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Super Bowl:Sportliche Beigabe zur Werbung

Vince Lombardy Trophy

Im Super Bowl treffen die San Francisco 49ers auf die Kansas City Chiefs.

(Foto: AP)

Der Super Bowl übersteigt das sportliche Geschehen: Es geht auch um Avocados, millionenschweren Wahlkampf und eine Show über Gleichberechtigung. Das Sportereignis von A bis Z.

Andy Reid: Trainer der Kansas City Chiefs - hält den zweifelhaften Rekord für die meisten Siege (221), ohne jemals einen Titel gewonnen zu haben. Passt damit zu dieser Franchise, die nun zum ersten Mal seit 50 Jahren wieder im Endspiel steht. Sein Quarterback Patrick Mahomes sagt deshalb: "Wir werden für Reid gewinnen, und wir werden für Kansas City gewinnen."

Bay Area: Von den Sportgöttern bevorzugte Gegend mit zahlreichen Titeln in bedeutsamen Sportarten: Basketball (Golden State Warriors, sechs), Baseball (Oakland A's, neun - San Francisco Giants, acht), Fußball (San José Earthquakes, zwei) und natürlich American Football, wo die San Francisco 49ers ihre sechste Meisterschaft gewinnen wollen.

Chicken Wings: Lieblingsessen der Amerikaner beim Super Bowl, etwa 1,4 Milliarden Hühnchenflügel werden am Sonntag verputzt. Dazu etwa 500 Millionen Liter Bier und 87 000 Tonnen Avocados. Führt dazu, dass der Montag "Supersick Monday" genannt wird, weil sich sechs Prozent der Amerikaner krank melden.

Dominanz: Die Einschaltquoten für den Super Bowl sind so riesig, dass das Spiel in den USA die Top Five der meistgesehenen Programme der Geschichte belegt. Hilfreich übrigens auch für die Sendungen danach: Den Rekord hält "Friends" im Jahr 1996 mit mehr als 52 Millionen Zuschauern. Diesmal zeigt Fox den Promi-Gesangswettbewerb "The Masked Singer".

Erster: Waren in der regulären Saison nur die San Francisco 49ers (Bilanz: 13:3), die Kansas City Chiefs (12:4) wurden Zweiter in ihrer Conference. Im Halbfinale trafen die 49ers auf den Zweiten aus Green Bay in deren Stadion - und setzten sich durch. Die Chiefs mussten sich in der regulären Saison hinter den Baltimore Ravens einreihen, trafen aber gar nicht mehr auf den Primus - der scheiterte überraschend im Viertelfinale.

Frisur: Bisweilen problematisch für Footballspieler. Wer die Haare lang trägt, lebt auf dem Platz mit erhöhtem Risiko. Denn ein Verteidiger darf beherzt zupacken und den Gegner an den Haaren stoppen. Das ist völlig legal, sofern die Haare unter dem Helm hervorschauen.

Gelöscht: Wurden die Fernsehaufzeichnungen der ersten beiden Endspiele. Steve Sabol von NFL Films sagt: "Sie wurden gelöscht, um Seifenopern filmen zu können." Was heute von diesen Partien zu sehen ist, sind Zusammenschnitte der Aufzeichnungen von Fans.

Halbzeitshow: Kulturelle Beigabe zu den Werbefilmen, so wie das Spiel die sportliche Beigabe zur Werbung ist. Im vergangenen Jahr (Maroon5) außerordentlich langweilig - diemal sind Jennifer Lopez und Shakira dran und haben eine Show über Gleichberechtigung versprochen.

Illegal Motion: Kurz vor Beginn eines jeden Spielzugs darf sich nur ein Spieler parallel zur Line of Scrimmage - der imaginären Linie, auf der der Ball ruht - bewegen. Der Man in Motion versucht so, beim Gegner Verwirrung zu stiften. Zuckt ein Spieler in vertikaler Richtung, ist das ein falscher Start und wird mit Raumverlust bestraft.

Jubiläum: Etwas verfrühte Feier der NFL, schließlich wurde die Vorgängerin American Professional Football Association (APFA) am 20. August 1920 gegründet. Es läuft also streng genommen die 100. Spielzeit dieser Vorgängerin, die es ja nicht mehr gibt. Die NFL feiert dennoch - so wie sie vor drei Jahren das 50. Endspiel gefeiert hatte. Und es steht zu befürchten, dass im kommenden Jahr das 40. Jubiläum des endgültigen Zusammenschlusses der beiden Ligen American Football League und National Football League gefeiert wird.

Kaepernick, Colin: War vor Jimmy Garoppolo der letzte Quarterback, der die San Francisco 49ers in einen Super Bowl führte. Ab 2016 aber weniger in der Rolle des Spielmachers bekannt als in der des Aktivisten. Spätestens bei seinem Knie-Protest gegen Rassismus bei der Nationalhymne zeigte sich, dass die Vereinigten Staaten tief gespalten sind. Denn für viele Menschen in den USA gehört Patriotismus zum Football wie Hochhäuser zu New York. Kaepernick bekam zwar große Unterstützung, löste aber auch eine Welle der Empörung aus und fand wohl auch deshalb seit 2017 keinen Job mehr als Profispieler. Bei einem Probetraining konnte er in dieser Saison immerhin zeigen, dass er noch immer kräftig werfen kann. Ob er aber nochmal eine Chance in der NFL bekommt, ist ungewiss. Als sicher darf gelten, dass Nachfolger Garoppolo bei der Hymne nicht aufs Knie geht.

LIV: Zählweise für den Super Bowl - doch warum? Antwort: um Verwirrung zu vermeiden. Weil das Endspiel nicht im selben Kalenderjahr stattfindet wie die eigentliche Saison, heißt es nicht Super Bowl 2020. Vor wenigen Jahren gab es eine Ausnahme von den römischen Zahlen, und dafür hat der Vizechef der Abteilung Marke und Kreatives eine Erklärung : "Super Bowl L ist einfach nicht so hübsch wie Super Bowl 50."

Miami: Am Austragungsort des Super Bowls gab es in dieser Saison lange Zeit kaum sportliche Glanzpunkte. Die Dolphins, das lokale Team, galten lange als die schlechteste Mannschaft der Liga, holten dann aber doch noch ein paar Siege und beendeten die Saison mit einem versöhnlichen Ergebnis: einem Sieg gegen die Patriots.

Nzeocha, Mark: Deutscher Teilnehmer am Super Bowl. Hat seine Karriere bei den Franken Knights in Rothenburg ob der Tauber begonnen. Jetzt will er der dritte deutsche Super-Bowl-Champion nach Markus Koch und Sebastian Vollmer werden.

Nationalhymne: Wird in diesem Jahr von Demi Lovato gesungen. Nach Drogenproblemen ist sie gerade erst wieder auf die Bühne zurückgekehrt. Überlebte 2018 eine Überdosis nur knapp.

Off-Season: Die Spieler haben nach dem Super Bowl erstmal frei. Endlich mal durchschnaufen, Pause machen, Verletzungen auskurieren. Allerdings nicht die kompletten rund sechs Monate bis zum Beginn der Vorbereitungsspiele im September. Denn wer vorher nicht privat trainiert, wird es in den Trainingscamps der Teams schwer haben.

Phallus: Typische Bezeichnung für das Aussehen von Pokalen wie der Vince Lombardi Trophy - entworfen und produziert von der Firma Tiffany & Co. Der Sieger darf die Trophäe behalten, es gibt in jedem Jahr eine neue.

Quarterback: Wichtigster Spieler beim Football, weil er der einzige ist, der in der Offensive bei jedem Spielzug den Ball berührt. Patrick Mahomes (Kansas City Chiefs) gegen Jimmy Garoppolo (San Francisco 49ers) sind unterschiedliche Spielertypen. Mahomes spielt spektakulär, aufregend und risikoreich. Er wirft viel, läuft aber auch oft selbst mit dem Ball. Garoppolo dagegen wirft kaum, sondern drückt das Spielgerät lieber seinen Mitspielern in die Hand, die dann loslaufen.

Ring: Wer als Footballer viele Ringe trägt, kann auf eine stattliche Karriere verweisen, jedenfalls wenn es sich um Super-Bowl-Ringe handelt. Die bekommen alle Teammitglieder der Siegermannschaft. Ab und an wird mal einer versteigert. Die "Familienversion" eines Rings von Tom Brady ging für fast 345 000 Dollar weg - obwohl sie sogar etwas kleiner ist als Bradys eigentlicher Ring.

Sowers, Katie: Erste Frau, die beim Super Bowl als Trainerin tätig ist. Erste offen homosexuelle Person, die beim Super Bowl als Trainerin tätig ist. Sollte keine große Sache sein, ist es aber. Noch immer werden Frauen, Homosexuelle und Schwarze in der NFL übergangen, was zur Frage führt, ob NFL womöglich nicht für National Football League steht, sondern für Not For League? Also: Nicht für Schwarze. Nicht für Homosexuelle. Nicht für Frauen.

Toilettenbesuch: Ist entgegen zahlreicher Mythen auch während der Halbzeitpause erlaubt - es hieß einst, dass zu diesem Zeitpunkt mehr als 100 Millionen Amerikaner gleichzeitig spülen. Die Wasserversorgung soll überall in den USA gewährleistet sein.

Unentschieden: Gab es in der Geschichte des Super Bowl erst ein Mal - und Kyle Shanahan, der Head Coach San Francisco 49ers, war dabei. 28:28 stand es 2017 nach der unfassbaren Aufholjagd der New England Patriots gegen die Atlanta Falcons, bei denen Shanahan Offensive Coordinator war. Es muss freilich ein Sieger ermittelt werden - beim Football läuft das so: Wer zuerst einen Touchdown erzielt, der gewinnt sofort. Sollte der Verein, der zuerst Ballbesitz bekommt, ein Field Goal schaffen, bekommt der Gegner eine Chance. 2017 übrigens gewannen die Patriots durch einen Touchdown.

Verzögerung: Wegen der Halbzeitshow 2004, als Justin Timberlake die Brust von Janet Jackson entblößte, haben amerikanische Sittenwächter eine Verzögerung von fünf Sekunden zwischen Geschehen und Ausstrahlung durchgesetzt. Sollte etwas ähnliches passieren, würde das Fernsehbild sogleich schwarz werden. Auch in Deutschland.

Werbung: Ist teuer! Ein 30-Sekunden-Sport kostet bei Fox in diesem Jahr etwa 5,6 Millionen Dollar. Wer sich das leistet? Autokonzerne wie Audi, Hyundai oder Porsche, Tech-Unternehmen wie Facebook, Google oder Microsoft und auch Getränkehersteller wie Pepsi oder Cola. Weil in diesem Jahr die Präsidentschaftswahl ansteht, ist die Werbung aber auch politisch. Sowohl Trump als auch der Demokrat Michael Bloomberg haben ordentlich Geld in die Hand genommen und sich je 60 Sekunden Sendezeit gesichert - für geschätzt um die 10 Millionen Dollar.

XFL: Nach dem Finale kommt für viele Fans die große Leere. So ist es oft, wenn die Football-Saison vorüber ist. Immer wieder versuchen sich deshalb kleinere Ligen zu etablieren und in der Off-Season zum Pausenfüller für das Millionenpublikum zu werden. Die XFL nimmt den Spielbetrieb im Februar auf - eine Woche nach dem Super Bowl.

Yards: 1 Yard = 0,9144 Meter. Als Spezialist beim Erlaufen von Yards hat sich in der vergangenen Playoff-Runde Raheem Mostert, Runningback der 49ers, hervorgetan. Als einziger Spieler der NFL-Geschichte erlief er in einer Hälfte eines Playoff-Spiels drei Touchdowns und mehr als 150 Yards.

Zigarette: Es gibt ein altes Bild aus dem Jahr 1967. Darauf zu sehen ist Chiefs-Quarterback Len Dawson, wie er in der Halbzeitpause des Super Bowl gegen Green Bay genüsslich an einer Kippe zieht. Sein Nachfolger Mahomes wird darauf wohl verzichten - nicht nur weil Dawson das Endspiel damals verlor.

© SZ.de/dsz/tbr
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