 13 Personen seien festgenommen, zehn weitere in Gewahrsam genommen worden. Nach Angaben des FC Bayern sind rund um das Spiel außerdem insgesamt 20 Messer eingezogen worden.

Kurt Benisch von der "neutralen Sicherheitsbeaufsichtigung" des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), die Aktion in den Zelten überwacht hatte, betonte, man habe die Kontrollen "für gut befunden". Es seien keine sogenannten "Nackt-Scanner" zum Einsatz gekommen, auch habe es sich nicht um Untersuchungen gehandelt, bei denen Personen sich ausziehen mussten.

Ob demnächst auch vor anderen Stadien ähnliche Kontrollen stattfinden, ist ungewiss. Laut einem Bericht der Bild-Zeitung lehnen viele Klubs, darunter Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach, solche Maßnahmen ab. "Wenn es so weit kommt wie am Flughafen, dass wir durch Schleusen laufen müssen, dann hat der Fußball verloren", sagte zum Beispiel Manager Fredi Bobic vom VfB Stuttgart. Auch Holger Ballwanz, der Fanbeauftragte des VfL Wolfsburg, sieht "keine Notwendigkeit" für verschärfte Kontrollen.

(*Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es irrtümlich, dass "20 Messer, zwei Schlagstöcke, ein Schlagring, eine Sturmhaube und Pfefferspray, außerdem Kokain" bei den Sonderkontrollen in den Zelten sichergestellt worden seien. Das ist jedoch nicht zutreffend. Vielmehr sind diese Gegenstände laut Polizeibericht bei Fahrzeug- und Personenkontrollen im Umfeld des Stadions konfisziert worden. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.)