Kapitalerhöhung bei Borussia Dortmund Watzke will mit dem Geld kein Unsinn machen

Dortmund gilt, glaubt man mehreren Studien, als "sympathische" Fußballmarke in Deutschland, die bei den Zuschauern offenbar auch weniger polarisiert als etwa die Bayern, die man entweder liebt oder hasst. Die Transferwerte der BVB-Stars, von Marco Reus über Mats Hummels und Ilkay Gündogan bis zum frisch verpflichteten italienischen Torschützenkönig Ciro Immobile werden auf 350 Millionen Euro geschätzt, der Wert des größten deutschen Stadions auf 190 Millionen Euro. Der Börsenwert liegt bei unter 300 Millionen Euro.

Engel zitierte den Schauspieler Joachim Król, einen bekennenden Fan der Borussia. Der habe es wunderbar auf den Punkt gebracht: "Nach der Musik ist Fußball die zweite Weltsprache." Von der internationalen Sympathie für den Fußballklub Borussia Dortmund profitiere ein Unternehmen wie Evonik. "Das spüren unsere Mitarbeiter, wenn sie in Asien oder Lateinamerika bei Geschäftspartnern sind." Evonik hofft auf also einen positiven Imagetransfer.

Der BVB will mit dem Geld Matthias Ginter kaufen

Eine "Transfer-Offensive", so dämpfte BVB-Chef Watzke allerdings die Frühlingsgefühle vieler Fans, werde man nicht anstreben: "Wir verdienen ja Geld und können daraus, wie man sieht, alle gewünschten Spielertransfers lösen." Watzke nannte allerdings explizit den Freiburger Jung-Nationalspieler Matthias Ginter, den der BVB gerne im Breisgau loseisen möchte.

Man habe außerdem ins Auge gefasst, die Rest-Hypotheken - rund 35 Millionen Euro - auf dem klubeigenen Stadion Signal-Iduna-Park abzulösen. Allein dadurch würde der Klub im Jahr fünf Millionen Euro einsparen und "in die Mannschaft stecken" können. Auch das Firmengebäude am schicken Rheinlanddamm könnte komplett abgelöst werden. Direkt neben dem Stadion baut der Klub eine "Fanwelt".

"Der BVB ist mindestens 600 Millionen wert"

Borussia Dortmund stehen finanziell gute Zeiten bevor: Im SZ-Interview spricht Vorstandschef Hans-Joachim Watzke über den Einstieg großer Investoren, den Kursanstieg der BVB-Aktie und wie 140 Millionen Euro in die Klubkasse fließen könnten. Von Freddie Röckenhaus mehr ...

"Wenn man auf einen Schlag eine Menge Geld in die Hände bekommt", warnte Watzke, wohl in Erinnerung an seine Vorgänger, die schon drei Jahre nach dem ersten Börsengang vor einem Scherbenhaufen standen, "besteht immer die Gefahr, damit Unsinn zu machen". Dortmund werde jedoch weiter auf Wachstum setzen. "Wenn wir unseren Umsatz um 100 Millionen Euro steigern, erst dann können wir davon 40 Millionen Euro in unsere Mannschaft stecken."

Für das am Montag endende aktuelle Geschäftsjahr kündigte Watzke an: "Wir haben erneut Geld verdient, auch ohne Transfererlöse." In den vergangenen beiden Jahren hatte der BVB, entgegen allen Gepflogenheiten im Fußball-Business, sogar kleine Dividenden aus den Millionen-Gewinnen ausgezahlt. Der Rekordumsatz des vergangenen Jahres (305 Millionen Euro) basierte allerdings zum Teil auf dem Transfer von Mario Götze zum FC Bayern, der allein 37 Millionen Euro einbrachte.

Im Wettlauf mit dem FC Bayern wähnt Watzke seine Dortmunder zwar weiterhin "um Jahre im Rückstand". Engel und Watzke kündigten auch die Verlängerung des Evonik-Vertrages als Hauptsponsor bis 2025 an. Es wird geschätzt, dass die jährliche Zuwendung deutlich über 20 Millionen Euro steigen werde. Das läge nur noch knapp unter den gut 25 Millionen, die Sponsor Telekom angeblich dem FC Bayern überweist. Zuletzt hatte der BVB immer wieder selbst aufgebaute Stars wie Sahin, Kagawa, Götze oder zuletzt Lewandowski an "global player" wie Real Madrid, Manchester United oder den FC Bayern verloren, weil dort viel mehr verdient wird.

Die beiden Ruhrpott-Unternehmen mit ihren globalen Ambitionen wollen das in Zukunft gemeinsam verhindern - mit frischem Geld und Geschick.