Kommentar Alle warten auf den absurden Sommer

Wieder beim VfB: Cacau

(Foto: Adam Pretty/Getty Images)
  • Das Wintertransferfenster verlief vergleichsweise ruhig. Aktiv waren in der Bundesliga vor allem die Klubs aus der unteren Tabellenregion.
  • Global agierte China als neuer Spieler im Wettbewerb der großen Ligen mit und investierte mehr Geld als Deutschland, Spanien oder Italien.
  • Erst im Sommer, wenn in England der neue TV-Vertrag greift, wird der Transfermarkt noch mal durcheinandergewirbelt.
Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Am Ende kam es dann doch noch zum ganz großen Wechsel. Heftig war ja spekuliert worden, dass allerlei Prominenz in diesem Winter durch das Transfer-Fenster spazieren würde, das am Montag wieder zugeschlagen wurde. Doch selbst die Klubs der Premier League, die laut dem Online-Portal transfermarkt.de insgesamt 209,52 Millionen Euro in neues Personal investierten, streuten ihr Vermögen im Dezember und Januar nur nach dem Konfetti-Prinzip breit über den Planeten. So sicherte sich Norwich City für erstaunliche zwölf Millionen Euro die Dienste des Wolfsburger Verteidigers Timm Klose; der FC Bayern vermittelte seinen Bankdrücker Jan Kirchhoff für eine bescheidene Million an den FC Sunderland. Pogba allerdings blieb bei Juventus Turin, Ronaldo und Bale stürmen weiter für Real Madrid, Neymar wurde wieder in Barcelona gesichtet und Lewandowski trifft weiterhin für den FC Bayern.

Folglich fiel der Scheinwerfer im großen Transfer-Finale auf den VfB Stuttgart. Denn der vollzog jene "spektakulärste Winter-Personalie" (Deutsche Presse-Agentur), die die Liga adeln wird. Claudemir Jerônimo Barreto, besser bekannt als Cacau, ist zurück von einem offenbar unerquicklichen Japan-Abenteuer. Deutscher Meister 2007, deutscher WM-Stürmer 2010 - Cacau, 34, soll dem VfB helfen, den Abstieg zu vermeiden. Allerdings nicht in Liga eins, sondern in Liga drei, in der zweiten Mannschaft, wo die Not der Schwaben ähnlich groß ist.

Ab Sommer wird der Markt mit Geld geflutet

Aber auch für seine erste Mannschaft hat der VfB spektakulär zugegriffen: Kevin Großkreutz, Ex-Dortmunder, der sich Mitglied des Weltmeister-Kaders von 2014 nennen darf, nimmt dort seine sportliche Resozialisierung in Angriff. Und das mit ersten Erfolgen. Mit Großkreutz in der Startelf wurde 3:1 in Köln und 2:1 gegen den HSV gewonnen; somit könnte der VfB beispielgebend werden für alle, die mit zwei, drei zielgenauen Winter-Transfers einen Trend zu drehen versuchen. Gehandelt haben vorrangig jene Bundesligisten, die einem Negativstrudel zu entkommen versuchen, Bremen, Hannover, Frankfurt, der HSV; nahezu unberührt ließ nur die TSG Hoffenheim das Personal-Tableau.

Gut, oben in der Tabelle vollzog der FC Bayern mit Verteidiger Serdar Tasci einen SOS-Transfer, der Rest der Etablierten aber orientierte sich an einer alten Kaufmanns-Regel: Was soll ich einen guten Profi heute teuer ziehen lassen, den ich morgen teurer verkaufen kann? Ab Sommer wird bekanntlich der Markt mit Geld geflutet, greift dann doch der neue, milliardenschwere Fernsehvertrag der Premier League. Ab Sommer ist zudem Pep Guardiola bei Manchester City, und für die Umsetzung seiner flamboyanten Ideen braucht er wohl eine neue Mannschaft. Auch die Chinesen werden im Casino sitzen bleiben, die bereits im Winter mit über 200 global gestreuten Millionen hinter den Engländern die Transfer-Könige waren. In diesem Wissen halten sich die großen Spieler ganz, ganz still am Tisch. Denn eines ist klar: Es wird ein absurder Sommer.