Kagawa und der BVB Zurück ins Klopp-Biotop

2012 mit Dortmund Meister und Pokalsieger: Shinji Kagawa.

(Foto: Patrik Stollarz/AFP)

Der verlorene Sohn ist zurück: Shinji Kagawa verlässt Manchester United und unterschreibt einen Vier-Jahres-Vertrag beim BVB. In Dortmund erwartet ihn ein Willkommens-Orkan der Fangemeinde. Ob er noch ins System passt, ist allerdings fraglich.

Von Freddie Röckenhaus, Dortmund

Das beiderseitige Leiden hat ein Ende, die Fan-Aktion "Free Shinji" kommt zu einem guten Abschluss. Einige Stunden lang hatte BVB-Sportchef Michael Zorc am Sonntag noch verhandelt, dann kam am Nachmittag die Bestätigung: Borussia Dortmund hat die Rückholaktion seines 2012 zu Manchester United abgewanderten Spielmachers Shinji Kagawa besiegelt. Der Japaner unterschreibt einen Vier-Jahres-Vertrag, die Ablöse wird in England mit 6,3 Millionen Pfund, in Dortmund mit acht Millionen Euro beziffert. Kagawa kostet damit ungefähr die Hälfte dessen, was Manchesters einstiger Manager Alex Ferguson nach Westfalen überweisen ließ. Das letzte Spiel für die Borussen hatte Kagawa im Mai 2012 beim 5:2 im Pokalfinale gegen die Bayern bestritten.

Kagawa verzichtet auf viel Geld

Ob Kagawa, um dessen Rückkehr sich Dortmund seit April 2013 bemüht hatte, als Mario Götzes Wechsel zum FC Bayern bekannt wurde, tatsächlich ein Transfer-Schnäppchen ist, muss sich allerdings erweisen. In Manchester kam der 25-Jährige weder unter Ferguson noch unter dessen Nachfolgern David Moyes, Ryan Giggs und inzwischen Louis van Gaal zum Zuge. Schon im Sommer 2013 hatte Kagawa in einem Interview in Japan angekündigt, er wolle "eines Tages nach Dortmund zurück", wenn der BVB ihn noch haben wolle. Trainer Jürgen Klopp, ebenso erklärter Kagawa-Fan wie der BVB-Anhang insgesamt, jammerte in Interviews mit englischen Zeitungen, dass er "heulen" könne, wenn er sehe, wie "einer der besten Zehner der Welt" in Manchester auf der Bank oder auf den Außenpositionen versauere.

Fitter als die Weltmeister

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Kagawas alter Zimmerkollege Kevin Großkreutz forderte per sozialem Netzwerk kürzlich: "Shinji, komm endlich zurück!" Dennoch zierte sich der Dortmunder Publikumsliebling, seinen "Jugendtraum Premier League" aufzugeben. Als erstes Zeichen für eine Rückkehr wurde allerdings gewertet, dass Kagawa bereits im Frühjahr ein Haus am Phoenixsee erwarb, der Alster von Dortmund, wo auch die BVB-Profis Reus, Hummels und Weidenfeller wohnen.

Kagawa ist nach Nuri Sahin bereits der zweite Profi, den der BVB nach einem von Problemen beladenen Auslands-Abenteuer zurückholt. In Dortmund wird bereits geraunt, dass Mario Götze der nächste sein könnte, der sein Experiment in fremder Umgebung abbricht und in das vergleichsweise sanfte Biotop um Jürgen Klopp zurückkehrt. Ähnlich wie Kagawa und Sahin (Real Madrid, FC Liverpool) tut sich auch Götze auswärts offenbar schwerer als vorher in Dortmund. Kagawa war mit Dortmund Meister (2011, 2012) und Pokalsieger (2012).

Er soll in Manchester satte acht Millionen Euro Gehalt im Jahr verdient haben. In Dortmund wird er zwangsläufig auf die Hälfte verzichten müssen, um ins Gefüge zu passen. Dafür dürfte der Japaner blendend zu der Asien-Werbung passen, die der BVB gerade forciert. Ob der kurvengängige Kagawa an alte Zeiten anknüpfen kann, wird unterschiedlich eingeschätzt. Dortmund spielt heute rasanter als vor zwei Jahren. Auf Kagawas Position hat sich Nationalspieler Marco Reus etabliert, der vor zwei Jahren aus Mönchengladbach nach Dortmund zurückgeholt worden war. Auch Sahin tut sich mit dem Tempofußball des aktuellen BVB oft schwer.

Eine Offensive mit Pierre-Emerick Aubameyang als Stürmer, Reus, Kagawa, Henrikh Mkhitaryan und irgendwann vermutlich auch wieder mit Ilkay Gündogan, der nach einem Rücken-Leiden samt OP am Samstag die ersten Schritte im Mannschaftstraining wagte, funktioniert auf dem Papier brillant. Aber "entscheidend" ist nach dem Credo von BVB-Legende Adi Preißler bekanntlich "aufm Platz".