Lautstärke-Rekord in der NFL Die lautesten Fans der Welt

Hat lautstarke Fans im Rücken: Ricardo Lockette von den Seattle Seahawks.

So werden Gegner eingeschüchtert: Beim Football-Spiel der Seattle Seahawks gegen die New Orleans Saints in der NFL stellen die einheimischen Fans mit ihrem Geschrei einen Weltrekord auf - und sorgen sogar für ein kleines Erdbeben.

Der Montagabend in Seattle lässt sich gut in Zahlen zusammenfassen. 68.387 Zuschauer drängten sich im CenturyLink Field, so viele wie noch nie. Ihr Geschrei zur Beeinflussung der gegnerischen Mannschaft erreichte 137,8 Dezibel, das wird als Weltrekord gewertet und ist so laut, als stünde man ohne Ohrstöpsel neben einem Düsenjäger.

34:7 endete das Spiel, die einheimischen Seahawks demontierten im "Monday Night Game" der National Football League (NFL) die New Orleans Saints. "Laut und deutlich" - so lautete am Morgen danach die treffende Überschrift der Tageszeitung USA Today. Die Saints, bislang selbst als recht seriöser Anwärter für die Teilnahme am Super Bowl am 2. Februar in New York gehandelt, blieben gegen Seattles Offensive chancenlos.

Mit 11:1 Siegen sind die Seahawks nun als erste Mannschaft der NFL bereits für die Playoffs qualifiziert. In Seattle können sie kaum glauben, was da passiert. Die Stadt im nordwestlich gelegenen Bundesstaat Washington, sportverrückt wie so viele in den USA, hat seit 1979 keinen Titel einer seiner Profimannschaften mehr feiern können.

Der Lärm-Weltrekord war allerdings nicht die einzige Glanzleistung, die die Fans aus Seattle am Montagabend zustande brachten. Seismologen des Pacific Northwest Seismic Networks haben während des Spiels fünf schwache Erdbeben in der Nähe des Stadions gemessen, wie der Nachrichtensender CNN berichtete. Die Beben hatten demnach eine Stärke von 1 bis 2, sagte Chef-Seismologe John Vidale.

Der stärkste Erdstoß wurde während eines Touchdowns der Heimmannschaft Seattle Seahawks im ersten Viertel des Spiels gemessen. Allem Anschein nach haben die Fans mit ihrem Jubel die Erde zittern lassen.

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Die derzeit so bemerkenswerte Bilanz unter dem seit Januar 2010 wirkenden Coach Pete Carroll hängt indes nicht nur mit Seattles euphorischen Anhängern zusammen - hinzu kommen architektonische Finessen, die Seahawks-Eigentümer und Microsoft-Mitbegründer Paul Allen beim Stadionbau veranlasst hat.

Die Arena wurde so errichtet, dass das einheimische Team bei Regen und Wind aus der Hauptwindrichtung geschützt ist, die auf der anderen Seite des Spielfeldes stehenden Gegner das Wetter aber voll abbekommen. Die Achitektur der Tribünendächer sorgt zudem dafür, dass der Lärm der Zuschauer verstärkt und damit die Verständigung der Gastmannschaft vor Spielzügen behindert wird.

Im Moment scheint alles zusammenzupassen für die Seahawks. Sie haben mit Russell Wilson einen der besten jungen Quarterbacks der Liga, zudem eine schlagkräftige und hungrige Verteidigung. Wegen ihrer sehr guten Ausgangsposition haben sie das Heimrecht für alle möglichen Playoff-Spiele bis zum Super Bowl so gut wie sicher - wer zu ihnen muss, wird also mindestens mit einem Hörschaden wieder abreisen, wenn er von "The 12th Man", wie das Publikum genannt wird, angebrüllt wird.

Alles schön und gut, sagt Quarterback Wilson, die Bilanz von 11:1 sei ja ganz nett, sie bedeute auch viel, aber: "Das war nicht unser Ziel. Unser Ziel ist, alles zu gewinnen." Sonst wirkt der Freiluft-Lärm-Weltrekord ja auch ein bisschen lächerlich.