Jürgen Klinsmann als US-Coach "Eine absolute Fehlleistung"

Fassungslos am Spielfeldrand: Jürgen Klinsmann.

(Foto: AFP)
  • Ist Jürgen Klinsmann noch der richtige Coach für das US-Nationalteam?
  • Nach dem Aus beim Gold Cup wächst die Kritik.
  • Dem deutschen Trainer droht ein Endspiel.
Von Kathrin Steinbichler

Montags um 10 Uhr bittet US-Verbandschef Sunil Gulati an der Upper West Side von New York immer zu seiner allwöchentlichen Sprechstunde. In seinem Universitätsbüro zwischen Morningside Park und Hudson River nimmt sich der mächtigste Mann des nordamerikanischen Fußballs zum Wochenstart eine Stunde lang Zeit, um sich die Fragen und Sorgen seiner Studenten anzuhören.

Der Wirtschaftswissenschaftler Gulati ist ein gern besuchter Senior Lecturer an der Columbia Universität, der seine Studenten eloquent und charmant in den Grundlagen der Wirtschaft und in Sportökonomie unterrichtet. Fragen zum Fußball aber wollte Gulati an diesem Montag weniger hören. Das US-Nationalteam steht seit dem vorzeitigen Aus im Gold Cup im Kreuzfeuer der Kritik. Und mit ihm sein Nationaltrainer Jürgen Klinsmann.

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Der Schwabe war beim Gold Cup angetreten, um mit dem US-Nationalteam den Kontinentaltitel für Nord- und Mittel- amerika zu verteidigen. Alles andere, meinte Klinsmann noch vor dem in den USA ausgetragenen Turnier, "wäre eine Blamage". Die Blamage aber erlebte Klinsmann, 50, noch vor dem Finale, das am Sonntag letztlich ohne die Gastgeber stattfand. Ohnmächtig musste Gulati zusehen, wie das US-Team erst im Halbfinale gegen Jamaika verlor und dann auch im Spiel um Platz drei gegen Panama unterlag.

Klinsmann schüttelt den Kopf

Anstatt das wachsende Selbstbewusstsein des US-Verbandes zu flankieren, der gerade durch den WM-Titel der Frauen neue Rekorde bei TV-Zuschauern und Werbeeinnahmen verzeichnet, muss Gulati sich nun erstmals seit Monaten in der Defensive üben. Denn die Forderungen nach einem Wechsel auf dem Posten des Nationaltrainers ein Jahr vor den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro werden lauter.

Im Internet kursiert ein Fernsehausschnitt aus dem Abschlussspiel gegen Panama, bei dem Klinsmann am Spielfeldrand eine Hand vor das Gesicht schlägt, die Augen schließt und dann wiederholt den Kopf schüttelt. Diese Reaktion in der Partie um Platz drei, die gegen den 62. der Weltrangliste im Elfmeterschießen verloren ging, steht nun symbolisch für den Zustand, in dem die US-Mannschaft sich befindet: In entscheidenden Spielen bringt das Team nicht das, was erwartet wird, und irgendwie weiß keiner, warum.